Hausarzt verrät: Diese Gewohnheiten empfiehlt er seinen Patienten - und lebt sie selbst jeden Tag
Kleine Gewohnheiten, große Wirkung: Wie wir unseren Alltag gestalten, kann entscheidend für unsere Gesundheit sein. Doch gerade bei Ärzten hält sich hartnäckig das Klischee, dass sie selbst längst nicht immer so gesund leben, wie sie es ihren Patienten empfehlen. Ganz abwegig ist das nicht: Ein stressiger Berufsalltag, lange Arbeitstage und wenig Zeit für sich selbst machen es auch Medizinern nicht leicht, dauerhaft auf einen gesunden Lebensstil zu achten.
Aber wie sieht das im Alltag tatsächlich aus? Wir haben den Allgemeinmediziner Christoph Nitsche gefragt. Im Video-Interview mit CHIP verrät er, welche gesunden Gewohnheiten er selbst fest in seinen Alltag integriert hat und warum es dabei nicht immer um große Veränderungen gehen muss.
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Diese Routinen befolgt Allgemeinmediziner Christoph Nitsche
Ob Ernährung, Bewegung, Schlaf oder Entspannung: Im Alltag gibt es viele Stellschrauben, an denen sich für die eigene Gesundheit drehen lässt. Doch was davon lässt sich tatsächlich dauerhaft in den Alltag integrieren? Der Allgemeinmediziner Christoph Nitsche gibt Einblicke in seine persönlichen Routinen – vom ersten Kaffee am Morgen bis zum Feierabend.
1. Frühstück: Kaffee statt großer Mahlzeit
„Der Tag beginnt bei mir relativ unspektakulär“, schildert der Allgemeinmediziner. Eine feste Aufstehzeit gehört für ihn dazu: In der Regel steht er um 6:30 Uhr auf. Auf ein klassisches Frühstück verzichtet er allerdings meistens und trinkt stattdessen nur Kaffee.
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Seine erste Mahlzeit gibt es erst später: Nitsche setzt auf Intervallfasten und ein „Spätstück“ gegen 10 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits in seiner Praxis angekommen und hat eine halbe Stunde Radfahren hinter sich. Denn auch der Weg zur Arbeit gehört für ihn fest zur täglichen Routine.
2. Bewegung: Sport einfach in den Alltag integrieren
Warum sich nach einem langen Arbeitstag noch zum Sport aufraffen, wenn sich Bewegung bereits in den Arbeitsweg integrieren lässt? Genau darauf setzt Nitsche. Mit dem Fahrrad zur Arbeit und zurück zu fahren, ist für ihn die unkomplizierteste Form, regelmäßig aktiv zu sein.
„Ich lasse das Auto bewusst zu Hause stehen und fahre dann mit dem Fahrrad“, so Nitsche und weiter: „Das heißt, ich komme morgens zur Arbeit, habe eine halbe Stunde direkt Sport gemacht und mich betätigt.“ Zusätzliche Sporteinheiten sind für den Arzt deshalb eher ein Bonus als eine Pflicht. Entscheidend sei, sich mit dem Thema Bewegung nicht selbst unnötig unter Druck zu setzen. Gedanken wie „ich muss Sport machen, ich muss mich bewegen“ könnten schnell zusätzlichen Stress erzeugen.
„Wenn man das zu dogmatisch macht, dann wird's nichts – zumindest bei mir“, so der Arzt. „Dann überfrachtet man sich, ist am Ende erschöpfter und hat nichts geschafft. Bewegung in den Alltag einzubauen, ist für mich die praktikabelste Lösung und alles andere ist Bonus.“ Auch seinen Patienten empfiehlt Nitsche deshalb, Bewegung möglichst unkompliziert in den Alltag zu integrieren, etwa über feste und einfache Routinen.
