Hämorrhoiden durch scharfes Essen? Der Gewürz-Check
Aktualisiert am 06.10.2026 - 07:00 UhrLesedauer: 5 Min.
Blut auf dem Toilettenpapier, Juckreiz und Brennen: Vergrößerte Hämorrhoiden sind belastend. Können scharfe Gewürze das Analleiden verursachen?
Scharfes Essen wird immer wieder als möglicher Auslöser von vergrößerten Hämorrhoiden diskutiert. Doch setzen Chili, Curry, Pfeffer und Co. den Gefäßpolstern wirklich zu? Können sie das Analleiden begünstigen und bereits bestehende Probleme verstärken? Der Gewürz-Check.
Hämorrhoiden unterstützen den Darm unbemerkt
Jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Und sie sind wichtig: Unbemerkt helfen sie jeden Tag, Peinlichkeiten zu verhindern. Zusammen mit den Schließmuskeln dichten sie den After zuverlässig ab, damit nicht ungewollt Gas oder Stuhl abgeht. Bemerkbar machen sich die Gefäßpolster, wenn sie sich vergrößern. Mediziner sprechen dann von einem Hämorrhoidalleiden.
Viele Menschen haben vergrößerte Hämorrhoiden
Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit zufolge bekommt mehr als die Hälfte aller Erwachsenen im Laufe ihres Lebens Beschwerden durch vergrößerte Hämorrhoiden. Etwa vier von 100 Erwachsenen sind in Deutschland jährlich wegen vergrößerter Hämorrhoiden in ärztlicher Behandlung.
Vergrößerte Hämorrhoiden können verschiedene Symptome verursachen, darunter:
schmerzlose Blutungen während und kurz nach dem Stuhlgang
Brennen, Nässen und Juckreiz am After
Fremdkörpergefühl
das Gefühl einer unvollständigen Entleerung nach dem Toilettengang
Bereits vergrößerte Hämorrhoiden werden meist nicht von selbst wieder kleiner. Bei Beschwerden und entsprechendem Leidensdruck ist eine ärztliche Behandlung empfehlenswert. Blutungen aus dem After sollten Betroffene grundsätzlich ärztlich abklären lassen.
Die häufigsten Ursachen von Hämorrhoiden
Die genauen Ursachen eines Hämorrhoidalleidens sind nicht abschließend geklärt. Mediziner vermuten, dass das Gewebe, das die Hämorrhoiden stützt, mit der Zeit schwächer wird. Möglicherweise gibt es auch eine familiäre Veranlagung für vergrößerte Hämorrhoiden. Verschiedene Risikofaktoren tragen dazu bei, eine Vergrößerung der Gefäßpolster zu begünstigen.
Dazu gehören chronische Verstopfung, harter Stuhl, starkes Pressen beim Stuhlgang, häufiger Durchfall, Schwangerschaft und Geburt sowie Übergewicht. Diese Einflussgrößen verursachen teils erheblichen Druck im Analbereich und können dazu beitragen, dass sich das stützende Gewebe im Laufe der Zeit verändert.
Kann Chili Hämorrhoiden verursachen?
Ebenfalls diskutiert werden scharfe Gewürze wie Chili, Pfeffer und Curry. Diese sollen ebenfalls das empfindliche Gewebe der Gefäßpolster reizen. Doch stimmt das? Verschiedene Untersuchungen haben sich mit der Fragestellung beschäftigt, ob scharfe Gewürze wie Chilischoten ein Hämorrhoidalleiden verursachen können.
Bislang gibt es keine eindeutigen Hinweise darauf, dass scharfes Essen Hämorrhoiden vergrößert. Allerdings kann scharfes Essen bei einigen Betroffenen bereits bestehende Beschwerden verstärken. Doch auch das muss nicht bei jedem Betroffenen zwingend der Fall sein.
Chili-Studie zeigte keine Veränderung
Unter anderem zeigte die 2006 durchgeführte italienische Studie von Donato F. Altomare und seinem Team, dass scharfe Gewürze kein Problem darstellen müssen. Die Forscher haben in einer doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Crossover-Studie die Auswirkungen einer Einzeldosis von roter scharfer Chilischote auf die Hämorrhoidensymptome untersucht.
