DAX +0,37 % 26.429,01 Pkt 16:37:12 MDAX +0,51 % 32.499,85 Pkt 16:37:12 Euro Stoxx 50 -0,06 % 6.541,58 Pkt 16:37:00 Dow Jones -0,02 % 53.756,85 Pkt 16:52:11 S&P 500 +0,59 % 7.793,99 Pkt 16:52:08 Nasdaq +0,62 % 26.753,62 Pkt 16:52:10 Nikkei +0,59 % 68.713,80 Pkt 08:45:03 Gold +1,76 % 4.440,20 USD 16:42:12 Silber +1,09 % 65,58 USD 16:42:12 Brent +0,78 % 87,75 USD 16:42:10 WTI +0,49 % 81,65 USD 16:42:05 Bitcoin -1,27 % 62.597,88 USD 16:52:10 EUR/USD +0,48 % 1,15850 USD 16:51:24 EUR/GBP +0,09 % 0,85470 GBP 16:52:12 EUR/CHF +0,25 % 0,93970 CHF 16:52:12 EUR/JPY +0,25 % 184,130 JPY 16:52:12

Gute Aussichten für den Goldpreis und die Goldminenaktien

Wirtschaft

Der Goldpreis verzeichnete zu Jahresbeginn 2026 zunächst eine aussergewöhnlich starke Aufwärtsbewegung und stieg innerhalb weniger Wochen um rund 25% auf ein Rekordhoch von 5595 $ je Unze, das im Tagesverlauf am 29. Januar 2026 erreicht wurde, jedoch nicht auf Schlusskursbasis. Die anschliessende Korrektur fiel massiv aus. In der Spitze verlor das Edelmetall vom Hoch knapp 30%, sodass die zuvor erzielten Gewinne des Jahres 2026 vollständig wieder abgegeben wurden und Gold heute nur leicht über dem Jahresschlusstand 2025 von 4319 $ je Unze notiert. Auslöser der kräftigen Korrektur waren einerseits der Nahostkonflikt, der mehrere klassische makroökonomische Belastungsfaktoren für Gold wieder in den Vordergrund rückte, darunter höhere energiegetriebene Inflation, eine restriktivere US-Notenbank, steigende Realzinsen und ein stärkerer US-Dollar. Andererseits war die Markttechnik sehr schwach im Sinne eines deutlich zu hohen Optimismus. Die Korrektur ist damit nicht als Ausdruck struktureller, lang anhaltender Schwäche zu interpretieren. Heute liegt dagegen eine komplett andere Situation vor. Goldpreis als zentraler Treiber für Goldminenaktien Der Goldpreis ist und bleibt der mit Abstand wichtigste Einflussfaktor für die Gewinnentwicklung der Goldminenaktien. Demzufolge gerieten auch die Goldaktien temporär unter Druck. Von ihren 2026er-Höchstständen sind die Kurse viele Minentitel zeitweilig um 35 bis 40% gefallen. Neben dem niedrigeren Goldpreis wirkten vor allem höhere Energiekosten als Gegenwind und setzten die Kostenprognosen unter Druck. Nach der jüngsten Kurskorrektur preisen Goldminenunternehmen im Durchschnitt einen langfristigen Goldpreis von rund 3200 bis 3700 $ je Unze ein und damit weiterhin ein Niveau unterhalb des aktuellen Spotpreises. Dies deutet darauf hin, dass der Sektor trotz des historisch hohen Goldpreisniveaus noch keine überzogenen Erwartungen reflektiert. Zugleich präsentiert sich die Branche operativ wie bilanziell robuster als in früheren Zyklen. Bereinigt um zeitweilige Belastungen aus höheren Energiekosten hat sich die Kostendisziplin gegenüber vergangenen Abschwungphasen signifikant verbessert. Unterstützt durch weiterhin hohe Margen verfügen die Unternehmen über eine höhere Resilienz gegenüber potenziell niedrigeren Goldpreisen. Hinzu kommen solide Bilanzstrukturen und überwiegend Netto-Cash-Positionen, die die finanzielle Stärke des Sektors unterstreichen. Auch der Free Cashflow bleibt robust und schafft zusätzlichen Spielraum für aktionärsfreundliche Kapitalmassnahmen, insbesondere in Form wertsteigernder Aktienrückkäufe. Branchenprimus Newmont beweist Kostendisziplin Newmont Mining, der global grösste Goldminenkonzern, liefert hierfür ein gutes Beispiel. Das Unternehmen berichtete für das zweite Quartal 2026 einen Gewinn je Aktie von 2.10 $, einen freien Cashflow von 2,2 Mrd. $ sowie eine Netto-Cash-Position von 3,9 Mrd. $. Hervorzuheben ist die Kostenkontrolle. Die Gesamtkosten der Produktion inklusive bestandserhaltender Investitionen, die sogenannten All-in Sustaining