Größter Meteorit Deutschlands: Streit um Fundort und Finder
Anfang Juli 2025: Im Foyer des Landesamtes für Umwelt in Hof wird das Prunkstück einer neuen Ausstellung enthüllt. Der größte und schwerste Meteorit, der jemals in Deutschland gefunden wurde. Über 136 Kilogramm bringt er auf die Waage und besteht vor allem aus Eisen und Nickel. Zum Artikel: Meteorit sorgt für Aufregung: Hausdach beschädigt Gefunden haben soll ihn ein Mann aus Reitzenstein, einem Ortsteil von Issigau im Landkreis Hof – bei Baggerarbeiten an seinem Haus. So steht es auch in der Sonderausgabe des Landesamtes zur Ausstellung. Um Fundort und Finder wird jetzt allerdings juristisch gestritten: Der Versuch einer Einigung in einem sogenannten Güteverfahren ist am Freitagvormittag vor dem Landgericht Hof gescheitert. Klägerin: Meteorit in 1980er Jahren bei Gattendorf gefunden Eine Unternehmerin aus dem Landkreis Hof hatte eine Zivilklage eingereicht. Sie will erreichen, dass der vermeintliche Finder sich nicht mehr als solcher bezeichnen darf. Außerdem soll gerichtlich geklärt werden, wem der Meteorit gehört. Die Fundgeschichte laut Klägerin: Ein Bauer habe den Meteoriten in den 1980er Jahren mit dem Pflug auf dem Hofgut ihrer Familie bei Gattendorf, ebenfalls im Landkreis Hof, ausgegraben. Der ungewöhnliche "Stein" habe dann über viele Jahre unerkannt als Dekoration offen auf dem Hofgut herumgelegen. Nach dem Tod des Vaters der Klägerin habe ihn der damalige Betriebsleiter dann ohne ausdrückliche Erlaubnis mit zu seinem Haus nach Reitzenstein genommen. Jenes Haus, das später der vermeintliche Meteoriten-Finder kaufte. Die Klägerin wirft ihm vor, bezüglich der Fundsituation nicht die Wahrheit zu sagen: Auch dort habe der Brocken offen herumgelegen. Beklagter bekräftigt den Zufallsfund Der Beklagte wiederum bestreitet die Fundgeschichte der Klägerin im Güteverfahren nicht. Er verschließe sich nicht gegen Fakten, aber er habe nichts davon gewusst. Der Brocken habe auch nicht offen herumgelegen. Er sei, wie angegeben, bei Baggerarbeiten auf den Meteoriten gestoßen. Weil ihm als Werkstofftechniker später das Gewicht und der sichtbare Rost an dem Brocken seltsam vorgekommen seien, habe er eine Probe eingeschickt. Diesem Handeln sei es zu verdanken, dass nun feststehe, dass es sich um den größten je in Deutschland gefundenen Meteoriten handelt – das räumt auch die Klägerin ein. Beide Streitparteien: Es geht nicht um Geld Zu Geld machen will den Meteoriten eigenen Angaben nach keine der beiden Parteien. Sein theoretischer Wert ist beträchtlich: Würde man ihn international an Sammler verkaufen, könnte der Preis in die Hunderttausende gehen – das Gericht hat den Streitwert vorerst auf 100.000 Euro festgelegt. Die Klägerin betont immer wieder, dass es ihr vor allem um die Wahrheit gehe. Damit zum Beispiel die Wissenschaft weitere Untersuchungen am richtigen Ort anstellen könne – und der sei eben Gumpertsreuth bei Gattendorf, nicht Reitzenstein bei Issigau. Der Beklagte wiederum wirft der Klägerin vor, sofort mit juristischen Mitteln vorgegangen zu sein, ohne vorher das Gespräch zu suchen. Keine gütliche Einigung vor dem Landgericht Hof Der Richter im Güteverfahren hat eine – wie er selbst sagt – juristisch recht ungewöhnliche Grundidee für eine mögliche Einigung vorgeschlagen: Der Meteorit könnte einer öffentlichen Institution wie zum Beispiel dem Freistaat Bayern überschrieben werden, die zusichert, ihn der Allgemeinheit und der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Eigenen Angaben nach ist das auch das erklärte Ziel beider Streitparteien. Beide signalisieren daraufhin auch grundsätzlich Sympathien für diesen Vorschlag – lehnen ihn dann aber dennoch ab. Sowohl für die Klägerin, als auch für den Beklagten muss vor dieser Lösung trotzdem die Eigentumsfrage geklärt sein. Eine gütliche Einigung vor dem Landgericht Hof ist damit gescheitert, für Ende November ist eine Beweisaufnahme angesetzt. Meteorit bis zur Einigung im Gerichtstresor Das macht vorerst genau das unmöglich, was eigentlich alle Beteiligten wollen: weitere wissenschaftliche Untersuchungen und die öffentliche Zugänglichkeit des größten Meteoriten Deutschlands. Der nämlich liegt in einem Gerichtstresor in Bamberg. So lange, bis der Rechtsstreit – unter Umständen auch durch mehrere Instanzen – abgeschlossen ist.