Großrazzia gegen mutmaßliche Schleuserbande: Einsatzkräfte auch in Marzahn
Mit rund 2.200 Einsatzkräften sind Bundespolizei und Zoll am Mittwochmorgen bundesweit gegen eine mutmaßliche Schleuserbande vorgegangen, auch in Marzahn-Hellersdorf.
Die Ermittler vollstreckten zehn Haftbefehle und durchsuchten insgesamt 104 Objekte, darunter Wohnungen, Wohnunterkünfte, Firmen und Hotels. Die Beschuldigten sollen gewerbs- und bandenmäßig Ausländer eingeschleust, Dokumente gefälscht und Arbeiter beschäftigt haben, ohne für sie Beiträge an die Sozialversicherungen abzuführen.
Einsatz in acht Bundesländern
Die Durchsuchungen am Mittwoch, dem 30. September 2026, fanden unter anderem in Berlin, Hamburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg statt. Beteiligt waren Kräfte der Bundespolizei sowie der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls. Die Maßnahmen liefen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin, die das Verfahren führt.
Auch Marzahn-Hellersdorf gehörte zu den Orten, an denen die Einsatzkräfte tätig wurden. Welche Objekte im Bezirk genau durchsucht wurden und ob es dort auch Festnahmen gab, geht aus der Mitteilung der Behörden nicht hervor.
Gemeinsame Ermittlungsgruppe „Purgatio“
Für das Verfahren haben die Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Berlin und das Hauptzollamt Berlin eigens eine Gemeinsame Ermittlungsgruppe eingerichtet. Sie trägt den Namen „Purgatio“, lateinisch für Reinigung oder Säuberung. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden stehe der Verdacht im Raum, dass die mutmaßliche Bande Menschen nach Deutschland geschleust und hier als Arbeitskräfte eingesetzt habe. Die Sozialversicherungsbeiträge für diese Beschäftigten seien dabei nicht entrichtet worden.
Die Vorwürfe wiegen schwer. Das banden- und gewerbsmäßige Einschleusen von Ausländern ist nach dem Aufenthaltsgesetz ein Verbrechenstatbestand, der mit Freiheitsstrafen von einem Jahr bis zu zehn Jahren geahndet werden kann. Hinzu kommen der Verdacht der Urkundenfälschung sowie des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt nach Paragraf 266a des Strafgesetzbuchs. Letzteres betrifft Arbeitgeber, die Beiträge ihrer Beschäftigten zur Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung nicht an die Einzugsstellen weiterleiten. Den Schaden tragen die Sozialkassen und damit die Allgemeinheit, oft aber auch die Beschäftigten selbst, die ohne Absicherung arbeiten.
Zehn Festnahmen, Haftrichter entscheidet
Die zehn aufgrund der Haftbefehle festgenommenen Beschuldigten werden den zuständigen Haftrichtern vorgeführt, die ihnen die Haftbefehle verkünden. Dort wird entschieden, ob die Beschuldigten in Untersuchungshaft bleiben. Für alle Beschuldigten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
Auch Österreich kontrolliert Hotels
Unabhängig von dem Berliner Verfahren hat nach Angaben der Behörden auch die österreichische Finanzpolizei am Mittwoch Hotels überprüft. Diese Prüfmaßnahmen dauerten noch an. Ob es inhaltliche Verbindungen zu den deutschen Ermittlungen gibt, teilten die Behörden nicht mit.
Ermittlungen dauern an
Wie viele Menschen mutmaßlich eingeschleust wurden, in welchen Branchen sie tätig waren und wie hoch der Schaden für die Sozialversicherungen ist, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Die Ermittlungen zum Sachverhalt und zu den Tatbeteiligungen dauern nach Angaben der Behörden an.
Foto(s): © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 Whatsapp-KANAL Marzahn-Hellersdorf LIVE 🗞️
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