50 Teilnehmer mit symptomatischen Hämorrhoiden zweiten und dritten Grades nahmen zum Essen eine Kapsel zu sich. Diese enthielt entweder rotes Chilipulver oder war ein Placebo. Nach einer Woche wurde die Behandlung wiederholt. Andere Therapien und Lebensmittel, die möglicherweise mit rektalen Symptomen in Verbindung stehen, wurden während der Studienzeit pausiert. Das Ergebnis: Die Teilnehmer berichteten in den 48 Stunden nach der Einnahme weder nach Chili noch nach Placebo über eine relevante Veränderung ihrer Beschwerden.
Verträgt der Darm Chili und Co., spricht nichts dagegen
Die Studie lieferte keinen Hinweis darauf, dass eine einzelne scharfe Mahlzeit mit roter Chilischote die Beschwerden verschlechtert. Aus Sicht der Studienautoren dürfen auch Menschen mit einem Hämorrhoidalleiden durchaus gelegentlich ein scharfes Gericht genießen.
Wie sich scharfe Gewürze bei größeren Verzehrmengen und häufigem Verzehr unter Umständen auf vergrößerte Hämorrhoiden auswirken, zeigt die Studie allerdings nicht. Hier sollten Betroffene auf ihren Körper hören. Wer den Verdacht hat, dass scharfes Essen dem Darm nicht gut bekommt, sollte die Gewürzmenge reduzieren oder diese Speisen besser nur in Maßen verzehren.
Warum Chili bei empfindlichen Menschen Probleme machen kann
Chili beispielsweise enthält den Pflanzenstoff Capsaicin. Dieser aktiviert bestimmte Nervenrezeptoren, die Wärme und Schmerz wahrnehmen. Im Mund entsteht dadurch das typische Brennen. Auch im Verdauungstrakt können diese Rezeptoren unter Umständen Schärfe und Reizung vermitteln.
Bei empfindlichen Personen kann ein sehr scharfes Essen deshalb zu einem brennenden Gefühl beim Stuhlgang führen. Dieses Brennen bedeutet nicht automatisch, dass die Hämorrhoiden größer geworden sind. Häufig reagiert lediglich die empfindliche Haut oder Schleimhaut im Analbereich auf den Stuhlgang. Wer empfindlich auf Schärfe reagiert, sollte dennoch sparsam mit Chili umgehen.
Scharfes Essen beeinflusst den gesamten Verdauungstrakt
Zusätzlich kann scharfes Essen bei einzelnen Personen Bauchbeschwerden oder weicheren Stuhl auslösen. Beispielsweise können Menschen mit einem Reizdarmsyndrom oder anderen chronischen Magen-Darm-Erkrankungen auf Chili mit Beschwerden und veränderten Stuhlgewohnheiten reagieren, etwa Magenschmerzen, Blähungen oder Durchfall.
Häufige, dünne Stühle wiederum reizen die Haut am After. Durch häufiges Abwischen können Juckreiz und Brennen bereits vergrößerter Hämorrhoiden weiter zunehmen. Dann ist es nicht die Schärfe allein, die das Hämorrhoidalleiden verstärken kann, sondern ebenso die zusätzlichen Reizungen.
Nach Hämorrhoiden-OP besser auf Chilis verzichten
Empfehlenswert kann es sein, dass Betroffene direkt nach einer Hämorrhoiden-OP auf scharfes Essen verzichten. Eine 2007 durchgeführte indische Studie von Pravin J. Gupta und seinem Team untersuchte einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Chili und postoperativen Symptomen nach einer operativen Entfernung der Hämorrhoiden (Hämorrhoidektomie). Das Forscherteam teilte insgesamt 60 Patienten nach dem Zufallsprinzip entweder einer Gruppe zu, die lediglich Antibiotika und Schmerzmittel erhielt, oder einer Gruppe, die zusätzlich zu identischen Antibiotika und Schmerzmitteln täglich drei Gramm Chilipulver zu sich nahm.
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Mittels Patientenfragebögen erfolgte die Bewertung der Symptome im postoperativen Verlauf, darunter Schmerzen, anales Brennen, Juckreiz und Blutungen. Bei der Nachuntersuchung nach einer Woche zeigte sich: Die Häufigkeit postoperativer Symptome nach der Hämorrhoidektomie war in der Chili-Gruppe während der ersten postoperativen Woche höher. Nach einer Hämorrhoiden-Operation kann es daher sinnvoll sein, zunächst auf Chili und sehr scharfe Speisen zu verzichten.
