Haben fünf DTM-Ingenieure bei HRT gekündigt? Wie das Ford-Team reagiert
(Motorsport-Total.com) - Was läuft da bei HRT? Wie Motorsport-Total.com aus guter Quelle erfahren hat, sollen die Mitglieder des DTM-Ingenieursteams der Ford-Truppe vor wenigen Tagen am 31. Juli gemeinsam ihre Kündigung eingereicht haben. Im Zentrum soll der erfahrene Chefingenieur Laurent Fedacou stehen, der seit Ende 2021 beim am Nürburgring ansässigen Team arbeitet. Der Franzose gibt auch bei den anderen GT3-Programmen des Ford-Teams technisch die Richtung vor. Neben Fedacou, der bis 2019 als Class-1-Renningenieur beim Ex-Audi-Werksteam Phoenix und danach bei Venturi in der Formel E tätig war, sollen auch vier weitere Ingenieure - allesamt Franzosen - von Bord gehen. Dabei handelt es sich um die beiden DTM-Renningenieure Clement Faye und Valentin Planque, die für Arjun Maini und Finn Wiebelhaus zuständig sind - und um die zwei dazugehörigen Performance-Ingenieure. Aber was steckt hinter dieser Entwicklung? HRT kündigt in Pressemitteilung Umstrukturierung an Interessant ist, dass sowohl Fedacou als auch Faye am Sonntag beim privaten DTM-Test des Teams auf dem Nürburgring gesichtet wurden. Außerdem hat das HRT-Team am Dienstag in einer Halbzeitbilanz kommuniziert, dass trotz des Aufwärtstrends - Wiebelhaus und Maini fuhren zuletzt die ersten drei DTM-Podestplätze des Boliden überhaupt ein - eine Umstrukturierung bevorstehe. Das Team, das in der DTM sechs Siege und 2021 den bislang letzten Fahrertitel für Mercedes-AMG einfuhr, jagt seit dem Ford-Markenwechsel Anfang 2025 immer noch den ersten Sieg. Nach der Analyse der ersten Saisonhälfte 2026 sei man zum Schluss gekommen, dass Zuständigkeiten "an einigen Stellen klarer geregelt, Entscheidungen schneller getroffen und Abläufe effizienter gestaltet werden" müssen, wird Teamchef Ulrich Fritz zitiert. Dabei werde sich HRT auch "personell in einzelnen Bereichen neu aufstellen und gezielt verstärken. Das gibt uns die Möglichkeit, den Fokus noch stärker auf die sportliche Performance zu richten. Dabei geht es nicht um kurzfristige Reaktionen, sondern um tragfähige Strukturen und eine klare Perspektive", stellt Fritz klar. Ulrich Fritz: Kein Dementi, aber Umbau erst nach Saison Aber was bedeutet das konkret? Und inwiefern hat das mit den kursierenden Informationen zu tun, dass fünf wichtige Ingenieure gehen? "Ja, es werden uns Leute verlassen", bestätigt Fritz, der inzwischen Anteilseigner beim HRT-Team ist, auf Nachfrage von Motorsport-Total.com. "Wir werden die Saison allerdings gemeinsam zu Ende bringen." Das ist eine mögliche Erklärung, warum die betroffenen Ingenieure beim DTM-Test am vergangenen Sonntag gesichtet wurden. Abgesehen davon gibt es auch in diesem Fall vermutlich Kündigungsfristen, die eingehalten werden müssen. Auf konkrete Namen, wer das Team verlässt, will Fritz nicht eingehen. "Ich möchte nicht in der Öffentlichkeit kommentieren, wer kommt und wer geht, solange so eine Strukturänderung nicht fixiert ist. Außerdem sind Personalentscheidung vertrauliche Themen", erklärt Fritz, der die Recherche allerdings auch nicht dementiert. "System baut nicht auf einzelnen Menschen auf" Als Grund für die Umstrukturierung am Ende des Jahres nennt der ehemalige DTM-Leiter von Mercedes das enorme Wachstum des Teams, das in verschiedenen Rennserien über zehn Ford-Mustang-Boliden einsetzt, in den vergangenen Jahren. "Wir haben gesehen, dass wir an der einen Stelle intern ein bisschen zu viel und an der anderen Stelle ein bisschen zu wenig Manpower haben", sagt er. Ob man dadurch Schlüsselpersonen verliere, stellt Fritz infrage, denn seiner Meinung nach habe man in den vergangenen Jahren "ein System aufgebaut, das nicht auf einzelnen Menschen, sondern auf einem Team aufbaut. Wir haben das immer so gelebt, dass wir modular Themen und Kapazitäten verschieben und austauschen können, weil wir nicht von Einzelnen abhängig sein wollten." Warum so viele Franzosen bei HRT arbeiten Dabei spielt auch die Kooperation mit der französischen Ingenieurs-Akademie ESTACA, die in Laval 300 Kilometer westlich von Paris einen eigenen Motorsport-Schwerpunkt anbietet und das Team mit jungen Ingenieuren versorgt, eine große Rolle. "Wir bekommen die Leute direkt in ihrer Praxisphase - und haben dadurch pro Jahr mindestens vier zusätzliche Ingenieure", erklärt Fritz, warum so viele französische Ingenieure bei HRT arbeiten. Diese wechseln nach dieser Phase teilweise auch zu anderen Teams oder suchen andere Herausforderungen. "Deswegen ist es klar, dass wir am Ende des Jahres ab und zu mal einen Wechsel haben - und das ist sicher auch dieses Jahr wieder der Fall", sagt Fritz. Abgesehen davon hat HRT Ende 2024 und Ende 2025 mit Marius Avemarg und Dennis Nägele auch zwei deutsche Topingenieure verloren, die zu Winward und Landgraf ins Mercedes-AMG-Umfeld zurückgekehrt sind. Auch wegen der zahlreichen Programme abseits der DTM wie GT-World-Challenge Europe, Intercontinental GT-Challenge, Nürburging-Nordschleife oder ADAC GT Masters beschäftigt das Team zahlreiche Ingenieure.