Hat die Dachwohnung trotz Hitze eine Zukunft?
Stand: 02.08.2026 08:05 Uhr Dachwohnungen heizen sich im Sommer meist besonders auf. Das sorgt für eine geringere Nachfrage bei Käufern und Mietern. Es gibt aber Möglichkeiten die Temperatur unterm Dach zu senken, sagt Wissenschaftlerin Xiaoping Xie von der Technischen Universität Dresden. Es brauche aber auch ein gesellschaftliches Umdenken. von Annekathrin Queck, MDR AKTUELL Dachwohnungen sind bei Mietern und Käufern weniger beliebt als Etagenwohnungen. Dabei ist Hitze in Dachwohnungen nicht automatisch ein Problem. Wir müssen Bauen und Wohnen neu denken, fordert eine Expertin der Technischen Universität Dresden. Sommerliche Temperaturen und Hitzewellen sorgen dafür, dass die Nachfrage nach Dachwohnungen sinkt. Das zeigt unter anderem eine Analyse des Portals "Immoscout 24". Danach werden Dachwohnungen beim Wohnungskauf 24 Prozent weniger angefragt als Etagen- und Erdgeschosswohnungen, bei Mietwohnungen sind es sogar 33 Prozent. Dadurch sinken auch Kaufpreis und Miete. Wie das Immobilienportal berichtet, war die Nachfrage aber höher, wenn die Dachwohnungen eine entsprechende Schutzausstattung hatten, also zum Beispiel mit einer Klimaanlage, Rollläden oder einer Wärmedämmung ausgestattet waren. Hitze bei Dachwohnungen nicht automatisch ein Problem Das berichtet auch die Leipziger Maklerin Berit Klose: "Die Dämmung ist entscheidend." Selbst bei denkmalgeschützten Gebäuden könne im Innenbereich gedämmt werden. Das sei für Kaufinteressenten ein wichtiger Aspekt. Die Wissenschaftlerin und Architektin Xiaping Xie von der Technischen Universität Dresden betont gegenüber dem MDR aber auch, dass Hitze nicht in jeder Dachwohnung ein Problem sei. "Wenn wir eine sehr gute Dachdämmung und einen außenliegenden Sonnenschutz haben, können wir in der Nacht und am frühen Morgen die komplette Dachgeschosswohnung intensiv querlüften." Durch die kühle Luft lasse sich das Raumklima in der Wohnung dann auch über den Tag angenehm halten. Diese passive Kühlung ist Xie zufolge deshalb möglich, weil die Temperatur in Deutschland selbst an sehr heißen Tagen nachts deutlich sinke. Flächenkühlung statt Klimaanlage Wenn sich die Wohnung trotzdem zu stark aufheizt, sollte man auf eine sogenannte Flächenkühlung setzen, rät Xie. Dabei werden Rohre unter dem Boden, in Wänden oder Decken verlegt, durch die kaltes Wasser gepumpt wird. So werden die Flächen kühl gehalten. Gleichzeitig nimmt das Wasser Wärme auf, wodurch sich zum Beispiel die Körpertemperatur langsam der Raumtemperatur anpasst. Von Klimaanlagen rät die Wissenschaftlerin aus mehreren Gründen ab. "Klimaanlagen ziehen eigentlich nur die Hitze aus dem Zimmer und blasen sie nach draußen. Wenn sehr viele Menschen Klimaanlagen nutzen, erwärmt das unsere Städte zusätzlich." Dadurch verschärft sich der sogenannte Wärmeinseleffekt. Das bedeutet, dass Städte in der Nacht nicht mehr richtig abkühlen. Ein Problem, das es Xie zufolge bereits in asiatischen Großstädten und Teilen Südeuropas gibt. Klimaanlagen ziehen eigentlich nur die Hitze aus dem Zimmer und blasen sie nach draußen. Wenn sehr viele Menschen Klimaanlagen nutzen, erwärmt das unsere Städte zusätzlich. Xiaping Xie, Architektin TU Dresden Hinzu komme, dass Klimaanlagen eine schlechte Umweltbilanz hätten, weil viele Geräte chemische Kältemittel nutzten. "Wenn die Geräte kaputt sind und diese Kältemittel auslaufen, sind sie sehr, sehr belastet für das Klima, weil sie einen sehr hohen Treibhauseffekt haben", sagt Xie. Ein weiterer Nachteil: Die Luft aus Klimaanlagen ist sehr kalt. "Oft friert man oder bekommt einen steifenden Nacken". Dieser Kühlungseffekt sei bei Flächenkühlungssysteme deutlich angenehmer. Flächenkühlung in Dachwohnungen: Möglich, aber herausfordernd Wie Xie erklärt, gibt es beim Einbau von Flächenkühlungsystemen in Dachwohnungen aber einige Herausforderungen. Dazu gehört zum Beispiel, dass durch die Deckenschrägen weniger Deckenfläche verfügbar ist. Außerdem bestehen der Wissenschaftlerin zufolge typische deutsche Steildachkonstruktionen aus Holz. "Bei einer Deckenkühlung im Sommer besteht die Gefahr, dass die Temperatur den Taupunkt unterschreitet und sich Kondenswasser bildet". Dadurch könnten Schimmel und Bauschäden entstehen. Es sei aber möglich, das bautechnisch mitzudenken und diesen Folgen vorzubeugen. Bei einer Holzkunstruktion fehlt in der Regel auch ausreichend thermische Masse als Speicher, wie zum Beispiel eine Betondecke, erklärt Xie. Das sei aber etwas, dass man nachträglich etwa während eines Dachausbaus oder einer Dachsanierung einbauen könne. "Beispielsweise kann man schwere Lehmbauplatten zwischen den Dachschrägen einbringen, dann hat man eine sehr gute thermische Masse." Expertin: Bauen und Wohnen muss sich ändern Trotz der Herausforderungen durch die Sommerhitze ist Xie optimistisch. Sie glaubt, dass wir das Dachgeschoss als Wohnraum auf keinen Fall aufgeben müssen. Das sieht auch Maklerin Berit Klose so: "Gerade auf dem angespannten Immobilienmarkt ist es keine Option Dachgeschosswohnungen leer zu lassen." Xie zufolge braucht es in Deutschland insgesamt eine andere Einstellung, wenn es darum geht, wie wir unsere Gebäude heizen und kühlen. "Traditionell haben wir uns bisher fast ausschließlich auf das Heizen im Winter fokussiert." In Zeiten des Klimawandels müsse aber auch das Kühlen im Sommer mitgedacht werden. Wir müssen das Kühlen von Beginn an integrieren – sowohl beim Gebäudedesign als auch bei der Energieversorgung. Xiaping Xie, Architektin TU Dresden "Wir müssen das Kühlen von Beginn an integrieren – sowohl beim Gebäudedesign als auch bei der Energieversorgung. Und auch auf der Ebene von Städtebau und Stadtplanung muss die Kühlung jetzt viel mehr in den Fokus rücken", fordert die Wissenschaftlerin. Das könne nur gelingen, wenn Politiker, Ingenieure, aber auch jeder Einzelne bereit sei umzudenken. MDR AKTUELL