Handelsstreit in Nordamerika: Trump will Lake Ontario in Lake America umbenennen - Kanada verhängt Vergeltungszölle
Mitten im angespannten Handelskonflikt mit Kanada hat US-Präsident Donald Trump die Umbenennung eines Grenzsees zwischen den beiden Ländern ins Spiel gebracht. „Die Vereinigten Staaten erwägen ernsthaft, den Lake Ontario in „Lake America“ umzubenennen, da wir nicht mehr damit rechnen, nennenswerte Geschäfte mit Ontario zu tätigen“, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social.
Der Premierminister der kanadischen Provinz Ontario, Doug Ford, hatte am Vortag vor dem Hintergrund neuer US-Strafzölle gegen Trump ausgeholt und etwa gesagt, der US-amerikanische Präsident „kann meinen Arsch küssen“. Ford brachte zudem Einschränkungen bei der Stromversorgung der USA aus Kanada und dem Zugang zu kritischen Rohstoffen ins Spiel.
Kanadische Provinz wurde nach See benannt und nicht umgekehrt
Ontario umfasst die Metropolen Toronto und Ottawa, ist Kanadas bevölkerungsreichste Provinz und wirtschaftlich eng mit den USA verflochten. Zu den wichtigsten Exportgütern in die USA gehören Autos und Autoteile sowie Metall- und Mineralprodukte. Die Provinz liefert zudem Strom in die US-Bundesstaaten New York, Michigan und Minnesota.
Der Ontariosee gehört zu den fünf großen Seen Nordamerikas und liegt sowohl in Kanada als auch den USA. Pikant: Die kanadische Provinz wurde nach dem See benannt und nicht umgekehrt. Vielmehr kommt das Wort „Ontario“ aus der Sprache der indigenen Wyandot und bedeutet „Großer See“.
Kurz nach seinem Amtsantritt als US-Präsident hatte Trump 2025 relativ willkürlich den Golf von Mexiko in „Golf von Amerika“ umbenennen lassen. In der Folge setzte Trump diese Umbenennung als Druckmittel und Loyalitätsbeweis gegen Unternehmen und Medien ein. Als etwa die Nachrichtenagentur AP sich weigerte, die Namensänderung einfach zu übernehmen, wurden ihre Korrespondenten von Regierungsreisen ausgeschlossen.
Seit dem Scheitern der Handelsgespräche zwischen Washington und Ottawa Ende vergangener Woche hat sich der Streit zwischen den Nachbarländern deutlich verschärft. Die USA verhängten am Wochenende Zölle von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar. Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte daraufhin Gegenzölle an. Trump wiederum reagierte mit einer Drohung, zum Jahreswechsel die Zölle auf kanadische Autos, Autoteile und Stahl auf 50 Prozent anzuheben.
Am Dienstag reagierte wiederum Kanada mit Vergeltungszölle von bis zu 50 Prozent auf Importe aus den USA. „Mit Wirkung vom 8. September wird Kanada Gegenzölle von bis zu 15, 25 oder 50 Prozent auf Importe aus den Vereinigten Staaten von Amerika im Wert von 27,6 Milliarden Dollar erheben“, sagte der kanadische Finanzminister François-Philippe Champagne. (dpa)