Grundschullehrer von morgen scheitern häufig an Mathematik
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Grundschullehrer von morgen scheitern häufig an Mathematik – Studenten haben bereits abgebrochen
Von: Alexander Schäfer
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Das neue Grundschullehramtsstudium an der RWTH Aachen ist nicht einfach. Fünf von 81 Studenten haben bereits abgebrochen.
Aachen – Vor den Sommerferien hat der Landtag das Hochschulstärkungsgesetz beschlossen. Ein Ziel von NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU) ist es, „dass es noch erfolgreicher gelingt, Studentinnen und Studenten mit einer guten Betreuung zu einem Studienabschluss zu führen“. Das Statistische Bundesamt wies in der Vergangenheit für Bachelorstudiengänge an Universitäten bundesweit eine Gesamtabbruchquote von rund 29 bis 35 Prozent über den gesamten Studienverlauf aus. In Mathematik liegt die Quote bei bis zu 50 Prozent. Helfen soll in NRW nun die Möglichkeit einer Orientierungsphase über ein oder zwei Semester. Erst nach diesem „nullten Semester“ entscheiden sich die Studierenden für das anschließende Studium. Ein Blick nach Aachen zeigt die Notwendigkeit eines solchen Reformmodells.
Es geht um ein echtes Prestigeobjekt der schwarz-grünen Landesregierung. Seit dem Wintersemester 2025/26 kann man an der RWTH Aachen Grundschullehramt studieren. Möglich macht dies eine Kooperation mit der Bergischen Universität Wuppertal. Das Land fördert das neue Angebot mit 80 Studienplätzen pro Wintersemester mit zusätzlich 300 000 Euro im Jahr. Brandes sprach im Oktober 2025 von einem großen Erfolg. Immerhin gab es fast 700 Bewerbungen.
Grundschullehrer von morgen scheitern häufig an Mathematik
Doch der universitäre Alltag ist für viele Studenten schwieriger als gedacht. So gibt es einzelne Prüfungen in Mathematik, die mehr als die Hälfte der Teilnehmer nicht besteht. Auch in Chemie oder Biologie sollen sich nicht wenige Studenten darüber wundern, was man fürs Unterrichten von Grundschulkindern später alles so wissen muss.
Die anspruchsvollen Aufgaben erklären sich manche Studenten so: RWTH steht für Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule. Der Schwerpunkt der renommierten technischen Universität liegt auf Ingenieurwissenschaften und die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Das Wahlfach für die Studierenden in Aachen ist in der Regel Sachunterricht mit Schwerpunkt Naturwissenschaften und Technik. Folge: Angehende Grundschullehrer drehen wegen Nachprüfungen eine Extrarunde und studieren länger als geplant oder schmeißen direkt ganz hin.
Durchfallquote in Aachen unter 15 Prozent
Die RWTH teilte auf Anfrage mit, dass „etwa eine Handvoll Studierende“ das Studium abgebrochen oder den Studiengang gewechselt habe. „Vor allem aus persönlichen Gründen“, hieß es aus Aachen. Konkret hätten fünf von 81 Studenten, die im Oktober 2025 begonnen haben, aufgehört. Das sei nicht abweichend oder höher als bei anderen Studiengängen an der RWTH. Und: Die Ergebnisse des ersten Fachsemesters zeigten keine Abweichungen im Vergleich zu den Grundschullehramt-Studiengängen, die seit Jahren in Wuppertal durchgeführt werden.
Zur Klarstellung wichtig ist auch noch diese Zahl: Die Durchfallquote im Fach „Elementarmathematischen und fachdidaktische Grundlagen“ lag laut RWTH in Aachen unter 15 Prozent. Das war die Mathematikkomponente im ersten Fachsemester. Die zu Beginn genannte 50-Prozent-Durchfallquote ist ein bundesweiter Wert für das Studienfach Mathematik.
„Wir sind noch in der Aufbauphase“
Wie immer bei neuen Studiengängen würden die Ergebnisse und Erfahrungen intensiv beobachtet. Auf Wunsch der Studierenden werde die Lehrplanung angepasst, damit weniger Lücken in der Tagesplanung vorkommen. „Wir sind noch in der Aufbauphase“, teilte ein Sprecher der Uni mit. Es gebe jedoch keine Gründe, inhaltlich an den Lehrveranstaltungen etwas zu ändern. Er verwies zudem darauf, dass im vergangenen Jahr ein Vorkurs Mathematik angeboten worden sei. Das werde im September für die neuen Anfänger erneut umgesetzt.
Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft äußerte sich auf Anfrage zu Inhalten und Prüfungsergebnissen des Studiengangs mit Verweis auf die in Nordrhein-Westfalen geltende Hochschulautonomie nicht. Ein Sprecher verwies darauf, dass die Nachfrage nach den betroffenen Studienplätzen ungebrochen hoch sei. Trotz des ausgefallenen Abiturjahrgangs durch die Rückkehr von G8 auf G9 hätten sich aktuell 420 Kandidatinnen und Kandidaten auf die 80 Studienplätze im kommenden Wintersemester beworben. Die Anmeldefrist endet am 15. September.
Zurück in den Landtag: Bei der Verabschiedung des Hochschulstärkungsgesetzes versprach Ina Brandes den Universitäten zur Fachkräftesicherung „weitere zeitgemäße Instrumente an die Hand“. Konkret höhere Abschlussquoten forderte die Ministerin nicht.