Costs (AISC), von 1621 $ je Unze lagen rund 10% unter der Markterwartung, während das Management die Jahresprognose von 1680 $ je Unze bestätigte. Hinzu kommt ein erhebliches Rückkaufpotenzial. Von insgesamt 6 Mrd. $ genehmigtem Volumen stehen noch 4,3 Mrd. $ aus, was knapp 4% des Börsenwertes entspricht. Mit einer qualitativ hochwertigen Asset-Basis, zahlreichen Tier-1-Minen und einer ab 2027 wieder leicht steigenden Produktion bleibt Newmont als Branchenführer im aktuellen Umfeld gut positioniert. Unter der Annahme eines Goldpreises von 4000 $ je Unze wäre das freie Cashflow-Potenzial und damit die Möglichkeit weiterer signifikanter Aktienrückkäufe gross. Heute notiert Newmont in Dollar rund 17% über dem Kursniveau vom Jahresanfang. Kanadas Agnico Eagle verstärkt die Aktienrückkäufe Auch die kanadische Agnico Eagle, gemessen am Börsenwert nach Newmont der zweitgrösste Wert im Sektor, kaufte zuletzt im zweiten Quartal verstärkt eigene Aktien zurück und erhöhte das Aktienrückkaufprogramm auf 2 Mrd. $. Generell bestätigte das Unternehmen auch im zuletzt abgelaufenen Quartal seine Stellung als einer der operativ hochwertigsten und effizientesten Produzenten im Sektor. Produktion, Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) und bereinigtes Ergebnis lagen über den Markterwartungen. Auch die Kostenentwicklung fiel besser aus, bei Gesamtkosten (AISC) von 1459 $ je Unze. Gleichzeitig bleibt die Bilanz mit 3,5 Mrd. $ Cash bei lediglich 197 Mio. $ Schulden ausserordentlich solide. Wachstumsprojekte wie Odyssey, Detour Lake, Upper Beaver und Hope Bay verlaufen planmässig. Trotz höherer Investitionen zählt Agnico damit weiterhin zu den profitabelsten Produzenten, auch wenn die Produktion 2026 voraussichtlich eher am unteren Ende der Zielspanne liegen dürfte. Grund hierfür sind auch temporäre seismologische und geotechnische Probleme, von denen generell auch qualitativ hochwertige, sehr gut gemanagte Unternehmen wie Agnico Eagle nicht verschont sind. Operative Risiken und regionale Unterschiede Operative Risiken im Untertagebau, insbesondere infolge seismischer Ereignisse und geotechnischer Instabilitäten, waren generell ein grösseres Thema im Sektor in den letzten zwölf Monaten. Besonders sichtbar wurde dies beim kanadischen Mid-Tier- Produzenten Alamos Gold in der Young-Davidson-Mine in Kanada. Zwei seismische Ereignisse im Juni 2026 beschädigten Teile der Infrastruktur und erschwerten den Zugang zu höhergradigen Abbaubereichen. In der Folge wurden die Förderraten reduziert und die Produktionsprognose für das Gesamtjahr gesenkt. Auch bei anderen Produzenten kam es zu vergleichbaren Vorfällen. Agnico Eagle musste nach einem geotechnischen Ereignis den Malartic-Komplex in Québec vorübergehend stilllegen, während Gold Fields in der australischen Agnew-Mine vorübergehende Beeinträchtigungen bei Förderraten und Erzgehalten meldete. Gold Fields geriet zusätzlich unter Druck aufgrund von Meldungen über einen drohenden Lizenzentzug in Ghana. Gelingt es Gold Fields nicht, die Lizenz für die sogenannte Tarkwa Mine in Ghana über den April 2027 hinaus zu verlängern, droht ein grösserer Produktions- und Ebitda-Rückgang von 15 bis 20%. Endeavour Mining arbeitet erfolgreich in Afrika Regionen wie Ghana weisen ein erhöhtes politisches Risiko auf, wenngleich Westafrika insgesamt als Gold-Abbaugebiet natürlich interessant ist. Endeavour Mining, der grösste Goldproduzent in Westafrika, zeigt seit vielen Jahren, dass das Unternehmen in der Lage ist, in Regionen wie Burkina Faso, der Elfenbeinküste und dem Senegal profitabel und nachhaltig Gold abzubauen. Im zweiten Quartal lag die Produktion über den Erwartungen, die Kosten dagegen darunter. Der freie Cashflow übertraf