„Halt dein Maul“: Bergführer rastet auf 3000 Metern in den Alpen aus - jetzt ermittelt die Polizei
rosenheim24-de
Welt
Welt-News
„Halt dein Maul“: Bergführer rastet auf 3000 Metern in den Alpen aus – jetzt ermittelt die Polizei
Von: Martina Hunger
Uns auf Google folgen
Auf einem schmalen Steig am Großglockner geraten ein Bergführer und ein polnischer Alpinist aneinander. Die Situation eskaliert verbal und körperlich – ein Video verbreitet sich anschließend im Netz. Nun ermittelt die Polizei, der Bergführerverein zieht bereits Konsequenzen.
Großglockner – Ein Streit in hochalpinem und ausgesetztem Gelände sorgt derzeit für Aufsehen in den Alpen. Auf dem Mürztalersteig am Großglockner gerieten am Samstag (22. August) ein Bergführer und ein polnischer Bergsteiger aneinander. Ein Video zeigt, wie der zunächst verbale Konflikt schließlich körperlich eskaliert. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.
Der polnische Bergsteiger war nach eigenen Angaben gemeinsam mit seiner Frau in Richtung Erzherzog-Johann-Hütte unterwegs. An einer ausgesetzten Stelle wartete er, um seiner Frau etwas Abstand zu lassen. In dieser Situation soll ein Bergführer mit seinem Gast beziehungsweise seiner Gruppe versucht haben, die beiden zu überholen.
„Ich bin Bergführer“ – Streit eskaliert am Großglockner
Der Pole kritisierte das Überholmanöver. Darauf reagierte der Bergführer laut den veröffentlichten Videoaufnahmen zunehmend aggressiv. Unter anderem ist der Satz „Ich bin Bergführer, halt dein Maul“ zu hören. Später drohte der Mann dem Bergsteiger auch körperliche Gewalt an.
Die Situation spielte sich in einer engen und ausgesetzten Passage auf rund 3.000 Metern Höhe ab. Schließlich näherte sich der Bergführer dem filmenden Alpinisten, die Aufnahmen zeigen eine körperliche Auseinandersetzung. Verletzt wurde nach Angaben des Kalser Berg- und Schiführervereins glücklicherweise niemand.
Der polnische Bergsteiger veröffentlichte die mit einer Kamera aufgezeichneten Szenen anschließend auf Instagram. Dort kritisierte er insbesondere das Verhalten eines Menschen, der als Bergführer aus seiner Sicht eigentlich eine Vorbildfunktion in den Alpen haben sollte.
Auch interessant: „Oida, euer Ernst?!“: Zugspitze macht Sticker-Sündern eine klare Ansage
Polizei ermittelt wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit
Der Vorfall beschäftigt inzwischen auch die Behörden. Die Polizei Matrei in Osttirol bestätigte gegenüber dem ORF, dass wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit ermittelt werde.
Damit ist der Fall allerdings noch nicht abschließend bewertet. Auch der Verband der Österreichischen Berg- und Skiführer weist darauf hin, dass Videoausschnitte allein nicht sämtliche Begleitumstände zeigen können. Grundsätzlich seien Überholmanöver auf den Routen zum Großglockner üblich, sie müssten aber in gegenseitiger Abstimmung und unter Einhaltung der Sicherheitsstandards erfolgen.
Vom gezeigten Auftreten des Bergführers distanzierte sich der Verband dennoch ausdrücklich. Disziplinarrechtliche Konsequenzen werden geprüft.
Auch interessant: „Verdammter Thunfisch“: Alpenwirt von Berghütte platzt wegen Wanderern der Kragen
Bergführerverein beendet Zusammenarbeit sofort
Besonders deutlich reagierte der Kalser Berg- und Schiführerverein. In einer offiziellen Stellungnahme bezeichnet der Verein das gezeigte Verhalten als „inakzeptabel“ und entschuldigt sich bei den betroffenen Bergsteigern.
Der betreffende Mann ist demnach kein Mitglied des Kalser Berg- und Schiführervereins. Die Tour war allerdings über das Bergführerbüro des Vereins an den externen Bergführer vermittelt worden. Deshalb ziehe man Konsequenzen und übernehme Verantwortung für die Vermittlung.
Die Zusammenarbeit wurde mit sofortiger Wirkung beendet. Künftig werde der Mann keine Touren mehr über das Kalser Bergführerbüro vermittelt bekommen. Der Verein will den Vorfall zudem weiter prüfen.