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Häufiges Virus könnte Heilung erschweren

Gesundheit

Soester Anzeiger

Deutschland & Welt

Millionen Menschen tragen dieses Virus in sich – nach einem Herzinfarkt könnte es gefährlich werden

Von: Carmen Mörwald

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Viele Menschen tragen das Virus unbemerkt in sich. Eine Herzinfarkt-Studie aus Würzburg liefert Hinweise, warum es für die Erholung eine Rolle spielen könnte.

Würzburg – Ein Herzinfarkt ist für den Körper eine enorme Belastung. Selbst wenn Betroffene den akuten Notfall überleben, ist die Gefahr danach längst nicht gebannt. Denn anschließend beginnt ein komplexer Heilungsprozess, bei dem das menschliche Immunsystem eine entscheidende Rolle spielt. Wie gut sich das Herz erholt, könnte dabei auch von einer Infektion abhängen, die möglicherweise schon mehrere Jahrzehnte zurückliegt. Darauf deutet zumindest eine neue Studie hin.

Die Untersuchung wurde von Forschenden des Universitätsklinikums Würzburg und der Universität Rijeka in Kroatien im September 2026 im Fachjournal Circulation Research veröffentlicht. Darin berichten sie, dass das weit verbreitete Zytomegalievirus (CMV) die Immunreaktion nach einem Herzinfarkt beeinflussen könnte. Im Tierversuch verschlechterte eine frühere Infektion die Erholung der Herzfunktion. Auch bei Menschen wurden Hinweise auf einen solchen Zusammenhang gefunden.

Zytomegalievirus: Warum eine alte Infektion das Herz beeinflussen könnte

Laut dem Universitätsklinikum Würzburg gehört das Zytomegalievirus zur Familie der Herpesviren, zu der auch die Viren gehören, die Lippenherpes, Windpocken oder das Pfeiffersche Drüsenfieber verursachen. Wie andere Vertreter dieser Virusfamilie verbleibt es nach einer Infektion dauerhaft im Körper. Dort kann es über lange Zeit in einem inaktiven Zustand überdauern. Fachleute sprechen von einer latenten Infektion – viele Betroffene bemerken davon nichts. Nach Angaben einer medizinischen Leitlinie aus dem Jahr 2025 sind schätzungsweise 40 bis 50 Prozent der Erwachsenen in Deutschland mit CMV infiziert.

Bei Menschen mit gesundem Immunsystem verläuft die Erstinfektion meist ohne oder mit milden Beschwerden. Doch auch wenn das Virus keine Symptome verursacht, kann es das Immunsystem langfristig beeinflussen. Genau diesen Effekt untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der neuen Studie. Ihre Vermutung: Eine frühere CMV-Infektion könnte die Entzündungsreaktion des Körpers so verändern, dass sich geschädigtes Herzgewebe nach einem Infarkt schlechter erholt.

Studie zeigt: Infizierte Mäuse erholen sich schlechter vom Herzinfarkt

Für ihre Untersuchung verwendeten die Forschenden Mäuse als Versuchstiere, die zuvor mit dem bei Nagetieren vorkommenden Zytomegalievirus infiziert worden waren. Bereits vor einem Herzinfarkt fanden sich in deren Herzen Veränderungen bestimmter Immunzellpopulationen und Hinweise auf eine unterschwellige Entzündungsaktivität. Solange die Tiere keinen Infarkt erlitten, führte dies nicht zu einer erkennbaren Schädigung des Herzens. Nach einem Herzinfarkt zeigten die infizierten Mäuse jedoch eine stärkere Entzündungsreaktion als nicht infizierte Tiere. Zudem erholte sich ihre Herzfunktion schlechter.

Die Ergebnisse könnten erklären, wieso das Immunsystem nach einem Herzinfarkt nicht immer optimal zur Heilung beiträgt. Einerseits müssen Entzündungszellen geschädigtes Gewebe beseitigen. Andererseits muss die Entzündung rechtzeitig zurückgehen, damit sich eine stabile Narbe bilden kann. Eine übermäßige Entzündungsreaktion kann diesen Prozess beeinträchtigen.

