Häusliche Pflege: Sorge um Verhinderungspflege ab 2027
Otto Schmitz (Name von der Redaktion geändert) gehört zu den Menschen, denen das Schicksal übel mitgespielt hat. Der 51-Jährige, der in Hückelhoven lebt, hat jahrelang als gelernter Koch in der Schweiz gearbeitet, als er einen Burn-out erlitt und zusätzlich in der Coronapandemie schwer an Corona erkrankte – mit Folgen, die jetzt noch anhalten. Ob er jemals wieder regulär arbeiten kann, ist mehr als fraglich. Wegen seiner Erkrankungen, die sich auch in Depressionen und Panikattacken niederschlagen, ist ihm Pflegegrad 3 zugebilligt worden. Die finanziellen Mittel, die er deswegen erhält, reichen gerade einmal dazu aus, ein einfaches Leben zu fristen, aber nur, weil ihm häuslich pflegerische Unterstützung zuteilwird.
Schmitz hat Zweifel daran, dass diese Pflegeleistungen auch im nächsten Jahr noch möglich und finanzierbar sind. „Ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll“, meint er mit Blick auf mögliche Entscheidungen im Gesundheitswesen. Man höre die Politik in Sonntagsreden ständig davon schwärmen, wie wichtig die häusliche Pflege sei. „Die hässliche Realität des neuen Gesetzesentwurfs für 2027 sieht anders aus“, moniert er: „Es ist ein eiskaltes Sparprogramm auf dem Rücken der Schwächsten.“ Zu dieser Gruppe zählt sich Schmitz. „Ich habe Pflegegrad 3 und werde privat gepflegt“, berichtet er. Noch kann Schmitz Zeiten, in denen die ambulante Pflegekraft anderweitig beschäftigt ist, überbrücken: mit der stundenweisen Verhinderungspflege, die dann einspringt. „Sie fängt die Schichten ab, sie sichert mein Überleben zu Hause.“ Finanzieren kann Schmitz die Verhinderungspflege aus Mitteln, die ihm deswegen von der Pflegekasse zur Verfügung gestellt werden. „Dass dieser überlebenswichtige Jahrestopf ab 2027 gestrichen werden soll, ist an Brutalität kaum noch zu überbieten“, beklagt der Mann. „Künftig soll ich jede Stunde, die meine Verhinderungspflege für mich aufwendet, vom ohnehin mageren Pflegegeld abstottern.“ Es bliebe ihm nichts mehr, wenn auch noch sein Pflegegeld an die Stelle der Mittel aus der Verhinderungspflege treten müsse. Was die Politik anstrebe, sei kein „Entlastungsbudget, das ist eine Zwangsverwaltung der Armut im Alter.“ Wenn die Politik diesen „Irrsinn“ im Herbst im Parlament durchwinke, „wird die häusliche Pflege endgültig platt gemacht“. Dann würden die zu Pflegenden „eben alle in einem ohnehin kollabierenden Heimsystem landen“. Ob dieses System auf Dauer für den Staat günstiger werde, bezweifelt Schmitz. „Die Politik muss diesen Kahlschlag stoppen, bevor das System vor unserer Haustür explodiert“, fordert er, der sich dafür einsetzt, dass die Mittel für die Verhinderungspflege uneingeschränkt erhalten bleiben. Es werde von der Politik nicht der Einzelfall betrachtet, sondern es werde generalisiert. „Der soziale Aspekt fehlt einfach.“