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Hacker kann Solaranlagen abschalten: Deutschland entging knapp Blackout

Technologie

Zugriff auf tausende Solaranlagen

Bericht: Deutschland entging knapp einem Mega-Blackout

07.10.2026 - 13:49 UhrLesedauer: 3 Min.

IT-Experten warnen schon lange, dass Millionen Solaranlagen in Deutschland angreifbar sein könnten. Einer Recherche zufolge hat ein Hacker das nun bewiesen.

Ende August ist es unbefugten Hackern gelungen, auf die Steuerungssysteme von hunderttausenden Solaranlagen zuzugreifen. Das berichtet die "Zeit" unter Berufung auf den Hacker, der Geschäftsführer einer Sicherheitsfirma ist und als sogenannter ethischer Hacker agiert. Demnach sei es ihm mit "wenigen Klicks" gelungen, auf die zentrale Steuerung der Systeme des chinesischen Anbieters Sungrow zuzugreifen. Vor dort auch hätte er alle Solaranlagen in Europa, die Sungrow nutzen, ausschalten können.

Dass es so einfach sein würde, "das hätte ich nicht gedacht", sagte der ITler Marlon Starkloff der "Zeit". Insgesamt hätte er 2,2 Millionen Solaranlagen weltweit steuern und sogar abschalten können, da sie alle gemeinsam mit einer Cloud verbunden sind. Insgesamt nutzen 250.000 Solaranlagen in Deutschland einen Sungrow-Wechselrichter.

Hacker konnte ohne Login die Wechselrichter-Accounts öffnen

In der Regel können Solarkunden ihre Stromerzeugung und -verbrauch über eine App überwachen. Die Daten werden in der Cloud des Unternehmens gespeichert, der Nutzer kann über einen eigenen Account darauf zugreifen. Genau diese scheinen aber nicht gut geschützt zu sein – Starkloff sagt, er habe sich ohne Passwort über das Internet in diese Accounts einloggen können. "Ich hätte die Wechselrichter abschalten oder auch Schadsoftware installieren können", sagt er der Zeitung.

Was ist ein Wechselrichter?

Dieses Gerät wechselt Gleichstrom in Wechselstrom. Eine Solaranlage erzeugt Gleichstrom, die meisten elektrischen Geräte im Haushalt benötigen aber Wechselstrom. Moderne Wechselrichter sind fernsteuerbar und damit ständig mit dem Internet verbunden. Das ist zum Beispiel nützlich, um per App zu erfahren, wie viel Strom gerade erzeugt wird. Außerdem erhalten die Geräte regelmäßige Software-Updates.

Würde jemand tatsächlich versuchen, all diese Photovoltaik-Anlagen gleichzeitig abzuschalten, würde es das Stromnetz überfordern und könnte womöglich einen tagelangen Blackout auslösen. So etwas Ähnliches war 2025 beim großen Blackout auf der iberischen Halbinsel passiert: Ein plötzlicher Leistungsabfall im Übertragungsnetz ließ das gesamte System zusammenbrechen.

Besonders besorgniserregend ist im Sungrow-Fall die Tatsache, dass der Hersteller aus China kommt. So wäre es für die chinesische Regierung ein Leichtes, den Herstellern dieser Komponenten, die in Europa verbaut werden, zu befehlen, alle Anlagen abzuschalten oder zu drosseln – oder auch nur damit zu drohen.

IT-Experten warnen schon lange vor Solar-Hackern

IT-Experten warnen schon seit langem vor genau einem solchen Sicherheitsvorfall. Erst im Juli warnte der Chaos Computer Club (CC) vor einer sehr ähnlichen Sicherheitslücke beim chinesischen Wechselrichter Hoymiles. In einem Versuch stellten die IT-Experten fest, dass bereits einfache Mittel aus der "elektronischen Grabbelkiste" ausreichten, um auf die "angeblich geheimen Schlüssel zur Steuerung" zuzugreifen. Dadurch wäre es möglich, Balkon- oder Dachsolaranlagen abzuschalten.

Und im Sommer 2025 warnte auch das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) vor einem großangelegten Cyberangriff auf Wechselrichter. "Unser derzeitiger Eindruck ist: Ohne entsprechende Maßnahmen laufen wir da – nicht heute und nicht morgen, aber in absehbarer Zeit – in ein Risiko rein", sagte damals BSI-Chefin Claudia Plattner zu Journalisten der Zeitungen "Stuttgarter Nachrichten", "Stuttgarter Zeitung" und "Zeit".

Es soll auch bald ein Gesetz auf europäischer Ebene in Kraft treten, der das Risiko solcher Vorfälle minimieren soll. Der "Cyber Resilience Act" sieht vor, dass alle Hersteller technischer Geräte, die sich mit dem Internet verbinden können, gewisse Mindeststandards in Sachen Cybersicherheit erfüllen müssen. Einige Produkte, die in der kritischen Infrastruktur wie der Stromversorgung verwendet werden, sollen vor der Markteinführung zusätzlich von einer unabhängigen Behörde geprüft werden. Nur tritt es erst im Dezember 2027 in Kraft.

Verbraucher, die sich schützen wollen, können versuchen die chinesischen Wechselrichter zu meiden und auf europäische Anbieter zurückgreifen. Zu den bekanntesten europäischen Herstellern gehörten SMA, Fronius oder Axitec. . Nur sind die europäischen Komponenten oft deutlich teurer als die aus Fernost – weshalb Anbieter wie Sungrow, Huawei oder Hoymiles in Europs so erfolgreich sind.

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