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Haben die Scheichs ihn in der Tasche? Kushners Kartenhaus fällt zusammen

Welt

Es ist stiller geworden um Jared Kushner. Noch Anfang des Jahres war der 45-jährige amerikanische Unternehmer und Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump eine der Schlüsselfiguren der Regierung, fädelte Deals in Washingtons Hinterzimmern und auf der arabischen Halbinsel ein, war regelmäßig in den Medien präsent. Dann kam der Iran-Krieg und stürzte Kushners Geschäft in die Krise. Denn seine Private-Equity-Firma Affinity Partners wirtschaftet größtenteils mit Geld aus dem Nahen Osten. Durch die Doppelrolle als Sondergesandter des Präsidenten und als gut vernetzter Geschäftsmann sammelte er Milliarden ein. Jetzt ist das bisherige Erfolgsmodell in Gefahr. Politische Konsequenzen für Kushner hat das bislang nicht. Er berät die amerikanische Regierung weiterhin in Sachen Gaza, Ukraine und Iran. Dank seines halboffiziellen Amtes hat er kaum Rechenschaftspflichten. Schon in Trumps erster Amtszeit erwies er sich wegen seiner Geschäftskontakte nach Israel und in die Golfstaaten als überaus nützlich für das Weiße Haus, etwa bei der Verhandlung der Abraham-Verträge zwischen Israel und Ländern wie Marokko, Bahrain oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Als Trump 2021 das Weiße Haus verließ, gründete sein Schwiegersohn binnen 24 Stunden seine eigene Beteiligungsgesellschaft Affinity Partners, mit der er aus seinem politischen Netzwerk in der Region Kapital schlagen wollte. Sechs Monate später flossen die ersten Milliarden. Saudi-Arabiens Public Investment Fund, kontrolliert von Kronprinz Mohammed bin Salman, überwies zwei Milliarden Dollar. Später folgten die Emirate über die Investmentfirma Lunate und Katar über die Qatar Investment Authority. Heute verwaltet Affinity Partners mehr als sechs Milliarden Dollar. Dass Investitionen in Trump-nahe Firmen riskant sein könnten, befürchtete man am Golf zwar schon früh. Ein Gremium des saudi-arabischen Staatsfonds lehnte den Einstieg bei Affinity ab. Es bezeichnete Kushners Unternehmen als „in allen Aspekten unbefriedigend“ und kritisierte die „Unerfahrenheit des Fondsmanagements“. Doch Kronprinz Mohammed bin Salman überging seine Finanzexperten, wie die „New York Times“ berichtete – das Geld floss. Als Donald Trump 2025 wieder als Präsident vereidigt wurde, sahen sich die Golfstaaten am Ziel. Sie hatten während Joe Bidens Amtszeit massiv in das Trump-Imperium investiert. Nun sollten die geschäftlichen und politischen Beziehungen mit dem neuen mächtigsten Mann der Welt und seiner Verwandtschaft vertieft werden. Kushner tourte wieder durch den Nahen Osten. Doch Ende Februar dieses Jahres griffen die USA und Israel den Iran an. Als Reaktion darauf bombardierten die Mullahs die Infrastruktur und Raffinerien seiner arabischen Nachbarn. Tausende Raketen trafen jene Länder, die Milliarden in Affinity Partners gesteckt hatten. Nun fanden sie sich in einem Krieg wieder, den sie eigentlich um jeden Preis vermeiden wollten. Die Energieexporte brachen ein, auch der Tourismus kollabierte und hat sich seitdem nicht mehr erholt. Vor „verschwindendem Golfkapital“ warnt die Ökonomin Rebecca Patterson vom Council on Foreign Relations. Saudi-Arabien beschleunigte die Umsetzung eines neuen Militärbündnisses mit der Türkei und Pakistan, weil das Land erlebt hatte, dass es sich auf die Unterstützung der USA nicht verlassen kann. Trotz der Kriegsfolgen investieren die Golfstaaten aber weiterhin in internationale Geschäftsprojekte. Allein in den Monaten März, April und Mai gaben sie insgesamt fast 26 Milliarden US-Dollar aus. Allerdings zeigt sich dabei eine Verschiebung in Richtung China und die Schwellenländer. Dieses Umdenken verschärft das Geldproblem, das Jared Kushner ohnehin schon hat. Von den fünf Milliarden Dollar, die Saudi-Arabien, Katar und die Emirate in Affinity gesteckt haben, sind laut „New York Times“ zwar drei Viertel in Firmenanteile investiert – etwa in die israelische Versicherung Phoenix Financial oder das britische Fintech Revolut. Das Problem: Die Gewinne, die diese Anteile abwerfen könnten, existieren bisher nur auf dem Papier. Kushner fehlen willige Käufer. Reale Gewinne haben die arabischen Investoren deshalb bis heute nicht gesehen, obwohl der Fonds schon seit 2021 existiert und mit einem Brutto-Zinsfuß von 36 Prozent wirbt, netto 25 Prozent. Dass Kushners Firma so verfährt, ist im Prinzip nichts Ungewöhnliches für die Branche: Fonds kaufen Anteile, machen Firmen wertvoller und verkaufen sie später mit Gewinn weiter. Bemerkenswert ist jedoch das Tempo: Laut der Analysefirma PitchBook zahlen die meisten Fonds schon nach etwa zwei bis drei Jahren erste Gewinne aus. Bei Affinity Partners hingegen ist nach fast fünf Jahren kaum etwas passiert – während die Firma laut einem Bericht des Vorsitzenden des Finanzausschusses im US-Senat, des Demokraten Ron Wyden, schon mehr als 100 Millionen Dollar an Gebühren kassiert hat. Sein Vorwurf: Den Golfstaaten geht es weniger um Rendite als um das politische Wohlwollen der Familie Trump. Kushner gerät unterdessen weiter in Bedrängnis. Er ist von den Geldströmen aus dem Nahen Osten so abhängig wie nie zuvor. Denn die Investoren aus der Region sicherten sich über die Jahre immer größere Anteile seiner Firmen. Kronprinz Mohammed bin Salman soll gesagt haben, er habe Kushner „in der Tasche“. Nichts zeigt diese Verflechtung besser als die windige Kushner-Trump-Firma World Liberty Financial. Der Vertrag sieht jedoch vor, dass die Familie des US-Präsidenten drei Viertel der Gewinne erhält. Kritiker wie Allison McManus vom Center for American Progress sprechen vom „Tausch nationaler Sicherheit gegen Familienprofite“. Konsequenzen hat das in Washington bisher keine. Ähnlich wie bei Affinity handle es sich auch hier zunächst nur um Papiergewinne, kritisiert der demokratische Senator Wyden. „Warum sollte eine ausländische Regierung Millionen an einen amerikanischen Staatsbürger zahlen, ohne Gewinne zu sehen?“, fragte er – und antwortete selbst: Die Saudis kauften keinen Fondsmanager, sondern Zugang zum Oval Office. Klar ist: Kushner konnte nur dank seiner engen Verbindungen zum US-Präsidenten so viel Kapital mobilisieren. Auch seine Ideen sind inzwischen so großspurig wie die seines Schwiegervaters. Das zeigt eines seiner neueren Projekte: Er will den zerstörten Gazastreifen in einen „Wirtschaftshub“ verwandeln: 180 Wolkenkratzer, ein Flughafen, Industriezonen, finanziert mit mindestens 25 Milliarden Dollar. Gazas Wirtschaftsleistung solle auf 10 Milliarden Dollar wachsen – lukrative Wiederaufbau-Projekte für das Trump-Imperium inklusive.

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