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Haben Planetenvorbeiflüge Massenaussterben auf der Erde ausgelöst?

Wissenschaft

In der Erdgeschichte gab es mehrere Massenaussterben, deren Ursachen noch immer nicht vollumfänglich bekannt sind. Laut einer neuen Hypothese könnten die Massenaussterben durch planetenmassereiche Objekte aus dem äußeren Sonnensystem, die nahe an der Erde vorbeigeflogen sind, ausgelöst worden sein. Diese könnten durch ihre hohe Gravitation einen enormen Einfluss auf den Planeten haben und Tsunamis, gewaltige Gezeiten und Vulkanausbrüche auslösen, die über Jahre andauern. Rom (Italien). In der Erdgeschichte hat sich das Leben nicht geradlinig entwickelt, sondern es kam zu mehreren Massenaussterben, die unter anderem mit metamorphen Prozessen, Vulkanausbrüchen und mit Asteroideneinschlägen in Verbindung gebracht werden. Der Einschlag des Asteroiden Chicxulub, durch den vor etwa 66 Millionen Jahren alle Nicht-Vogel-Dinosaurier getötet wurden, ist die wohl bekannteste Ursache eines Massenaussterbens auf der Erde. Daniele Fargion von der Universität La Sapienza hat kürzlich in Palermo auf der Konferenz „Multi-frequency Behavior of High Energy Cosmic Sources“ (Konferenz über das Multifrequenzverhalten hochenergetischer kosmischer Quellen) den Beitrag „Mass Extinctions by Gravitational Tides“ (Massenaussterben infolge gravitativer Gezeitenkräfte) präsentiert, laut dem es denkbar ist, dass nicht nur große Asteroideneinschläge zu Massenaussterben geführt haben, sondern auch die Gezeitenwirkung von großen Objekten in der Nähe des Planeten. Gezeiteneffekte großer Himmelskörper Laut Fargion sind alle bekannten Massenaussterben der letzten rund 600 Millionen Jahre auf der Erde zeitgleich mit großen klimatischen Veränderungen, Asteroideneinschlägen und Vulkanausbrüchen aufgetreten. Wie er erklärt, ist es aber schwer zu belegen, dass diese Ereignisse tatsächlich die Massenaussterben verursacht haben. „Der Grund dafür ist nicht klar. Meteoriteneinschläge allein, Vulkanausbrüche allein oder Meeresregressionen allein könnten nicht alle großen Massenaussterben verursacht haben“, so Fargion. Als Beispiel nennt Fargion das größte bekannte Aussterben, das sogenannte Perm-Trias-Massenaussterben vor rund 252 Millionen Jahren, bei dem ein Großteil aller Meeresarten (96 %) und Landtierarten (70 %) von der Erde verschwunden ist. Dieses Aussterben lässt sich laut dem Wissenschaftler weder durch einen Asteroideneinschlag noch durch eine Iridium-Anomalie erklären. „Aber weder eine Iridium-Anomalie noch ein großer Meteorkrater wurden auf das permisch-triassische (P/T) Massenaussterben vor 251 𝑀 𝑦 datiert, das das größte bekannte Aussterben in der Geschichte des Lebens war, bei dem das globale Artensterben zwischen 80 % und 95 % lag“, erklärt Fargion. Eine Studie der Stanford University kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass das Perm-Trias-Massenaussterben auf die Ozeanerwärmung und den Sauerstoffverlust zurückgeht. Fargion vertritt hingegen die Ansicht, dass Gezeiteneffekte von planetenmasse­reichen Objekten, also Objekten mit der Masse eines Zwergplaneten oder Planeten, das Massenaussterben ausgelöst haben. „Hier schlagen wir vor, dass Gezeiteneffekte von planetenmassenreichen Objekten, die nahe an der Erde vorbeiziehen, all dies verursacht haben könnten und die komplexen geologischen Aufzeichnungen der großen biologischen Massenaussterben erklären können“, so Fargion. Planetenmassenreiche Objekte aus dem äußeren Sonnensystem Laut des Konferenzbeitrags von Fargion existieren im äußeren Sonnensystem möglicherweise eine Vielzahl an Objekten, die ähnlich groß sind wie der Zwergplanet Pluto. Diese planetenmassereichen Objekte könnten sich auf langgestreckten Bahnen bewegen und