Harsche Kritik am Putin-Besuch von Altkanzler Schröder
Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist mit Putin befreundet und steht unter anderem wegen dieser engen Verbindung und seines Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik. Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen.
Der Kreml hatte auf der Plattform Telegram mitgeteilt, Putin habe am Mittwochmorgen aus den Medien von der Anwesenheit Schröders in der russischen Hauptstadt erfahren. „Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein“, hieß es. Gezeigt wurden auch Fotos, die zeigen, wie die beiden Männer lächelnd ihre Hände fest umeinander verschließen.
Der Altkanzler war nach seiner Berufung in den Aufsichtsrat der russischen Handelskette Hyperglobus nach Moskau gereist. Am Mittwochmorgen war Schröder in Moskau von Beschäftigten einer Filiale mit Applaus empfangen worden. Die Hyperglobus-Filiale im Westen der Hauptstadt betrat Schröder lächelnd, wie Aufnahmen des Senders RBC zeigten und begrüßte die Mitarbeiter. „Ich freue mich sehr, hier zu sein, diesen beeindruckenden Markt und die Ergebnisse Ihrer Arbeit zu sehen sowie Sie, meine lieben Kollegen, kennenzulernen“, zitierte der Sender den 82-Jährigen.
Zu Schröders anschließendem Besuch bei Putin schrieb Göring-Eckardt auf der Plattform X: „Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden.“ Strack-Zimmermann bezeichnete Schröder, ebenfalls auf X, als Deutschlands frechsten Rentner: Er sei „zu krank für Untersuchungsausschüsse“, aber „für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zuhause bei Kriegsverbrecher Putin reicht’s dann doch noch. Eine Schande sondergleichen“.
Zu Putins Geburtstag überzieht Russland die Ukraine mit massiven Angriffen
Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, kritisierte ebenfalls, Schröder sei für einen Untersuchungsausschuss zu krank, aber fit genug für Moskau und Putin. Er fügte hinzu: „Wunderheilung à la Rasputin bei Gerhard Schröder.“ 2025 hatte Schröder Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baus der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt.
Am Mittwoch, dem Tag von Putins Geburtstag, hatte Russland die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem der gefürchteten kombinierten Angriffe mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen überzogen. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij sprach danach von mindestens 25 Toten und über 100 Verletzten und bezeichnete den Angriff als ein „Geburtstagsgeschenk für Putin“.
Im Mai hatte Putin Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. In der Bundesregierung waren Putins Äußerungen aber auf deutliche Skepsis gestoßen.