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Hatten Eiszeitmenschen es vor allem auf weibliche Mammuts abgesehen?

Wissenschaft

Stand: 31.07.2026 11:51 Uhr Wollhaarmammuts waren für die Menschen der Eiszeit eine Lebensgrundlage: Fleisch, Fett, Häute, Knochen für Hütten und Elfenbein für Werkzeug und Schmuck. Wie die Menschen an die Tiere kamen, ist bis heute unklar. Eine Genanalyse von 521 Mammuts zeigt jetzt ein auffälliges Muster – an den Lagerplätzen dominieren die Kühe. Ob die Jäger sie gezeilt aussuchten oder einfach nur häufiger antrafen, ist damit aber nicht bewiesen. von MDR WISSEN / RR An manchen Orten Eurasiens liegen die Knochen von Dutzenden Mammuts dicht beieinander, im mährischen Předmostí sogar von mehr als tausend Tieren. Ob Menschen diese Knochenberge angelegt haben oder die Natur sie zusammentrug – in Erdfällen, bei Hangrutschen, in Flussschlingen –, ist seit Jahrzehnten umstritten. Eine internationale Forschungsgruppe hat die Frage nun mit einem ungewöhnlichen Zugang beantwortet: Sie hat das Geschlecht von 521 Wollhaarmammuts genetisch bestimmt, 448 davon erstmals. Möglich wird das durch die Geschlechtschromosomen. Weibliche Mammuts trugen zwei X-Chromosomen, männliche ein X und ein Y – wie beim Menschen. Aus dem Verhältnis der Erbgutbruchstücke, die auf diese Chromosomen fallen, lässt sich das Geschlecht ableiten. Schon 4.000 auswertbare Bruchstücke genügen. Ein Gegensatz, der kein Zufall sein kann Untersucht wurden zwei Gruppen: 100 Tiere von elf Fundplätzen mit Spuren menschlicher Anwesenheit, darunter Kraków Spadzista in Polen, Langmannersdorf in Niederösterreich und Dolní Věstonice in Mähren, etwa 30.000 bis 20.000 Jahre alt. Dazu 421 Einzelfunde ohne Bezug zu Lagerplätzen. Das Ergebnis fällt deutlich aus. Bei den Einzelfunden sind zwei Drittel männlich, 280 Bullen gegenüber 140 Kühen. An den Fundplätzen der Menschen ist es umgekehrt: 70 der 100 Tiere sind weiblich. Ein solcher Unterschied entsteht nur mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa eins zu 30 Milliarden zufällig – und jeder Fundort mit mehr als fünf untersuchten Tieren zeigt dasselbe Bild. Der Schlüssel liegt beim Männerüberschuss in der freien Natur. Mammuts lebten wahrscheinlich wie heutige Elefanten: Kühe blieben mit ihren Kälbern in Herden, Bullen zogen ab etwa 13 Jahren einzeln umher. Einzelgänger gehen mehr Risiken ein, und wer allein in eine Erdspalte stürzt, dessen Knochen bleiben gut erhalten liegen. Wären die großen Anhäufungen ebenfalls natürliche Todesfallen, müssten dort noch mehr Bullen liegen. Wären sie zusammengeschwemmt, wäre das Verhältnis ausgeglichen. Der Kuhüberschuss passt in keines der beiden Bilder. "Ob diese massiven Mammut-Knochenanhäufungen natürlich oder durch menschliche Jagd entstanden sind, wird seit Jahrzehnten diskutiert", sagt David Díez del Molino vom Centre for Palaeogenetics in Stockholm. Andere Befunde stützen die Deutung, dass hier der Mensch die Verantwortung trägt: In Kraków Spadzista und Mus-Khaya sitzen Geschossspitzen in Mammutknochen, es gibt Schnittspuren, Schlagmarken und Steinwerkzeuge. Bissspuren von Raubtieren fehlen dagegen fast völlig – die Menschen kontrollierten offenbar, wer an die Kadaver kam. Ausgesucht oder einfach häufiger getroffen? Dass die Kühe überwiegen, heißt aber nicht zwangsläufig, dass die Jäger sie sich aussuchten. Die naheliegende Erklärung – Kühe waren kleiner, also leichter zu erlegen – hält Erstautorin Hannah Moots für zu einfach. "Wenn sich Mammuts wie heutige Elefanten verhielten, hätten Weibchen in matriarchalischen Herden über eine Gruppenverteidigung verfügt, die Begegnungen mit Herden genauso riskant oder sogar riskanter gemacht hätten." Moots nennt eine ganz andere Möglichkeit: "Eine weitere Erklärung ist, dass sich von Weibchen geführte Herden auf berechenbareren Wegen durch die Landschaft bewegten als Einzelgänger, sodass Jäger und Sammler ihnen einfach häufiger begegneten – ob zum Jagen oder zum Erbeuten von Kadavern." Herden folgen verlässlichen Routen zu Wasser und Weide, ein einzelner Bulle nicht. Das Argument gilt auch dann, wenn die Menschen gar nicht jagten, sondern nur verendete Tiere ausschlachteten. Gesichert ist damit: Die Mammutnutzung war strukturiert und wiederkehrend – nicht, welches Motiv dahinterstand. Ein ungewöhnlicher Zusatzfund Nebenbei stießen die Forscher auf etwas, das mit der eigentlichen Fragestellung nichts zu tun hat. Ein Tier von der Wrangel-Insel (im Nordpolarmeer vor der Nordostküste Sibiriens) ließ sich weder als weiblich noch als männlich einordnen. Die Analyse ergab, dass etwa die Hälfte seiner Zellen nur ein X-Chromosom trug, die andere Hälfte zwei. Beim Menschen ist eine solche Konstellation als Ullrich-Turner-Syndrom bekannt. Bei einer ausgestorbenen Tierart wurde sie noch nie dokumentiert. Weil nur ein Knochenfragment vorliegt, lässt sich nicht sagen, ob das Tier körperliche Auffälligkeiten hatte. "Diese Forschung zeigt, welche Möglichkeiten Studien mit alter DNA bieten, um langjährige archäologische Fragen zu beantworten", sagt Love Dalén, Professor für Evolutionsgenomik an der Universität Stockholm. "Durch größere Stichproben kann alte DNA über die Evolutionsgeschichte hinausgehen und uns etwas über tierisches Verhalten und menschliche Kultur vor Jahrzehntausenden lehren."

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