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„Haben in 24 Stunden 100 Bewerbungen“

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„Haben in 24 Stunden mindestens 100 Bewerbungen“ – Ungeschönter Blick auf Branchen-Lage

Von: Felix Herz

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Die Spiele-Branche befindet sich im Umbruch. Kündigungswellen einerseits, tausende Studienabgänger andererseits – die Lage ist schwierig.

München – Nach Hause kommen, sich auf die Couch fallen lassen, den PlayStation-Controller in die Hand nehmen und das bekannte „Piep“ hören – Gaming gehört für Millionen Menschen fest zum Alltag, als kurzweiliger Zeitvertreib, Ablenkung, Eskapismus. Für viele, vor allem junge Menschen, geht es aber auch mit einem großen Traum einher: Games nicht nur zocken, sondern sie auch entwickeln. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten – vom Game Designer über den Grafiker bis hin zum Narrative Lead. Aktuell kämpft die Games-Branche aber mit Entlassungswellen, dichtgemachten Studios und KI‑Ethik. Gleichzeitig drängen die ersten großen Wellen von Uni-Absolventen mit einem Games-Abschluss auf den Markt.

Unsere Redaktion hat mit dem CEO des Münchner Games-Studios „Active Fungus“ gesprochen. Jakob Braun ist selbst Quereinsteiger, beschäftigte sich vor Corona noch mit Musik, wechselte in der Pandemie aber in die Spielebranche. Wie schaut er auf die aktuelle Lage, vor allem bezüglich des Arbeitsmarktes?

In dem Gespräch mit Jakob Braun ging es auch um München und Bayern als Standort für ein Gaming-Studio. Dabei zeigte sich, dass Bayern anderen Bundesländern etwas voraus hat – wenn man in der Landeshauptstadt nicht wohnen muss.

Gaming-Branche geht es „relativ schlecht“ – darunter leidet vor allem die Arbeitnehmerseite

Der Blick auf die Lage der Spielebranche muss aktuell differenziert ausfallen. In vielerlei Hinsicht geht es ihr „relativ schlecht“, erklärt Braun. Das liege aber daran, dass es ihr in den vergangenen Jahren sehr gut ging. Bis 2020 waren wirtschaftliche Spitzenwerte erreicht worden, die dann durch Corona nochmals angeschoben wurden. Das Ergebnis: Viel Geld strömte in den Markt, die Umsätze wurden künstlich angeheizt, hohe Renditen erwartet. Letztere werden post-Pandemie nicht mehr eingefahren. „Jetzt wandert sehr viel von diesem Geld wieder weg, was dazu führt, dass viele der Studios geschlossen werden“, erklärt Braun weiter.

Das führt auch dazu, dass es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern schwer fällt, eine passende Stelle zu finden. Der Konkurrenzdruck ist riesig: Einerseits drängen die ersten Absolventen der noch jungen Gaming-Studiengänge auf den Markt, auf der anderen suchen entlassene Spezialisten nach einer neuen Anstellung. Für Studios ein Vorteil, das gibt auch Braun zu: „Für Arbeitnehmer elegant, weil man sehr viel Auswahl hat“, erklärt er, weiß aber auch: „Momentan ist der Arbeitsmarkt nicht sehr arbeitnehmerInnenfreundlich.“

Braun nennt noch ein Beispiel, das zeigt, wie aufgeheizt der Arbeitsmarkt in der Spielebranche aktuell ist: „Also wir haben gerade mal wieder eine Stelle ausgeschrieben und wir wissen, wir haben innerhalb von 24 Stunden mindestens 100 Bewerbungen.“ Momentan sei die Branche keine gute, um da einen Job zu finden, so Braun.

Heikles Thema auch in der Spielebranche: Künstliche Intelligenz

Wie nahezu jede Branche diskutiert derzeit auch die Gaming Industrie den Einsatz von KI. Häufig gibt es massive Beschwerdewellen von Spielerinnen und Spielern, wenn KI in Spielen eingesetzt wird, auch verschiedene Jobprofile wie Grafikerinnen und Grafiker sehen den Einsatz naturgemäß kritisch. Für Braun selbst ist KI in vielen Bereichen dagegen nützlich, unter anderem beim Coding – eine Auto-Vervollständigung gebe es da auch schon seit vielen Jahren.

Aber auch Braun sieht den kritischen Blick vieler Spieler auf den Einsatz von KI, hauptsächlich bei jenen Aspekten, die Teil des sichtbaren Endprodukts sind. „Wo wir merken, dass natürlich der Markt und die SpielerInnen unglücklich sind, ist alles, was outward-facing ist. Alles, was grafische Assets sind und so weiter. Wenn das mit KI erstellt wird, finden die Leute das einfach scheiße.“

Die Folge sei, dass sich „Active Fungus“ etwa nach den Wünschen der Spieler richtet, erklärt Braun, was aber mit einem „im Endergebnis“ niedrigeren Niveau einhergehe, wenn „alles handgemacht“ sei. Man nutze KI aber als hilfreiche Zwischenlösung. Bei der Entwicklung eines Spiels sei es hilfreich, schon früh Tonaufnahmen zu haben, so Braun, um ein Gefühl für die erstellte Spielwelt zu bekommen. Diese aber direkt mit professionellen Sprechern aufzunehmen, sei teuer und umständlich, da man sie nicht mehr ändern könne. Daher erstellt „Active Fungus“ mit KI diverse Voice-Overs, die sie während des Entwicklungsprozesses ändern und anpassen können. Erst am Schluss werden dann die finalen Audios aufgenommen.

Zerreißprobe für die Spielebranche: Zwischen KI, Profit und Spaß

KI, Profite, Entlassungswellen und Studioschließungen: Die Spielebranche befindet sich (mal wieder) im Umbruch. Die größte Unterhaltungsindustrie der Welt (Film und Musik hat sie schon lange überholt) steht in einem Spannungsverhältnis zwischen Spielerwunsch, kreativer Vision und Gewinnmaximierung. Wie die Branche aus dieser Zerreißprobe hervorgeht, wird sich zeigen müssen. (Quelle: Gespräch mit Jakob Braun, CEO bei Active Fungus, eigene Recherche), (fhz)

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