Hacker machen unerwartete Bilder-Beute
In den USA sollen über 130.000 am Straßenrand installierte Überwachungskameras die Kennzeichen vorbeifahrender Autos registrieren. Die Aufnahmen und Erkenntnisse der sogenannten Automated License Plate Readers (ALPR) können Polizeidienststellen landesweit dann durchforsten. Befürworter:innen verweisen darauf, dass sich mögliche Verbrecher:innen oder Verdächtige dadurch schneller aufspüren lassen.
Kritik an Überwachungskameras
Doch Kritiker:innen monieren, dass das von Branchenprimus Flock Safety dominierte ALPR-Überwachungssystem Missbrauch Tür und Tore öffne. Die missbräuchliche Verwendung, etwa zum Aufspüren von Ex-Partner:innen oder zu Nachforschungen mit politischem Hintergrund, hatte zuletzt für massive Proteste gesorgt. Die aktuellen Erkenntnisse einer Aktion des Hacking-Kollektivs „stegan0gram“ dürften jetzt Wasser auf die Mühlen der Kritiker:innen sein.
Denn die Hacker:innen haben eine der Flock-Kameras abmontiert und genauer untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass die Überwachung bei Weitem nicht nur die Kennzeichen von Autos umfasst. Vielmehr gerieten auch Personen sowie Fahr- und Motorräder ins Visier der Kameras, wie Recherchen von 404-Media und Wired ergeben haben.
Auch sollen Aufkleber auf den Fahrzeugen oder Aufnäher auf Kleidung oder Motorradtaschen ins Visier der Kameras geraten sein. Die Überwachungskameras sollen dies fälschlicherweise als Kennzeichen interpretiert und entsprechend aus den Aufnahmen geschnitten und gespeichert haben. Dies könnte oben erwähnte politische Nachforschungen erleichtern.
1,6 Millionen Bilder in 21 Tagen
Interessant ist, wie viele Daten in den Speicher fließen. Innerhalb von 21 Tagen soll die untersuchte Kamera rund 50.000 Fahrzeuge erfasst und dabei 1,6 Millionen Bilder gemacht haben. Die Bilder schickt das ALPR-System dann in eine Cloud des Anbieters. Dort erfolgt schließlich die Erkennung der Kennzeichnen sowie von Marke und Farbe, zum Teil per KI.
Die Hacking-Aktion legte zudem offen, wie schwach die Verschlüsselung der Daten auf den Flock-Kameras offenbar ist. Denn den Hacker:innen gelang es, in einem unverschlüsselten Bereich einen Schlüssel für die eigentlich geschützten Aufnahmen zu finden. Auch zeigten sich massive technische Probleme. Die hohe Zahl an hochauflösenden Bildern sprengt regelmäßig den Speicherplatz. Das führt zu Abstürzen und dem notwendigen Neustart der Hard- und Software.
Flock Safety reagierte auf die von Hacker:innen und Medien veröffentlichten Erkenntnisse lediglich mit dem Hinweis, dass die unerlaubte Demontage und Untersuchung der Kameras illegal sei. Entwickler:innen könnten Schwachstellen und Fehler über das Bug-Bounty-System des Unternehmens melden.