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Heizöl kaufen oder abwarten aktuell? Das sagen Experten

Nation

6:45 Uhr, Nedzad Ferizovic geht noch einmal um den Tankwagen und prüft, ob er abfahrbereit ist. Dann geht es los. Seit 16 Jahren ist er als Fahrer für das Duisburger Öl-Unternehmen Yalcin und Tiebes unterwegs. Im ganzen Ruhrgebiet. Nur: Im Moment ist wenig zu tun.

Hohe Heizölpreise und kaum Bestellungen

"Im Sommer ist oft nicht viel los", sagt Ferizovic, "aber diesmal ist das extrem!" Traditionell gibt es eigentlich immer Kunden, die extra im Sommer bestellen. Weil Heizöl da früher mal als billiger galt und um mit kurzer Lieferzeit für den Winter vorzusorgen. Doch bei den historisch hohen Preisen gerade kauft kaum einer freiwillig.

Heizölkunden zögern beim Bestellen

Direkt der erste Kunde, Peter-Helmuth Bonnet, erzählt, dass er gerade nur bestellt, weil es nicht mehr anders ging. Sonst hätte er bald kein warmes Wasser mehr im Haus. Lange hat er gehadert, ob er seinen Öl-Tank ganz füllen oder erstmal nur wenig bestellen soll.

So geht es vielen Kunden. Deshalb hat Marc Tiebes, einer der Chefs von Ferizovic, gerade große Probleme, effektive Touren zu planen.

Heizöl-Unternehmer Marc Tiebes

Bildquelle: WDR/Felix Mannheim

Was kostet zur Zeit Heizöl?

Viele Kunden warten gerade auf sinkende Preise. Denn aktuell müssen sie ungefähr 50 Prozent mehr für Heizöl bezahlen als im September der beiden Vorjahre, sagt Oliver Klapschus vom Vergleichsportal Heizöl24: "Es ist eine sehr außergewöhnliche Situation gerade." Die aktuellen Heizölpreise seien historisch gesehen sehr hoch, betont auch Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur vom Ratgeber-Portal Finanztip, im WDR.

Technik im Tankwagen

Bildquelle: WDR/Felix Mannheim

Hauptgrund für die hohen Preise ist der Iran-Krieg: Zwar wird das NRW-Heizöl überwiegend in heimischen Raffinerien wie in Köln oder Gelsenkirchen hergestellt. Doch aktuell sind Lieferwege für Vorprodukte gestört. Das lässt die Preise für Rohöl und Gasöl an den Börsen steigen.

Wird Heizöl bald noch teurer durch den Iran-Krieg?

Wann es wieder billiger wird, ist unklar. Heizölfachmann Georg Eble vom Energie-Informationsdienst vermutet, dass es eher noch teurer wird: "Einfach weil diese Blockade an der Straße von Hormus nicht gelöst ist."

Leere Öltanks und drohende Heizöl-Bestellwelle

Dazu kommt: Spätestens wenn es kalt wird, müssen viele Hausbesitzer ihre leeren Öltanks auffüllen. "Wir haben eine unheimlich große Bestellwelle vor uns. Die Tanks sind leer wie nie", sagt der Heizöl24-Experte Klapschus. Das könnte die Heizölpreise weiter nach oben treiben.

Zusätzlich sind die Zahl der Tankwagen und der Fahrer begrenzt. "Wenn alle auf einmal kommen, wird es schwierig", glaubt Klapschus. Kunden müssten sich dann auf Wartezeiten einstellen.

Tipp: Heizöltank nur halb füllen

Klapschus und Eble raten genau zu der Strategie, die bei Yalcin und Tiebes für kleinere Bestellmengen sorgt: "Ich würde den Tank jetzt halb voll machen. Dann habe ich zwar einen hohen Preis bezahlt, komme aber vor die Bestellwelle", sagt Klapschus. "Und wenn der Preis sinkt, kann ich zu einem späteren Zeitpunkt günstiger nachtanken." Etwa gegen Weihnachten oder Anfang des Jahres, statt zur "Rush-Hour" im Herbst. Und bleibt es teuer, sei man immerhin erstmal versorgt.

Finanztip: Auf Portalen wie "Heizöl24" und "Esyoil" vergleichen

Finanztip Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen hat noch zwei weitere Tipps: Preise vergleichen und beim Termin flexibel bleiben. Bei Finanztip rate man für den Preisvergleich zu den Portalen "Esyoil" und "Heizöl24. "Das zeigt dann an, welche zehn Heizölhändler in deiner Umgebung besonders preiswert sind", erklärt Tenhagen. Die Unterschiede machten dann schon mal 10 oder 15 Cent pro Liter aus - bei 3.000 Litern ließen sich so bis zu 450 Euro sparen.

Lohnen könne sich außerdem, nicht auf einem bestimmten Termin zu bestehen. Auf Vergleichsportalen seien die Angebote am günstigsten, bei denen der Händler selbst entscheide, ob er in einer Woche, in drei oder in fünf Wochen komme, so der Finanztip-Experte. Der Tank sollte in so einem Fall natürlich noch nicht ganz leer sein.

Im Winter "viele Überstunden" für Öl-Fahrer

Öl-Fahrer Nedzad Ferizovic fürchtet, dass die "Rush-Hour" diesen Herbst besonders anstrengend wird. "Wir haben ja im Winter eh viel zu tun", sagt er - aber wenn es kalt wird und viele Tanks gleichzeitig leer sind: "Dann wird es lustig, dann machen wir viele Überstunden."

Unsere Quellen:

Vor-Ort-Recherche bei Firma Yalcin & Tiebes

Interview mit Oliver Klapschus, Vergleichsportal Heizöl24

Interview mit Georg Eble, Energie-Informationsdienst EID

Interview mit Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip

Verbraucherzentrale NRW: Warnung vor Heizöl-Fakeshops

Internetseite von Heizöl24

Sendung: WDR.de, Hoher Ölpreis: Wann sollte man Heizöl bestellen?, 08.09.2026, 5:10 Uhr

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