gelegentlich von der Gravitation in das Innere Sonnensystem gelenkt werden. Dadurch könnte es zu direkten Zusammenstößen kommen, etwa wie zu einem Ereignis, durch das laut dem aktuellen Stand der Forschung der Mond entstanden ist, als die Erde und Theia kollidierten. Ein Großteil der planetenmassenreichen Objekte würde aber nicht mit Planeten kollidieren, sondern nur nahe an diesen vorbeifliegen. Die Gravitation eines solchen, vorbeifliegenden Objekts könnte eine so starke Gezeitenwirkung auslösen, dass es dadurch zu einem Massenaussterben kommt. „Solche Passagen könnten starke Gezeitensignaturen hinterlassen haben: riesige Wellen, große vulkanische Episoden, Meeresregressionen, zusammenhängende Meteorschauer und starke klimatische Störungen. Diese Mechanismen könnten in den vergangenen 600 Millionen Jahren zu mehreren großen biologischen Massenaussterben beigetragen haben, wie eigentümliche Korrelationen im geologischen Befund nahelegen“, erklärt Fargion. Laut Fargion existieren im inneren Sonnensystem weitere Anomalien, die durch Kollisionen und nahe Vorbeiflüge von planetenmassereichen Objekten aus dem äußeren Sonnensystem entstanden sein könnten. Die starke Kippung von Uranus lässt sich gut durch eine Kollision erklären und Triton, der größte Mond des Neptuns, scheint ein Objekt aus dem Kuipergürtel zu sein. Es ist zudem denkbar, dass das Schwere Bombardement durch den Vorbeiflug eines planetenmassereichen Körpers ausgelöst wurde. Fargion hält es deshalb nicht für plausibel, dass die Erde nicht von ähnlichen Ereignissen getroffen wurde. „Der Vorbeigang solcher Objekte nahe der Erde könnte auf ihr gigantische Flutwellen, große Vulkanausbrüche und drastische Veränderungen des globalen Klimas und des Meeresspiegels ausgelöst haben. Darüber hinaus könnten diese planetenmassereichen Objekte beim Durchqueren der Asteroiden- und Kuipergürtel große Meteoriten und Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde abgelenkt haben. Somit könnten Besuche ferner Planeten die gemeinsame Ursache für die verschiedenen Katastrophen sein, die zusammen für die großen biologischen Massenaussterben verantwortlich waren“, erläutert Fargion. Risiko für kommendes Massenaussterben? Wie Fargion erklärt, besteht auch ein Risiko für kommende Massenaussterben, wenn seine Theorie der Realität entspricht. Es könnte demnach passieren, dass erneut planetenmassereiche Objekte die Erde passieren und durch ihre enorme Gravitation globale Tsunamis und gewaltige Gezeiten auslösen, die über mehrere Jahre andauern. Sie könnten zudem die Erdkruste verformen und eine Gezeitenheizung im Inneren des Planeten auslösen, die zu massiven Vulkanausbrüchen führen würde. „Die sich daraus ergebenden Lehren für uns Menschen, um ein solches mögliches Aussterben zu überwinden, sind: eine gründliche Himmelsdurchmusterung, um schwächste ferne Zwergplanetenquellen zu finden; sobald sie entdeckt sind, die eintreffenden Ereignisse so früh wie möglich zu melden“, erläutert Fargion. Fargion spricht sich in Anbetracht der potenziellen Gefahr von Objekten, die größer als gewöhnliche Asteroiden sind und somit nicht von ihrer Flugbahn abgelenkt werden können, für Vorbereitungsmaßnahmen aus. Diese könnten zwar nur einen kleinen Teil der Menschen retten, würden das Aussterben aber verhindern. „Eine Vorsorge könnte auch darin bestehen, auf den Gipfeln von Gebirgsketten (in 2–3 km Höhe) sichere Zufluchtsorte für Menschen und Leben zu organisieren, um solche (seltenen, aber nicht unmöglichen) Ereignisse zu überleben“, so Fargion. Quellen: Studie auf dem Preprint-Server arXiv, doi: 10.48550/arXiv.2606.17105 13. Juli 2026 - Robert Klatt Keine Meldungen mehr verpassen – mit unserem wöchentlichen Newsletter.

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