Heizöl wird teurer: Mit dem Tankwagenfahrer in der Eifel auf Tour
In Bleialf in der Westeifel hält der Tankwagen von Dieter Dethier vor einem älteren Einfamilienhaus. Hier lebt Angela Rausch. Seit Jahrzehnten lässt sie sich von ihrem regionalen Lieferanten mit Heizöl versorgen - normalerweise zweimal im Jahr 1.500 Liter. Diesmal hat die 92-Jährige 500 Liter weniger bestellt.
Der Grund sind die aktuellen Preise. "Ich war von den Socken", erzählt die Rentnerin. "Ich habe vorher an die 90 Cent bezahlt, und dieses Mal sind es um die 1,80 Euro."
Dieter Dethier ist seit mehr als 20 Jahren als Tankwagenfahrer für Raiffeisen Westeifel unterwegs - in einem Landstrich, in dem noch viele Häuser mit Öl heizen. Er kennt die Menschen, ihre Häuser - und ihre Geldsorgen. Manche Situation nehme er mit nach Hause, etwa wenn ältere Menschen nur eine kleine Rente bekommen. "Da mache ich mir manchmal Gedanken, ob es für den Winter reicht", sagt er.
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Das Heizöl in seinem Tankwagen kostet in diesem Herbst deutlich mehr als sonst. Viele Kundinnen und Kunden hätten deshalb ihre Strategie geändert, erzählt der Tankwagenfahrer: "Volltanken ist nicht mehr. Die Leute bestellen jetzt mehrmals im Jahr kleinere Mengen und hoffen darauf, dass es wieder billiger wird." Einige reagierten mit Galgenhumor, andere mit Wut auf die Politik.
In Bleialf beliefert Dieter Dethier an diesem Morgen auch eine ukrainische Familie, die vor dem Krieg geflohen ist. Der Mann spricht kaum Deutsch, eines aber kann er deutlich sagen: "Teuer. Benzin teuer, Diesel teuer, Heizöl teuer - alles teuer!" Seine Frau schimpft auf die Weltpolitik.
Warum Heizöl so teuer ist
Volkswirtschaftlerin Xenia Matschke von der Universität Trier beobachtet die Märkte seit Jahren. Sie sieht mehrere Gründe für die hohen Preise: Der Krieg im Iran treibe die Transportkosten für Rohöl nach oben. Und der Ukraine-Krieg sorge dafür, dass immer mehr Raffinerien ausfallen. "Wenn die Ukraine russische Raffinerien beschädigt, werden Diesel und Heizöl insgesamt knapper. Das hat einen direkten Einfluss auf die Weltmarktpreise“, sagt sie im Gespräch mit dem SWR.
Den Preis treiben aber auch ungünstige Wechselkurse beim Einkauf von Rohöl und das Niedrigwasser auf dem Rhein, das Transporte verteuert. Über den Rhein wird unter anderem der Trierer Hafen mit Diesel und Heizöl beliefert - und auch Raffinerien bei Köln, die für Rheinland-Pfalz wichtig sind.
Trier
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Einen Tankrabatt und Preisdeckel wie beim Sprit hält Xenia Matschke für Heizöl allerdings für kaum machbar. Zwar könne der Staat Benzin und Diesel über Steuersenkungen billiger machen. "Bei Heizöl aber sind die Verbrauchssteuern mit etwa 6 Cent pro Liter schon vergleichsweise niedrig." Hier gebe es also kaum Spielraum, die Bürger über die Steuern zu entlasten.
Zurück nach Bleialf. Landwirt Werner, seinen Nachnamen möchte er nicht nennen, hat seine Tanks noch einmal vollmachen lassen - trotz hoher Preise. "Ich dachte, ich bestelle mal, bevor es noch teurer wird. Es weiß ja niemand, wo die Richtung hingeht." Er hofft, dass es seine letzte Heizöl-Lieferung sein wird. Sein Betrieb hat eine Hackschnitzelheizung einbauen lassen, befüllt mit Holz aus dem eigenen Wald. In wenigen Wochen soll sie laufen.
Ölheizungen: früher Komfortgewinn - heute teures Fossil
Den Energieträger zu wechseln, können viele hier nicht so einfach, meint Tankwagenfahrer Dieter Dethier. "Die Wege in der Eifel sind lang. Die Landschaft ist zerklüftet. Gasleitungen zum Beispiel gibt es so gut wie nicht", sagt er.
Am Horizont drehen sich zwar Windräder - wichtig für die Stromproduktion. In den Heizungskellern dominiert aber weiterhin das Heizöl. Nach Zahlen des Zensus 2022 heizen in der Region Trier knapp die Hälfte der Haushalte mit Öl, mancherorts sogar noch mehr.
Viele Haushalte in Dieter Dethiers Auslieferungsgebiet haben früher mit Koks, Kohle oder Holz geheizt. Der Umstieg auf Heizöl in den Nachkriegsjahrzehnten war ein Komfortgewinn: weniger Dreck, weniger Arbeit im Keller. Damals eine kleine Energiewende. Heute gilt Heizöl als Auslaufmodell. Heizungsexpertinnen und -experten raten zu Alternativen, vor allem zu strombetriebenen Wärmepumpen.
Verbraucherzentrale: "Wärmepumpe ist kein Luxus"
Laura Vorbeck von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz berät aktuell viele Menschen, die weg wollen von Öl und Gas. "Mit Öl und Gas zu heizen wird immer teurer. Dann ist oft die Frage: Was gibt es denn für Alternativen? Das ist gerade ein Dauerbrenner bei uns", sagt sie. Vor allem betagtere Hausbesitzer seien unsicher, ob ihr altes Gebäude für eine Wärmepumpe geeignet ist.
"Es ist ein Märchen, dass man für hunderttausend Euro das ganze Haus sanieren muss. Die Wärmepumpen haben sich weiterentwickelt, sind effizienter geworden, leichter zu installieren und passen inzwischen zu vielen Gebäuden", sagt die Energieberaterin.
Heizöllieferant: warme Wohnung ist existenziell
Beim Arbeitgeber von Tankwagenfahrer Dieter Dethier, Raiffeisen Westeifel, sind sie auf die Elektro-Zukunft eingestellt. Das Unternehmen verkauft neben Heizöl und Treibstoff auch Strom. Trotz der Wärmepumpen-Offensive rechnet Geschäftsführer Jan Leiendecker aber damit, dass seine Tankwagen noch lange unterwegs sein werden.
Heizen sei existenziell - und kein Konsumartikel, den man einfach weglassen könne, sagt der Raiffeisen-Westeifel-Chef. "Es gibt Kunden, die stellen sich die Frage: 'Öltank voll oder Kühlschrank voll?' Unserer Erfahrung nach passiert Sparen dann oft bei den Lebensmitteln."
Langjährigen Kundinnen und Kunden können sie entgegenkommen, indem sie Ratenzahlungen oder Ansparkonten für Heizöl anbieten - ähnlich wie bei Gas und Strom. So verteilen sich höhere Preise auf längere Zeiträume.
Sparen - aber nicht frieren
Rentnerin Angela Rausch in Bleialf spart, wo sie kann. Auf eines will die 92-Jährige aber nicht verzichten: "Ich muss es, wenn es kalt ist, warm haben. Und da kann ich dann nicht auf die Preise gucken."