Hacker nutzten Claude, um Zugangsdaten aus 1,8 Mio. Android-Apps zu stehlen
Das KI-Unternehmen Anthropic hat Missbrauchsfälle seiner künstlichen Intelligenz Claude durch verschiedene Hackergruppen offengelegt. Wie das IT-Sicherheitsportal „BleepingComputer“ berichtet, nutzten sowohl staatlich gelenkte Spione als auch finanziell motivierte Cyberkriminelle das KI-Modell zwischen Dezember 2025 und August 2026 für ihre Angriffe. Dabei beschleunigten die Täter ihre Aktivitäten massiv und automatisierten komplexe Schadcodes.
TruffleHog und Claude: ShinyHunters-Mitglied automatisiert Diebstahl von Zugangsdaten
Ein mutmaßlich französischsprachiger Hacker der Gruppierung ShinyHunters richtete eine automatisierte Infrastruktur über mehrere Cloud-Server ein. Seine Methode beschrieb der Entwickler des KI-Modells detailliert. „Diese Pipeline lud 1,8 Millionen verschiedene Android-APKs aus mehreren App-Store-Quellen herunter, dekompilierte sie und scannte mit TruffleHog nach fest einprogrammierten Geheimnissen“, erklärt Anthropic laut dem Bericht von „BleepingComputer“. Die erbeuteten Zugangsdaten wurden anschließend in Echtzeit über den Messenger Telegram weitergeleitet.
Anthropic bezeichnet diesen Arbeitsstil als „Vibe Hacking“: Der Mensch gibt nur ein grobes Ziel vor, und die KI analysiert die Umgebung, schreibt und passt Skripte an und wiederholt den Vorgang, bis die Aufgabe erledigt ist. Einer der beteiligten Hacker gab an, sowohl Prämien über die Bug-Bounty-Plattform HackerOne kassiert als auch zwei Unternehmen erpresst zu haben, wie es auf der Seite des KI-Anbieters „Mindverse“ heißt.
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Künstliche Intelligenz beschleunigt Cyberangriffe enorm
Die Unterstützung durch die KI Claude verkürzte die Angriffszeit der Kriminellen drastisch. Ein Angreifer benötigte nur etwa 34 Stunden, um Berechtigungsnachweise für mehr als 40 Firmennetzwerke von Microsoft auszulesen.
Laut dem Bericht von „BleepingComputer“ übernahmen KI-Agenten dabei fast die gesamte Arbeit. In anderen Fällen dauerte es nach dem ersten Eindringen weniger als drei Stunden, bis die Angreifer die vollständige administrative Kontrolle über Systeme übernahmen.
Geheimdienste aus Russland und China nutzen KI-Modelle
Neben finanziell motivierten Tätern missbrauchten auch staatliche Akteure die Technologie. Die russische Spionagegruppe Midnight Blizzard entwickelte mit Claude Schadsoftware und passte diese automatisch an, sobald Sicherheitssoftware ansprach.
Eine chinesischsprachige Gruppe namens GTG-10007 nutzte die KI als Steuerungsebene für Angriffe auf Regierungsorganisationen und fand so neue Schwachstellen in Sicherheitslizenzen. Anthropic reagierte auf die Vorfälle, indem das Unternehmen die Konten der Hacker sperrte und die Sicherheitsbarrieren seiner KI verschärfte.
Geheimnisse im Code: Welche Risiken das mit sich bringt
Code-Secret-Leakage bezeichnet das versehentliche Veröffentlichen von Zugangsdaten wie API-Keys, Tokens oder Passwörtern im Quellcode, etwa in Git-Repositories. Wie der Sicherheitsberater und Forscher Dr. Alexander Krause erklärt, liegt das eigentliche Risiko darin, dass ein solches Secret zwar selbst keine personenbezogenen Daten enthält, aber den Zugang zu Systemen öffnen kann, die genau diese Daten verarbeiten. Die Folgen reichen von eher harmlosem Lesezugriff auf Telemetriedaten bis hin zu existenzbedrohendem Vollzugriff auf Produktivsysteme.
Das von den Hackern missbräuchlich eingesetzte Tool „TruffleHog“ dient eigentlich dazu, Zugangsdaten wie API-Schlüssel, Passwörter und private Schlüssel in Git-Repositories, Chats, Wikis, Logs und vielen anderen Quellen aufzuspüren und so die Sicherheit zu erhöhen. Laut einem Eintrag auf „GitHub“ erkennt es über 800 verschiedene Geheimnistypen, ordnet sie der passenden Identität zu, prüft automatisch, ob sie noch aktiv sind, und analysiert bei den häufigsten Arten zusätzlich, welche Berechtigungen und Ressourcen damit verbunden sind.