Auch bei Herzinfarktpatienten finden Forscher einen Zusammenhang

Ob diese Ergebnisse auf Menschen übertragbar sind, untersuchte die Forschungsgruppe anhand bereits vorhandener Patientendaten. Dafür wertete sie zwei Patientengruppen aus Würzburg und Newcastle rückblickend aus. Dabei fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen der Immunantwort auf CMV und dem Verlauf nach einem Herzinfarkt. Insbesondere bestimmte, auf das Virus reagierende Immunzellen und Antikörper standen im Fokus der Untersuchung.

Für einen Beweis reicht das allerdings noch nicht. „Diese Ergebnisse zeigen zunächst eine Assoziation“, erklärt Professor Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Universitätsklinikum Würzburg. Weitere klinische Studien müssten klären, ob eine stärkere Immunantwort auf CMV tatsächlich mit einer schlechteren Erholung des Herzens einhergeht.

Auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Würzburg mahnen gegenüber unserer Redaktion zur Vorsicht. „Unsere Studien wurden überwiegend im Mausmodell durchgeführt, wobei die klinischen Befunde explorativ sind und dementsprechend einer Bestätigung in größeren klinischen Studien bedürfen“, erklären Studienautorin Eleni Dapergola und die Studienautoren Georg Gasteiger und Gustavo Campos Ramos auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.

Zwar gebe es eine wachsende wissenschaftliche Literatur, die einen Zusammenhang zwischen CMV-Infektionen und Herz-Kreislauf-Risiken beschreibt. Um die Ergebnisse beim Menschen zu bestätigen, müssten ihren Angaben zufolge jedoch mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Begleiterkrankungen, Medikamente und der allgemeine Immunstatus systematisch berücksichtigt werden.

Was bedeutet die Entdeckung für Menschen nach einem Herzinfarkt?

Noch lässt sich aus den Ergebnissen der Forschenden aus Würzburg und Rijeka keine neue Behandlungsempfehlung ableiten. Die Studienautorinnen und Studienautoren geben auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media ausdrücklich Entwarnung: „Aus unserer Sicht besteht derzeit kein unmittelbarer Anlass für Betroffene, sich allein aufgrund unserer Daten Sorgen über eine CMV-Infektion zu machen oder zusätzliche Untersuchungen zu verlangen.“ Die Studie zeigt weder, dass eine CMV-Infektion zwangsläufig zu einer schlechteren Heilung führt, noch, dass Betroffene nach einem Herzinfarkt grundsätzlich auf das Virus untersucht werden sollten.

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Langfristig könnten die Erkenntnisse aber helfen, besonders gefährdete Herzinfarktpatienten frühzeitig zu identifizieren. Neben dem Nachweis einer zurückliegenden CMV-Infektion könnte dabei auch die Reaktion bestimmter Immunzellen auf das Virus eine Rolle spielen. „Unsere Ergebnisse deuten an, dass nicht nur der CMV-Serostatus, sondern auch virus-spezifische T-Zell Antworten informative Marker sein könnten“, so Dapergola, Gasteiger und Ramos. Gemeint sind biologische Hinweise darauf, welche Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt ein erhöhtes Risiko für ungünstige Verläufe haben könnten.

Sollten größere klinische Studien den Zusammenhang bestätigen, wäre langfristig eine individuellere Nachsorge denkbar. Dazu könnten beispielsweise häufigere Kontrolluntersuchungen oder angepasste Präventionsmaßnahmen für bestimmte Patientengruppen gehören. Bislang handelt es sich dabei jedoch um mögliche Zukunftsperspektiven, nicht um bereits etablierte Verfahren.

Die Forschenden wollen nun genauer verstehen, wie lang zurückliegende Virusinfektionen das Immunsystem verändern und welche Folgen das auf die Reparatur des Herzens hat. Langfristig könnten sich daraus neue Ansätze für die Behandlung nach einem Infarkt ergeben. Bis dahin bleibt die Entdeckung vor allem ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Erholung des Herzens nicht ausschließlich von der Schwere des Infarkts abhängt. Auch die Vorgeschichte des eigenen Immunsystems könnte eine größere Rolle spielen. (Quellen: Circulation Research, Universitätsklinikum Würzburg, medizinische S2k-Leitlinie) (cln)

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