„Hätte fast einen Krieg ausgelöst“: US‑Truppen bereiteten offenbar Angriff auf Schiff aus China vor – nach KI
Es ist ein Szenario, das angesichts der angespannten geopolitischen Lage alle befürchten: Falsche Informationen von Künstlicher Intelligenz (KI) lösen einen militärischen Einsatz aus, der unkontrollierbar eskaliert. Erst Anfang der Woche mahnten deshalb Experten aus den KI-Vorreiterstaaten USA und China bei einem Sicherheitsforum in Peking dringend einen Dialog beider Regierungen an.
Wie wichtig dieser wäre, zeigt ein Vorfall, der sich einem Bericht des US-Senders CNN zufolge in diesem Frühjahr inmitten des Krieges der USA und Israels gegen den Iran abspielte – und „fast einen Krieg ausgelöst“ haben soll, wie eine von mehreren Quellen demnach sagte.
Was genau war passiert? Dem US-Militär lag CNN zufolge ein Geheimdienstbericht vor: Ein chinesisches Schiff transportierte demnach im Nahen Osten Komponenten für Atomwaffen. In Washington fiel eine beinahe folgenschwere Entscheidung: Der Frachter sollte durch US-Truppen geentert werden, bestätigten demnach vier Quellen dem Sender. Der Einsatz war bereits angelaufen: Maschinen der Armee seien schon in der Luft gewesen.
Wie es weiter heißt, prüften Beamte erst vor der geplanten Operation den Geheimdienstbericht genauer. Dieser war demnach von einem Analysten des Spezialoperationskommandos verfasst – und, wie sich herausstellte, mithilfe von KI erstellt worden.
CNN ist eines von drei Medienhäusern, deren Vertreter am Freitag von US-Präsident Trump aus dem Weißen Haus verbannt wurden.
Demnach war das Material, das das Schiff transportierte, von einem Chatbot unzutreffend identifiziert worden. Welche Ladung das Schiff in Wirklichkeit hatte, blieb demnach unklar. Der Bericht war „vollständig falsch“, zitiert der Sender eine seiner Quellen.
In allen Armeen der Welt wird KI in immer mehr Bereichen eingesetzt: Wie in der zivilen Wirtschaft auch kommt sie in der Verwaltung zum Einsatz, riesige Datenmengen werden mit KI analysiert und beim US-Militär wird die KI-Software vom Unternehmen Palantir zum Standard bei der Zielerfassung.
Und in dem konkreten Vorfall liegt genau hier das Problem: Der Analyst befragte demnach einen Chatbot zu nachrichtendienstlichen Informationen über die Ladungsliste des Schiffes, die vom US Special Operations Command Pacific mit Sitz auf Hawaii stammten. Es war nicht klar, ob es sich bei dem Chatbot um einen kommerziell verfügbaren oder um ein Produkt der US-Regierung handelte.
US-Militär nutzt KI mehr und mehr zur Zielerfassung
Der Bot fügte offenbar Informationen aus offenen Regierungsquellen zusammen und gelangte zu seiner folgenschweren Schlussfolgerung. Danach nutzte er dem Bericht zufolge KI erneut, um aus den Ergebnissen einen standardmäßigen Geheimdienstbericht zu machen, der im Militär als Grundlage von Entscheidungen gilt.
„KI bei der Zielbestimmung nimmt definitiv an Fahrt auf, und es gibt keine wirkliche Anleitung dazu, wie ein Mensch in der Entscheidungsschleife zivile Opfer oder Eigenbeschuss verhindern soll“, sagte eine weitere mit den derzeitigen Richtlinien des Militärs vertraute Quelle.
Und ein ehemaliger hochrangiger US-Beamter, der mit den von Militär- und Geheimdienstanalysten verwendeten KI-Systemen vertraut ist, sagte dem Sender: „Die internen Werkzeuge sind größtenteils nur Kopien des kommerziellen Zeugs, die Lippenstift tragen.“
Das US Special Operations Command Pacific und das Pentagon reagierten CNN zufolge nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.
Der Sender verweist darauf, dass die Begründung der US‑Administration für die rasche Einführung von KI laute, dass sie dem Militär helfen kann, Entscheidungen auf dem Schlachtfeld schneller zu treffen. Die USA könnten es sich nicht leisten, bei der Integration von KI zurückzufallen, für den Fall, dass sie eines Tages gegen China oder einen anderen Gegner kämpfen müssten, der potenziell in der Lage wäre, den USA stets einen Schritt voraus zu sein.
Im Januar veröffentlichte Verteidigungsminister Pete Hegseth, der gerne „Kriegsminister“ genannt wird, die „Strategie zur Beschleunigung künstlicher Intelligenz“ seiner Behörde, um den Einsatz von KI durch das Militär voranzutreiben.
„Wir werden Experimente freisetzen, bürokratische Hürden beseitigen, unsere Investitionen konzentrieren und den für unsere Führungsrolle bei militärischer KI notwendigen Umsetzungsansatz demonstrieren“, sagte Verteidigungsminister Pete Hegseth, der gerne „Kriegsminister“ genannt wird, im Januar bei der Vorstellung einer neuen KI-Strategie.
Nach Ansicht einiger älterer Geheimdienstbeamter – selbst für diejenigen, die den Einsatz von KI innerhalb des Militärs grundsätzlich unterstützen – hat KI den Druck auf Analysten erhöht, Informationen schneller zu erstellen und zu verbreiten, wodurch sich die Tür für Fehler öffne, schreibt CNN weiter.
Besonders junge Analysten, sagten demnach mehrere Quellen, seien mit diesen Werkzeugen aufgewachsen und vertrauten ihnen eher unkritisch. „KI ermöglicht es einem, schneller zu einer schlechten Idee zu gelangen“, sagte eine der Quellen.