Grüne: Kandidat ruft „Ausländer raus!“ - Partei veröffentlicht nach Krisensitzung Erklärung
David Possenriede kandidiert bei der Kommunalwahl in Niedersachsen für den Stadtrat in Damme und den Kreistag im Landkreis Vechta für die Grünen – allerdings ohne die Unterstützung seiner Partei, wie die „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) berichtet. Grund ist ein drei Jahre altes Video, in dem der heute 23-Jährige einen inzwischen allzu bekannten Alternativtext zu einem Klassiker von Gigi D’Agostino ruft. Der langjährige Messdiener ist in seiner Heimat verwurzelt, engagiert sich laut eigener Aussage im Heimat- und Verschönerungsverein und in der Karnevalsgesellschaft. „Als junger Kandidat für den Stadtrat möchte ich hier Verantwortung übernehmen und die Zukunft von unserem Damme aktiv mitgestalten“, schreibt der junge Grünen-Politiker, der sich selbst als „bodenständig, neugierig und engagiert“ bezeichnet, auf seiner Homepage. Was ihn antreibe, sei der Wunsch, dass Damme für alle Generationen lebenswert bleibe „und wir ein starkes Miteinander unabhängig von Herkunft, politischen oder religiösen Richtungen erhalten“. „Für rassistische Parolen und menschenfeindliche Äußerungen gibt es bei uns keinen Platz – unabhängig davon, von wem sie geäußert wurden“, zitiert die Regionalzeitung aus der Mitteilung. Von Kandidaten für ein öffentliches Mandat erwarte die Partei, dass sie diese Haltung glaubwürdig vertreten und jederzeit für die gemeinsamen Werte einstehen. Possenriede erklärte demnach, bei dem Vorfall habe es sich um eine scherzhafte Auseinandersetzung zwischen jungen Leuten aus Südfelde und Hunteburg gehandelt. In diesem Zusammenhang habe er „Ausländer raus“ gerufen. Eine fremdenfeindliche Gesinnung habe nach seiner Darstellung nicht dahintergestanden. Grüne akzeptieren Entschuldigung nicht Die Grünen akzeptierten diese Erklärung jedoch nicht als Entschuldigung. „Eine im Video getätigte rassistische Äußerung wird durch jugendliches Alter, Unüberlegtheit oder Alkoholkonsum nicht entschuldigt oder relativiert“, erklärte der Kreisverband. Auch wenn bei Possenriede nach eigener Darstellung keine fremdenfeindliche Gesinnung vorgelegen habe, mache der Kontext die Äußerung nicht akzeptabel. Possenriede habe seinen Fehler eingeräumt, seine Wortwahl bedauert und sich dafür entschuldigt, teilte die Partei weiter mit. Mit dem Ruhen seiner Mitgliedschaft wolle er Verantwortung übernehmen und Schaden von den Grünen abwenden. Auch der niedersächsische Grünen-Landesverband befasst sich mit dem Fall. Landesparteichef Maximilian Strautmann sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Wir stehen für eine offene und vielfältige Gesellschaft und treten klar gegen Rassismus und Ausgrenzung ein. Das Grölen von ausländerfeindlichen Parolen ist kein Partyspaß. Das war nicht in Ordnung. Hierzu haben die örtlichen Grünen alles gesagt und die notwendigen Maßnahmen ergriffen.“ Grünen-Kandidat kann nicht mehr von Stimmzettel gestrichen werden Politisch hat der Fall allerdings keine unmittelbare Folge für Possenriedes Kandidatur. Sein Name kann nach Angaben der Grünen aufgrund des geltenden Wahlrechts nicht mehr vom Stimmzettel gestrichen werden. Er bleibt damit bei der Kommunalwahl am 13. September wählbar. Ob Possenriede weiterhin Wahlkampf betreiben oder selbst um Stimmen werben will, ließ er auf Anfrage der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ offen und verwies auf die Mitteilung der Grünen.