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Haarausfall durch Vitamin-D-Mangel? Arzt erklärt, was dran ist

Gesundheit

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Vor allem im Herbst machen viele Menschen eine Beobachtung, die sie zunächst beunruhigt: In der Haarbürste bleiben plötzlich mehr Haare hängen als üblich, und auch nach dem Duschen sammeln sich auffällig viele im Abflusssieb. Schnell stellt sich die Frage, ob der vermehrte Haarausfall mit den kürzer werdenden Tagen und der geringeren Sonneneinstrahlung zusammenhängt – und damit möglicherweise mit einem Vitamin-D-Mangel. Denn dieser Mangel ist in Deutschland und Mitteleuropa relativ weitverbreitet, vor allem in den lichtarmen Wintermonaten.

Nach Schätzungen des Deutschen Krebsforschungszentrums haben bis zu 70 Prozent der Menschen in Deutschland zumindest eine suboptimale Vitamin-D-Versorgung. Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht nach Auswertung einer Langzeitstudie von etwa 55 Prozent aus. Dabei ist Vitamin D essenziell für den Knochenstoffwechsel, die Muskelkraft und das Immunsystem. Doch Vitamin D spielt auch eine Rolle für die Gesundheit der Haarfollikel, das bestätigt auch Dr. Uwe Schwichtenberg. Er ist Dermatologe und Haarexperte sowie Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen e. V. „Im Haarfollikel befinden sich Vitamin-D-Rezeptoren, die an der Regulation des Haarzyklus beteiligt sind“, erklärt der Haarexperte.

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Vitamin-D-Mangel: Wie Nährstoffe den Haarzyklus beeinflussen

Ein Vitamin-D-Mangel, aber auch ein Mangel an weiteren Vitaminen und Nährstoffen, könne demnach diesen Haarzyklus beeinflussen und theoretisch dafür sorgen, dass die Haare schneller ausfallen. „Der Haarzyklus besteht aus drei Phasen: der Wachstumsphase, der Übergangsphase und der Ruhephase, in der das Haar schließlich ausfällt und durch ein neues ersetzt werden kann“, erklärt Schwichtenberg. Nur wenn diese Phasen harmonisch zusammenspielen, können kontinuierlich neue Haare gebildet werden.

Allerdings sei die wissenschaftliche Beweislage für Vitamin D als mögliche Ursache für Haarausfall nicht eindeutig geklärt. „Ein Vitamin-D-Mangel kann einer von vielen möglichen Auslösern sein und ist auch nicht für jede Art von Haarverlust verantwortlich“, erläutert der Arzt. Für die Betroffenen sei es wichtig zu verstehen, welche Art von Haarausfall sie überhaupt haben.

Es gibt vier Hauptarten von Haarausfall:

Erblich bedingter Haarausfall (Androgenetische Alopezie): Dieser Haarausfall wird durch eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber dem Androgen DHT (Dihydrotestosteron) ausgelöst. Bei Männern zeigt sie sich typischerweise durch Geheimratsecken und eine zurückweichende Haarlinie, bei Frauen durch lichter werdendes Haar im Scheitelbereich.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem die Haarfollikel angreift. Es entstehen plötzlich scharf begrenzte, runde oder ovale kahle Stellen auf der Kopfhaut.

Vernarbender Haarausfall: (Alopecia cicatricalis): Eine seltener auftretende Form, bei der die Haarfollikel zerstört und durch Narbengewebe ersetzt werden. Dieser Haarausfall ist in der Regel irreversibel.

Diffuser Haarausfall (Alopecia diffusa): Die Haare fallen gleichmäßig über den gesamten Kopf aus, sodass die Haare insgesamt dünner wirken.

Ein Vitamin-D-Mangel könnte demnach meistens vor allem den diffusen Haarausfall begünstigen. „Beim diffusen Haarausfall macht sich der Haarausfall an den Schläfen, am Vorderkopf und im Scheitelbereich verstärkt bemerkbar“, erläutert der Dermatologe. Diese Art von Haarausfall könne unter anderem durch hormonelle Veränderungen, Infekte, psychischen Stress oder eben eine unzureichende Nährstoffversorgung ausgelöst werden. Auch können mehrere Einflüsse gleichzeitig eine Rolle spielen.

„Häufig beginnt der verstärkte Haarverlust erst zwei bis drei Monate nach dem auslösenden Ereignis“, erklärt der Arzt. Allerdings lasse sich nicht immer eine Ursache für den diffusen Haarverlust finden: „Trotz gründlicher Diagnostik lässt sich manchmal auch in der medizinischen Praxis kein Grund für den Haarverlust finden“, sagt Schwichtenberg.

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Ein gezieltes Blutbild beim Arzt helfe, eine mögliche Ursache zu finden. „Bei diffusem Haarausfall schauen wir Dermatologen im Blut vor allem nach Mangelerscheinungen, Hormonstörungen, aber auch Entzündungsprozessen, die den Haarzyklus stören können“, erklärt der Experte.

Wichtige Basis-Blutwerte bei Haarausfall sind:

Ferritin (Eisenspeicher)

TSH-Wert sowie fT3 und fT4 (Funktion der Schilddrüse)

Vitamin D

Vitamin B12

Zink

Wer über längere Zeit ungewöhnlich viele Haare verliert, sollte die Ursache dermatologisch abklären lassen, rät der Arzt. „Wichtig ist es, festgestellte Mängel gezielt zu behandeln, statt vorsorglich möglichst viele Präparate einzunehmen“, sagt Schwichtenberg. Denn nicht jede Ursache lasse sich durch die Einnahme eines Vitamins oder Mineralstoffs beheben. Saisonaler Haarausfall im Herbst und Frühling sei zudem ein natürliches Phänomen und erst mal kein Grund zur Sorge: „Meistens hält diese Art von Haarausfall ein paar Wochen an und klingt von selbst wieder ab. Die Haare wachsen vollständig nach.“

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