Hämorrhoiden-Beschwerden lindern: Das können Sie tun
Für die Linderung von Hämorrhoiden-Beschwerden spielt der Stuhlgang eine deutlich größere Rolle als scharfe Gewürze wie Chili. Es ist daher bedeutsam, die Verdauung bestmöglich zu unterstützen und auf eine geregelte und möglichst schonende Darmentleerung zu achten:
Ballaststoffreich essen: Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen machen den Stuhl voluminöser und können die Darmentleerung erleichtern. Wer bislang ballaststoffarm gegessen hat, sollte die Ballaststoffmenge langsam steigern.
Ausreichend trinken: Für gesunde Erwachsene empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) eine tägliche Trinkmenge von 1,5 Liter – am besten Wasser und ungesüßte Kräuter- und Früchtetees. Besonders wer ballaststoffreich isst, sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
Ausreichend bewegen: Regelmäßige Bewegung unterstützt die Darmtätigkeit. Spaziergänge, Radfahren oder leichte Gymnastik nach dem Essen fördern die Verdauung und die Darmfunktion.
Den Stuhlgang nicht unterdrücken: Wer den Toilettengang regelmäßig hinauszögert, kann eine Verstopfung begünstigen. Besser ist es, bei deutlichem Stuhldrang zeitnah zur Toilette zu gehen.
Nicht pressen: Starkes Pressen erhöht den Druck auf die Gefäßpolster. Ein Toilettenhocker kann den Stuhlgang unterstützen. Die Sitzhaltung mit leicht erhöhten Beinen erleichtert das Entspannen der Muskulatur.
Nicht zu lange auf der Toilette sitzen: Wenn nach etwa fünf bis zehn Minuten keine Darmentleerung erfolgt ist, ist es besser, den Toilettengang zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu versuchen.
Bei vergrößerten Hämorrhoiden gehören ein möglichst weicher Stuhl, eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichendes Trinken sowie wenig Pressen zu den wichtigsten Maßnahmen, um die Gefäßpolster zu entlasten.
Verwendete Quellen
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov: Altomare DF et al.: „ Red Hot Chili Pepper and Hemorrhoids: The Explosion of a Myth ". Diseases of the Colon & Rectum. 2006 Jul;49(7):1018-1023. (Abgerufen am 21. September 2026)
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov: Gupta PJ.: „ Consumption of red-hot chili pepper increases symptoms in patients with acute anal fissures ". Arquivos de Gastroenterologia. 2008 Apr-Jun;45(2):124-7. (Abgerufen am 21. September 2026)
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov: Gonlachanvit S et al.: „ Effects of Chili Treatment on Gastrointestinal and Rectal Sensation in Diarrhea-predominant Irritable Bowel Syndrome ". Journal of Neurogastroenterology and Motility. 2009 Jan;21(1):23-32. (Abgerufen am 21. September 2026)
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov: Gupta PJ.: " Effect of red chili consumption on postoperative symptoms during the post-hemorrhoidectomy period: Randomized, double-blind, controlled study ". World Journal of Surgery. 2007 Sep;31(9):1822-1826. (Abgerufen am 21. September 2026)
dge.de: "Ballaststoffe". Online-Information der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). (Abgerufen am 21. September 2026)
gesund.bund.de: "Hämorrhoiden". Online-Information des Bundesministeriums für Gesundheit. (Stand: 5. März 2026)
amboss.com: AMBOSS-Bibliothek "Hämorrhoiden und Hämorrhoidalleiden", AMBOSS SE. (Stand: 17. Februar 2026, kostenpflichtig)
gesundheitsinformation.de: "Vergrößerte Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden)". Online-Information des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (Stand: 19. Februar 2025)
gesundheitsinformation.de: "Was kann man selbst gegen vergrößerte Hämorrhoiden tun?". Online-Information des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (Stand: 19. Februar 2025)
deximed.de: "Hämorrhoiden und Analvenenthrombose". Online-Information von DEXIMED. (Stand: 23. November 2023)
amboss.com: AMBOSS-Bibliothek "Analfissur", AMBOSS SE. (Stand: 10. Juli 2026, kostenpflichtig)
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