den Konsens deutlich, während die Netto-Cash-Position auf 254 Mio. $ anstieg. Mit einer Bewertung von rund 3,1x EV/Ebitda (Unternehmenswert im Verhältnis zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) für 2026 weist Endeavour Mining im Peer-Vergleich eine vergleichsweise günstige Bewertung auf. Damit bleibt die Aktie im Peer-Vergleich attraktiv und reflektiert weiterhin einen deutlichen Abschlag zum aktuellen Goldpreis. Robuste Goldnachfrage der Zentralbanken In Summe bleibt der Ausblick für Gold und Goldproduzenten konstruktiv. Die jüngste Korrektur am Goldmarkt ist in erster Linie als Ausdruck zins- und makrogetriebener Belastungsfaktoren in Kombination mit zu viel Optimismus und damit schwacher Markttechnik zum Jahresanfang zu interpretieren und weniger als Zeichen struktureller Schwäche. Höhere Energiepreise, gestiegene Realzinsen und ein festerer US-Dollar belasten nur vorübergehend, die mittelfristigen Fundamentalfaktoren bleiben jedoch intakt. Insbesondere die anhaltend robuste Zentralbanknachfrage, geopolitische Unsicherheiten, der strukturelle Diversifikationsbedarf sowie die Perspektive sinkender Realzinsen und einer möglichen Wiederbelebung der ETF-Zuflüsse (börsengehandelte Fonds) sprechen weiterhin für ein unterstützendes Umfeld. Auf Seiten der Zentralbanken sind vor allem die Aktivitäten der chinesischen Zentralbank hervorzuheben. Die People’s Bank of China (PBOC) hat 21 Monate in Folge Gold gekauft und ihre Käufe nach der Goldpreiskorrektur auf 60 Tonnen im bisherigen Jahresverlauf 2026 beschleunigt, nach etwa 26 Tonnen im Gesamtjahr 2025. Damit wurden die gesamten Goldbestände auf einen Rekordwert von 2366 Tonnen gesteigert. Polen erwarb seit Jahresbeginn knapp 64 Tonnen und liegt damit weiter auf hohem Niveau. Insgesamt dürfte die Zentralbanknachfrage auch in den kommenden Jahren sehr hoch bleiben. In einer jüngsten Umfrage des World Gold Council, dem Lobbyverband der Goldminenindustrie, gaben 90% aller befragten Zentralbanken an, in den kommenden Jahren weiterhin aktiv Gold kaufen zu wollen. Während Goldreserven in den entwickelten Ländern mehr als 60% der Währungsreserven ausmachen, liegt ihr Anteil in den Schwellenländern im Durchschnitt bei unter 30%. Positiver Ausblick für Gold und Goldminenbetreiber Nach der deutlichen Kurskorrektur erscheinen die Bewertungen der Goldminenaktien generell nicht zu hoch. Gleichzeitig haben sich Bilanzqualität, Free-Cashflow- Generierung, Kostendisziplin und Kapitalallokation im Vergleich zu früheren Zyklen substanziell verbessert, was die Widerstandsfähigkeit des Sektors selbst bei potenziell niedrigeren Goldpreisen erhöht. Qualitätsunternehmen mit hochwertiger Asset-Basis, soliden Bilanzen und hoher finanzieller Flexibilität bleiben vor diesem Hintergrund besonders gut positioniert. Bei Goldpreisen von über 4000 $ je Feinunze ist das Potenzial für die Generierung sehr hoher freier Cashflows gross. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Aktienrückkäufe über mehrere Jahre fortgesetzt werden. Dieser Artikel ist ein Auszug aus der «Finanzwoche», dem seit 1974 erscheinenden Investmentbulletin von Jens Ehrhardt. Jens Ehrhardt Jens Ehrhardt ist Gründer, Hauptaktionär und Vorstandsvorsitzender von DJE Kapital. Nach fünfjähriger Partnerschaft in der seinerzeit grössten deutschen Wertpapier-Vermögensverwaltungs-Gesellschaft promovierte er 1974 über «Kursbestimmungsfaktoren am Aktienmarkt». Im selben Jahr legte er den Grundstein für den Aufbau seiner Firmengruppe, die er von Beginn an leitet. Ehrhardt verantwortet neben seiner Rolle als Vorstandsvorsitzender noch die Bereiche Risikomanagement und Unternehmens-/Anlagestrategie.

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