3. Entspannung: Auch im stressigen Praxisalltag braucht es Pausen
Stress lässt sich im Berufsalltag nicht immer vermeiden. Gerade ein voller Praxistag kann anstrengend sein. Umso wichtiger sind für Nitsche kleine Auszeiten zwischendurch. Wenn es der Arbeitsalltag zulässt, nutzt er dafür auch seine Mittagspause. „Ich habe eine Yogamatte im Schrank, die ich dann manchmal mittags herausnehme und dann zwanzig Minuten Yoga-Einheiten oder eine kurze Meditation mache.“
Bei schönem Wetter hilft ihm alternativ ein zügiger Spaziergang, um den Kopf freizubekommen. Am Wochenende darf es dann auch etwas sportlicher werden: Nitsche geht unter anderem laufen oder spielt Tennis. Bewegung unterstützt ihn dabei, sowohl körperlich als auch mental abzuschalten. Doch Entspannung muss nicht zwangsläufig sportlich sein. Auch ein Kinobesuch oder ein Abendessen mit Freunden können dabei helfen, Abstand vom Alltag zu gewinnen.
Entscheidend sei vor allem, sich die Freizeit nicht ebenfalls komplett zu verplanen. „Wenn man zu viel plant, direkt den Tag komplett verplant, artet das in Stress aus.“
4. Mittag- und Abendessen: Bewusst essen, auch wenn die Zeit knapp ist
Mittags muss es in der Praxis meist unkompliziert gehen. Da ihm dort eine Kochgelegenheit fehlt, stehen bei Nitsche häufig Brot oder Salat auf dem Speiseplan. Manchmal gibt es auch Reste vom Vortag. Trotz des stressigen Praxisalltags versucht der Arzt, sich bewusst Zeit für seine Mahlzeit zu nehmen. In der Realität gelingt das allerdings nicht immer. „Es ist nicht immer ganz einfach, weil einfach so viel auch noch zu tun ist, wenn die Patienten durch die Tür raus sind. Papierkram, der erledigt werden muss, und da ist so 'ne Mittagspause auch ganz schnell vorbei“, so Nitsche.
An besonders hektischen Tagen nimmt er sein Mittagessen deshalb auch schon einmal am Schreibtisch ein. „Aber ich versuche das wirklich zu vermeiden und mein Mittagessen bewusst zu mir zu nehmen, ohne parallel an Arbeit zu denken.“ Abends wird dann gemeinsam mit der Familie gekocht. Dabei achtet die Familie darauf, möglichst unverarbeitete Lebensmittel auf den Teller zu bringen.
5. Schlaf: Den eigenen Rhythmus kennen
Auch beim Schlaf spielt die persönliche Routine eine wichtige Rolle. Wie eine gute Schlafroutine aussieht, hängt laut Nitsche unter anderem vom individuellen Chronotyp ab. Während manche Menschen früh müde werden und morgens schnell in den Tag starten, sind andere abends länger leistungsfähig.
Nitsche zählt sich eher zur zweiten Gruppe. Diese Chronotypen werden auch als Eulen bezeichnet und sind typischerweise abends produktiver. Weil der Praxisalltag trotzdem einen frühen Start verlangt, versucht der Allgemeinmediziner, seinen natürlichen Rhythmus entsprechend anzupassen. Sein Ziel: Gegen 23 Uhr geht es für ihn ins Bett, damit am nächsten Morgen genügend Energie für den Praxisalltag bleibt.
3 gesunden Gewohnheiten, die Hausarzt seinen Patienten empfiehlt
Gesunde Gewohnheiten entstehen nicht von heute auf morgen. Entscheidend ist, dass sie sich dauerhaft in den Alltag integrieren lassen. Welche drei Routinen Christoph Nitsche für besonders wichtig hält und seinen Patienten ans Herz legt, verrät er im Video. Außerdem erklärt der Allgemeinmediziner, welche Vorsorgeuntersuchungen man machen lassen sollte.
Sein Fazit: Am Ende braucht es für gesunde Routinen weder einen perfekt durchgetakteten Alltag noch radikale Veränderungen. Oft sind es die kleinen Gewohnheiten, die sich langfristig am stärksten auf die Gesundheit auswirken.