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Handelsstreit mit den USA eskaliert: „Kanada hat sich dann wohl lieber für ein Ende mit Schrecken entschieden“

Welt

Der Handelsstreit zwischen Kanada und den USA eskaliert: Die Vereinigten Staaten werden künftig einen Zoll von 50 Prozent auf kanadische Waren erheben, im Wert von rund 28 Milliarden US-Dollar. Kanada will diese Zölle zum Schutz seiner Beschäftigten und Unternehmen in gleicher Höhe erwidern.

Das teilte Kanadas Premierminister Mark Carney in der Nacht mit. Die wochenlangen Verhandlungen mit den USA seien ausgesetzt.

Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer bestätigte das Scheitern der Verhandlungen. Kanada habe es abgelehnt, das Abkommen zu den vereinbarten Bedingungen abzuschließen, zitierte ihn die Plattform „Politico“. Neue Forderungen Kanadas hätten das in den vergangenen Tagen erzielte Gleichgewicht ins Wanken gebracht.

Kanadas Premier Carney gibt den USA die Schuld

Die Zölle von 50 Prozent sollen unter anderem auf Wein, Hockeyschläger, Möbel sowie Milchprodukte erhoben werden und nach 30 Tagen gelten, hatte es in einer Mitteilung des Weißen Hauses am 20. Juli geheißen. Der Zeitraum samt einer vor wenigen Tagen angekündigten Verlängerung ist nun verstrichen.

Carney schrieb weiter, er habe die kanadischen Unterhändler angewiesen, nach Ottawa zurückzukehren. Sie hätten bis zur letzten Minute hart an einem Abkommen gearbeitet. Die kurzfristigen Änderungen an den von den USA vorgeschlagenen Bedingungen seien jedoch unfair und wirtschaftlich nicht tragfähig gewesen. Ziel sei immer gewesen, ein bestmögliches Abkommen für Kanada zu erreichen – „niemals ein Abkommen um jeden Preis oder unter Einhaltung einer bestimmten Frist“.

Experte Thomas Jäger glaubt, dass Kanada kaum eine andere Option hatte, als die Verhandlungen auszusetzen. „Trump will den Freihandel beenden. Das hat man in Kanada verstanden, weshalb man sich nicht auf eine Spirale von Zollerpressungen einlassen wollte“, sagt der Professor für Internationale Politik und Außenpolitik dem Tagesspiegel. „Nach dem Abkommen könnte die nächste Zolldrohung warten. Kanada hat sich dann wohl lieber für ein Ende mit Schrecken entschieden.“

Zölle weiten den Streit auf kleinere Hersteller aus

Unterhändler beider Länder hatten laut Berichten bis zum letzten Moment verhandelt. Laut einer Erklärung aus dem Weißen Haus vom Juli reagieren die USA damit „auf Kanadas diskriminierende Behandlung amerikanischer Produkte“. Genannt wurden etwa Autos, Alkohol und Milchprodukte.

Der US-Handelsbeauftragte Greer hatte damals mitgeteilt, dass die neuen Zölle auf Importe aus Kanada im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar gelten werden. Insgesamt importierten die USA im Jahr 2025 Waren im Wert von 383 Milliarden US-Dollar (330 Mrd. Euro) aus Kanada.

Die Beziehungen zwischen Kanada und den USA haben sich seit Trumps Amtsantritt deutlich verschlechtert. Auslöser sind unter anderem bereits verhängte Zusatzzölle, wiederholte Drohungen des US-Präsidenten gegen Kanada sowie seine mehrfach geäußerte Idee, das Nachbarland zum 51. Bundesstaat der USA zu machen.

Durch die neuen Zölle steigen jetzt erneut die Preise für Produkte beider Länder. „Es ist ein weiterer Beleg, dass Trump Inflation, Zinsen und Schulden der USA schlicht egal sind. Er schadet den amerikanischen Verbrauchern mit seinen Entscheidungen täglich“, sagt Politikwissenschaftler Jäger.

„Nun macht das nur eine überschaubare Produktpalette aus. Gefährlicher ist die Dynamik, die in den ganzen Zöllen liegt: dass die Freihandelszone Nordamerikas zerbricht.“ Auch Verhandlungen mit Mexiko stehen noch an. (mit dpa)

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