Hackerangriff auf Berlin: Phishing-Mail soll Berliner Daten-Gau ausgelöst haben
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen
Berlin – Hacker saugten Millionen Dateien mit geheimen Informationen ab, die unsere Hauptstadt verwundbar machen. Unzählige davon stellten sie ins Darknet. Unterlagen zum Katastrophenschutz, zu sensibler Infrastruktur, Gefängnissen, zur Bundeswehr und interne Zugangsdaten. Informationen, die nie öffentlich werden sollten und dürfen. Jetzt kommt raus, dass eine Phishing-E-Mail den Berliner Daten-Gau ausgelöst haben soll. Ein Mitarbeiter aus der Senatsverkehrsverwaltung habe sie ahnungslos angeklickt – und so den wohl größten Hackerangriff in der Geschichte Berlins ermöglicht.
Über den Auslöser der Daten-Katastrophe berichtete zuerst der Tagesspiegel. Die Zeitung sprach nach eigenen Angaben mit mehreren Insidern. Demnach war es EIN falscher Klick auf einen Link in der Phishing-Mail, der der Hackergruppe „Rhysida“ die Tür zu unzähligen geheimen Daten geöffnet haben soll. Auf eine BILD-Anfrage dazu äußerte sich die Berliner Senatskanzlei zunächst nicht.
So lange blieb die Hackerattacke unbemerkt
Vom 7. August an sollen die Hacker fast eine Woche lang Zeit gehabt haben, Daten der Berliner Verwaltung abzusaugen, ohne dass es irgendjemandem auffiel. Dabei stießen sie offenbar auch auf ein Textdokument und eine Excel-Tabelle, die Mitarbeiter eindeutig mit „Passwort“ und „Zugangsdaten“ benannt hatten! Für die Cyberkriminellen war es demnach ein Leichtes, Passwörter der Mitarbeiter unter den Millionen Dateien zu identifizieren. Der Tagesspiegel berichtet, Standards wie verpflichtende Passwortmanager oder Zwei-Faktor-Authentifizierungen gebe es nach Aussage eines Mitarbeiters in den Senatsverwaltungen nicht.
Der Cyberangriff fiel nach Informationen der Zeitung erst am 13. August durch einen vermeintlichen Routinefall auf. Demnach meldete die Berliner Senatsverwaltung ein Problem mit dem Server, über den die Zugriffe von Benutzern auf das Netzwerk gesteuert werden. Eine „ganz normale Störungsmeldung“ sei das gewesen, wird eine mit dem Vorgang vertraute Person zitiert. Erst als sich das Notfall-Team für IT-Sicherheitsvorfälle des landeseigenen IT‑Dienstleistungszentrums (ITDZ) um die „Störung“ kümmerte, sei deutlich geworden, dass etwas viel Größeres dahintersteckte.
Mitarbeiter durchsuchen Dateien händisch
Die Aufarbeitung des gigantischen Daten-Leaks läuft seitdem schleppend und lässt die Regierung von Berlin eher hilflos aussehen. Am 19. August bestätigte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) noch, dass zum bis dahin aktuellen Kenntnisstand „keine sensiblen Daten abgeflossen“ seien. Eine Fehleinschätzung. Ein eingesetzter Krisenstab sollte die Lage aufklären. Laut Tagesspiegel wurden Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückgeholt. In einem Dienstgebäude sollen Feldbetten aufgestellt worden sein, um rund um die Uhr arbeiten zu können. Dennoch sollen alle Beschäftigten der Behörden erst mehr als zwei Wochen nach Bekanntwerden der Hackerattacke angewiesen worden sein, die Passwörter für ihren Systemzugang zu ändern.