Hackerangriff auf Flink: Kunden des Lieferdienstes werden per Mail erpresst - und sollen zahlen
Sie geben an, den Namen, die Mailadresse und sogar die Adresse von Kundinnen und Kunden zu haben: In den Mailpostfächern vieler Nutzer des Lieferdienstes Flink sind am Freitag Mails in ein und derselben Sache eingetrudelt. Hacker meldeten sich zu Wort – und forderten Lösegeld in Kryptowährung.
Sollte eine bestimmte Summe nicht gezahlt werden, drohten sie mit dem Verkauf der Daten. Fast fünf Stunden später schrieb dann der Anbieter selbst. Was steckt dahinter?
Die Hacker behaupten, die Daten vom Lebensmittel-Lieferanten Flink gestohlen zu haben. Flink hat seinen Hauptsitz in Berlin. Weil in den Mails die Kunden auch mit Vor- und Nachnamen angesprochen wurden, klingt der Datenklau plausibel: Die Hacker haben offenbar nicht nur Mailadressen erbeutet, sondern ganze Datensätze. Ihren Angaben zufolge sind eine Million Flink-Kunden und 13.000 Mitarbeiter betroffen.
„Wenn Sie nicht 0,005 ETH (ungefähr 10 Euro) zahlen, werden wir all Ihre Daten in das ,Deep Web verkaufen“, schreiben die Hacker in ihrer Mail. „Wir wollten das mit ihnen (Flink) klären, doch sie haben uns ignoriert“, heißt es weiter.
Neben einer detaillierten Anleitung, wie man ETH erwirbt und verschickt, kündigen die Hacker an: „Wenn wir 100 ETH (ungefähr 235.000 Euro) bekommen haben, werden alle Nutzerdaten gelöscht.“ Flink könne immer noch zahlen und damit Kunden und Mitarbeiter „aus dieser Situation herausholen“.
Ein bisschen sorgt sich die Hackergruppe dann aber um ihre eigene Reputation und die Zukunft: „Warum sollten Sie uns bei der Löschung der Daten vertrauen?“, fragt sie in der Mail – um sogleich die Antwort mitzuliefern: „Es ist in unserem eigenen Interesse, das Vertrauen der Menschen zu sichern, denn sonst wären unsere nächsten Kunden möglicherweise nicht bereit, zu zahlen.“
Ein am Ende des Schreibens angegebener Twitter-Account wurde erst im September 2026 eingerichtet, folgt nur wenigen Accounts und hat nur wenige Follower.
„Der unbefugte Zugriff auf unsere Systeme wurde bereits gestoppt“, schreibt das Unternehmen Flink in seiner Mail an die Kunden. Es rät seinen Kunden, nicht auf die Erpresser-Mails zu antworten und nicht zu bezahlen.
„Die Botschaft der Hacker kam am Dienstagabend über ein Formular auf unserer Website“, berichtet ein Sprecher des Lieferdienstes. „Flink tritt grundsätzlich nicht mit Kriminellen in Kontakt und führt keine Verhandlungen mit ihnen.“ Die Hacker seien über Zugangsdaten eines ehemaligen Mitarbeiters in das System eingedrungen. Der Zugang sei sofort nach Bekanntwerden des Vorfalls gesperrt worden.
„Wir haben die Datenschutzbehörden informiert, Strafanzeige erstattet und arbeiten eng mit den Ermittlungsbehörden sowie externen IT-Forensik- und Cybersicherheitsexperten zusammen“, so der Sprecher.
Beim Daten-Klau sollen demnach Name, Mailadresse, Postanschrift und Telefonnummer gestohlen worden sein. Weil beim Bestellprozess eines Lieferdienstes jedoch manchmal mehr Angaben nötig sind, könnten auch Etage, Eingang, Name auf dem Klingelschild, Lieferhinweise und Bestelldetails bekannt geworden sein. „Derzeit liegen uns keine Hinweise vor, dass diese zusätzlichen Bestellinformationen tatsächlich betroffen sind“, so Flink. „Wir können dies derzeit jedoch nicht vollständig ausschließen.“
Passwort und Zahlungsdaten sollen laut Flink nicht betroffen sein. Den betroffenen Kunden rät Flink zu einer Anzeige bei der Polizei.