Harald Schmidt spottet über „untergehende Altparteien“ - verteidigt aber Merz
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Harald Schmidt hat sich bissig zur politischen Lage in Deutschland geäußert. Der Entertainer nahm im Podcast „Studio 9 – der Tag mit ...“ vor allem die etablierten Parteien und deren Probleme bei jüngeren Wählern aufs Korn. Auch den Aufstieg der AfD kommentierte er. Bundeskanzler Friedrich Merz nahm der Entertainer anschließend jedoch in Schutz. „Ich hoffe, dass er die Legislaturperiode durchsteht“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Köln.
Schmidt war am 10. September zu Gast in der Podcastsendung von Deutschlandfunk Kultur. Das Gespräch mit Moderator Korbinian Frenzel wurde live im Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin aufgezeichnet. Anlass für die Diskussion war unter anderem das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD deutlich zulegen konnte.
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Schmidt: „Wir sind die einzigen, die euch noch wählen“
Mit Blick auf CDU, SPD und andere etablierte Parteien sagte Schmidt sarkastisch: „Liebe traditionelle, zum Teil untergehende Altparteien: Seid lieb zu uns, Generation 65 plus, wir sind die einzigen, die euch noch wählen“. Schmidt spielte damit auf die Altersstruktur der Wählerschaft der traditionellen Parteien an. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hatten CDU und SPD insbesondere bei älteren Wählern vergleichsweise gut abgeschnitten.
Seinen Spott setzte der Entertainer fort: „Warum? Weil wir natürlich mit den Gelenken gar nicht weiter runterkommen auf dem Wahlzettel. Wir machen das Kreuz einfach oben, da geht es noch einigermaßen. Also Finger weg von unseren Renten“.
Der Begriff „Altparteien“ ist allerdings politisch umstritten. Er wurde bereits von der NSDAP zur Abwertung der etablierten Parteien der Weimarer Republik verwendet und wird heute unter anderem von rechtspopulistischen Akteuren zur Bezeichnung der politischen Konkurrenz genutzt.
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Keine große Sorge wegen AfD-Aufstieg
Den zunehmenden Erfolg der AfD sieht Schmidt nach eigener Aussage nicht mit großer Sorge. „Ich würde mir gerne Sorgen machen, aber ich mache mir keine“, soll der Entertainer laut einem Bericht der Welt in dem Gespräch gesagt haben. Er verstehe zwar, dass andere Menschen angesichts des politischen Rechtsrucks besorgt seien, fügte aber demnach hinzu: „aber ich bitte um Entschuldigung dafür, dass ich keine habe“.
Schmidt äußerte sich zudem anerkennend über den Wahlkampf des AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund. Dessen Auftreten bescheinigte er „Street Credibility“. Besonders ein Bild Siegmunds auf einem Moped habe auf ihn glaubwürdig gewirkt – unabhängig von dessen politischen Positionen.
Im Vergleich dazu nahm Schmidt SPD-Chef Lars Klingbeil aufs Korn. „Lars Klingbeil auf dem Fahrrad sieht aus, als ob der Medienberater gesagt hat: ‚Mach ihm für das Foto die Stützräder weg‘“, sagte er laut der Welt.
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Spott und Mitleid für Kanzler Merz
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz bekam im Podcast sein Fett weg. Schmidt bezeichnete dessen politische Situation als „schwierige Phase“ und spottete über dessen angekündigte Arbeit an seiner Empathie: Das sei schwierig, „wenn man sie nicht wirklich hat“. Nach dem Podcast äußerte sich Schmidt gegenüber der dpa allerdings deutlich wohlwollender über den Kanzler und lehnte Rücktrittsforderungen ab. Merz befinde sich in einer ähnlichen Lage wie viele westliche Regierungschefs: „Nennen Sie einen Regierungschef, der nicht zu Hause Probleme bis unters Dach hat.“
Die Medien hätten sich auf die Linie festgelegt, dass Merz es nicht könne, kritisierte Schmidt. Auch die Debatte um dessen Sommerurlaub sei „kleinkariert“: Gehe er in Urlaub, sei er zu lange weg, bleibe er zu Hause, brauche er Urlaub. Schmidt würde Merz deshalb raten, offensiv aufzutreten und zu sagen: „Ihr könnt froh sein, dass ich den Job mache. Ich ziehe das jetzt alles durch.“
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Die Fixierung auf die Kanzlerkrise hält er ohnehin für ein typisch deutsches Luxusproblem. „Das sind süße, kleine Themen, die wir uns hier leisten“, sagte er mit Blick auf die geopolitischen Entwicklungen und verwies unter anderem auf das Treffen von Putin, Modi und Xi Jinping sowie Warnungen der KI-Branche.
Das Podcast-Gespräch wurde nach Angaben des Ausgangsberichts zwischenzeitlich von Spotify und der Website von Deutschlandfunk Kultur entfernt. Auszüge daraus wurden unter anderem von der Welt weitergegeben.
mit mkx/dpa