Grüne: MeToo einmal anders
Es war eine Chefin der Grünen Jugend, die zu MeToo sagte: „Man muss den betroffenen Frauen immer glauben.“ Auch wenn die Frau womöglich Täterin ist? Die Unschuldsvermutung ist in keinem Fall verhandelbar. Es kann schließlich jeden treffen. Die frühere Spitzenkandidatin der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern und jetzt auch ehemalige Fraktionsvorsitzende Constanze Oehlrich hat hervorgehoben, ihr Rücktritt kurz vor der Landtagswahl sei nicht als Eingeständnis der gegen sie von früheren Mitarbeitern erhobenen Vorwürfe zu deuten. Zu lange untätig geblieben Die Grünen müssen sich freilich vorwerfen lassen, dass sie lange untätig blieben, obwohl die Anschuldigungen nicht neu sind. Es geht nicht nur um flapsige Sprüche, es geht um den Vorwurf des Ausnutzens einer Machtposition in einem Arbeitsverhältnis. So etwas gibt es, das sollten gerade auch die Grünen wissen, so wie es auch falsche Anschuldigungen und Trittbrettfahrer gibt. Aussitzen kann man das nicht, auch unabhängig von einem möglichen gerichtlichen Verfahren. Das ist jede Organisation allen Betroffenen und generell allen Mitarbeitern schuldig. Für die Grünen kann der Fall nicht nur wahlentscheidende Folgen haben (zwingend ist das freilich nicht). Sie sollten vor allem daraus lernen, ihre Schwarz-Weiß-Brille abzunehmen, die Opfer nach Geschlecht einteilt. Rechtsstaat statt Revolution – das muss gerade auf diesem sensiblen Feld gelten.