Heizöl so teuer wie lange nicht
Ein schwerer Tankwagen steuert durch die engen Gassen des Ortskerns im Karlsruher Stadtteil Grötzingen. Was kurz darauf in die Öltanks in einem Gewölbekeller läuft, hat in diesen Tagen Seltenheitswert: eine Bestellmenge von 3.000 Litern Heizöl, der stolze Preis: 5.250 Euro.
Langes Abwarten und geringe Bestellmengen
Die Heizölpreise sind im September noch einmal regelrecht explodiert. „Die Kunden kaufen nur noch das Nötigste, um durch den Winter zu kommen“, berichtet Frank Maier von der ZG Raiffeisen Energie. „Wer vorher 3.000 Liter bestellt hat, kauft jetzt nur 1.000 bis 1.500 Liter im Durchschnitt, in der Hoffnung, dass es reicht.“
Bei anderen Händlern in der Region sind die Erfahrungen ähnlich. Bei einem Preis, der mit 1,71 Euro bis 1,84 Euro aktuell etwa doppelt so hoch wie vor Jahresfrist ist, warten viele ab, solange es geht.
Das ist reine Spekulation.
Ein Heizölkunde aus Grötzingen
Der Kunde in Grötzingen hat für 1,75 Euro bestellt. „Die Preise sind reine Spekulation“, meint der 85-Jährige, der seinen Namen nicht öffentlich nennen will. „Da kann man auch würfeln, wann man bestellen soll.“ Die rund 5.000 Euro für die Tankfüllung belasten ihn nach einer langwierigen Operation wohl weniger als gesundheitliche Themen. Er könne zum Glück auf Dividendengewinne zurückgreifen, sagt der Rentner.
Es ist zu teuer, die Leute können das nicht mehr bezahlen.
Manfred Maurath
Maurath Brennstoffe
Der Grötzinger ist eine Ausnahme: 3.000 Liter kaufe aktuell keiner mehr, lautet die Erfahrung bei Maurath Brennstoffe in Bühl. Die Lage sei katastrophal, sagt Manfred Maurath. „Es ist zu teuer, die Leute können das nicht mehr bezahlen. Uns macht das so auch keinen Spaß mehr. Wir verkaufen aktuell ein Drittel der sonst üblichen Mengen.“
„Die Kunden sind sehr, sehr zurückhaltend“, berichtet auch Peter Stahl vom Mineralölvertrieb Mast + Oehlert in Pforzheim. Gekauft werde nur, wenn es dringend nötig sei. „Das ist aber auch das, was wir raten“, so Stahl. „Teuer kaufen geht immer.“
Annäherung ans Allzeit-Hoch
Die Kaufzurückhaltung hatte den Händlern im Sommer eine Flaute beschert. Selbst bei 1,20 oder 1,30 Euro warteten die Kunden noch ab. Jetzt aber wird es draußen kälter, der Irankrieg geht weiter – und der Heizölpreis springt kurz vor Herbstbeginn noch einmal hoch.
Die Preise werden in diesem Jahr nicht mehr sinken.
Frank Maier
ZG Raiffeisen Energie
„Das war ein richtiger Schock, und das wird auch so bleiben meiner Meinung nach“, meint Maier. „Die Preise werden in diesem Jahr nicht mehr sinken.“ Eine Prognose, die Maurath in Bühl teilt.
Geopolitik und innerdeutsche Probleme
Aus Maiers Sicht gibt es neben der Geopolitik eine weitere Schwierigkeit: Er sieht „das innerdeutsche Problem, dass die deutschen Raffinerien nicht die Kapazität haben, so viel mehr zu produzieren, wie jetzt gebraucht wird“.
Hinzu kämen Schwierigkeiten durch das Niedrigwasser im Rhein. „Die Transportwege sind auch ein Problem, aber dadurch, dass das Geschäft acht Monate nicht lief und jetzt plötzlich anspringt, haben die Raffinerien nicht so viel Kapazität, um das, was jetzt gebraucht wird, zu produzieren“, so Maier. Er prophezeit: „Das wird ein großes Problem werden.“
Eine Besserung der Lage ist für ihn nicht in Sichtweite. „Das wird eher noch schlimmer, glaube ich“, so Maier. „Selbst wenn die Straße vom Hormus aufgehen sollte – so schnell kommt das Öl ja gar nicht hier an. Der Transport benötigt einige Wochen. Hier wird dann jeder Heizölhändler ausgelastet sein mit den vielen Aufträgen. Wenn es kühler wird, gibt es noch mal einen großen Nachfrage-Schwung.“
Kaum Besserung in Sicht
Was sollte man jetzt tun? „Wir raten eigentlich schon seit acht Monaten, zunächst nur die Hälfte zu tanken, sodass man vielleicht ins Frühjahr kommt. Und dann im Frühjahr, je nachdem wie die Preise sind, noch mal zu tanken. Das galt vor acht Monaten genauso wie jetzt auch.“ Mit einem Unterschied, so Maier: „dass jetzt die Lieferzeiten steigen und das Kapazitätsproblem der Raffinerien dazukommt. Auch die Logistik der Heizölhändler wird jetzt irgendwann ausgelastet sein.“
„Wir würden uns auch einen Tankrabatt wünschen“, ergänzt Manfred Maurath. „Eine reduzierte Mehrwertsteuer von sieben Prozent wie bei den Pellets wäre wünschenswert.“ Der Verband der mittelständischen Energiehändler Uniti formuliert es auf Anfrage dieser Redaktion so: „Sollte die Bundesregierung die staatlich bedingten Preisbestandteile beim Heizöl senken, um Unternehmen und Verbraucher angesichts der aktuell hohen Preise zu entlasten, begrüßen wir einen solchen Schritt im Sinne unserer Kunden.“
Wir sind jetzt viel öfter unterwegs, um eine Notversorgung zu machen, da zu lange gewartet wird.
Frank Maier
ZG Raiffeisen Energie
Doch politisch passiert wenig – geschäftlich auch. Die Folgen spüren sie alle: „Wir sind jetzt viel öfter unterwegs, um eine Notversorgung zu machen, da zu lange gewartet wird“, sagt Maier. „Aktuell können wir noch am gleichen Tag ausliefern, wenn ein Kunde tatsächlich kein Heizöl mehr hat und die Heizung aus diesem Grund nicht mehr läuft. Aber die Lieferzeiten steigen, seit es kühler geworden ist, weil jetzt viele bestellen, die noch abgewartet haben.“
Probleme durch leeren Tank vermeiden
Ein Problem, wenn der Tank wirklich leerläuft: „Die Gefahr ist, dass dann Schmutz vom Boden des Tanks angesaugt wird“, sagt Mirko Lud von der ZG Raiffeisen beim Gespräch mit dem Kunden in Grötzingen. Weitere Reparaturkosten könnten die Folge sein.
Eigentlich ist daher je nach Material alle fünf bis zehn Jahre eine Tankreinigung empfehlenswert. „Ich habe das in 40 Jahren nicht gebraucht“, entgegnet der Rentner. „Aber mein Tank wird auch nie ganz leer.“