Hautprotein dämpft Immunreaktion in der Oberhaut
Das für die Stabilität der Hautbarriere bekannte Protein Plakophilin 1 (PKP1) reguliert nach einer Studie der Universitätsmedizin Halle zusätzlich die angeborene Abwehr in Keratinozyten. Es bremst die Entzündungsreaktion, solange kein Gefahrensignal vorliegt, und gibt sie frei, wenn die Zelle etwa virustypische doppelsträngige Ribonukleinsäure (RNA) erkennt. Die Ergebnisse sind am 19. August 2026 in Cellular and Molecular Immunology erschienen (DOI: 10.1038/s41423-026-01462-3). Erstautor ist René Keil vom Institut für Molekulare Medizin, Mitautoren sind unter anderem Stefan Hüttelmaier und Mechthild Hatzfeld.
Plakophilin 1 verknüpft Hautzellen und sichert die Barriere. Genetische Störungen des Proteins führen zu brüchiger Haut. Zugleich neigen Betroffene zu Entzündungen. Die mechanische Verletzlichkeit galt als erklärt, der entzündliche Anteil nicht. Deshalb verglichen die Forschenden Keratinozyten, also die Zellen der obersten Hautschicht, mit intaktem und ausgeschaltetem Plakophilin-1-Gen. Beide Kulturen wurden mit ultravioletter Strahlung und einem Stoff gereizt, der eine Virusinfektion nachahmt. Zellen ohne das Protein reagierten deutlich stärker entzündlich. Wurde Plakophilin 1 in den abgeschalteten Zellen wiederhergestellt, ließ die Überreaktion nach.
Demnach bindet Plakophilin 1 bestimmte Ribonukleinsäure-Helikasen (RNA-Helikasen) der Familie DExD/H, die an der Aktivierung der Immunantwort beteiligt sind. Solange die Zelle keine Gefahr erkennt, hält das Protein diese Enzyme zurück. Bei doppelsträngiger Ribonukleinsäure wird Plakophilin 1 abgebaut, die Helikasen werden frei und können die Abwehr in Gang setzen. Eine zeitlich begrenzte Entzündung kann Erreger bekämpfen und Heilung einleiten. Bleibt die Abwehr dauerhaft auf Alarm, kann gesundes Gewebe Schaden nehmen. Die Autoren sehen darin eine mögliche Erklärung dafür, dass ein Mangel an Plakophilin 1 nicht nur fragile Haut, sondern auch chronische Entzündungen begünstigt.
Die Versuche fanden in der Zellkultur statt und belegen keinen fertigen Behandlungsansatz für entzündliche Hauterkrankungen. Ob derselbe Mechanismus in erkrankter Patienten haut gilt, wollen die Forschenden weiter prüfen. Diagnose und Therapie ändern sich durch die Studie nicht.
Original Paper:
Keil R, Misiak D, Hüttelmaier S, Tellkamp F, Krüger M, Hatzfeld M. Plakophilin 1 suppresses keratinocyte innate immune responses through DExD/H helicases. Cell Mol Immunol. 2026 Aug 19. https://doi.org/10.1038/s41423-026-01462-3
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.