Heizölpreise fallen nach Angriffspause
Die USA und der Iran setzen ihre gegenseitigen Angriffe aus, und die Ölbörsen reagieren sofort mit fallenden Kursen. Brent notiert erstmals seit Tagen wieder klar unter seinen jüngsten Höchstständen. Die Heizölpreise in Deutschland und der Schweiz sinken heute deutlich, in Österreich sind sie noch auf Richtungssuche. Schon zum Wochenschluss hatten die Ölbörsen den Rückwärtsgang eingelegt. Gasoil, das an der Londoner Terminbörse ICE gehandelte Vorprodukt von Heizöl und Diesel, beendete den Freitag bei 1.235,00 US-Dollar je Tonne und damit 56,50 US-Dollar unter dem Schlusskurs vom Donnerstag. Tropensturm Bertha war weitgehend glimpflich über die Förderanlagen im Golf von Mexiko hinweggezogen, sodass BP sein Personal bereits auf die Offshore-Plattformen zurückfliegen ließ. Neue Strafzölle der US-Regierung und ein schwächer als erwartet ausgefallener Einkaufsmanagerindex der amerikanischen Industrie belasteten zusätzlich. Am Montagmorgen folgte dann der eigentliche Kursrutsch. Brent, das am Freitagmorgen noch oberhalb der 100-Dollar-Marke gehandelt worden war, startete unter 94 US-Dollar in die neue Woche. Im frühen Handel betrug das Minus nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa zeitweise bis zu sieben Prozent, am Vormittag kostet das Nordseeöl noch 89,69 US-Dollar je Barrel. Die US-Sorte WTI verbilligt sich auf 83,44 US-Dollar, Gasoil auf 1.212,75 US-Dollar je Tonne. Der Euro steht bei 1,14 US-Dollar. Auslöser der Entspannung ist eine überraschende Feuerpause in dem seit Ende Februar andauernden Konflikt. Nach 13 Nächten mit Luftschlägen auf Ziele im Iran hat das Pentagon seine Angriffe seit Freitagnacht ausgesetzt. Teheran hält ebenfalls still und will dies nach Angaben eines hochrangigen Beamten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters so lange tun, wie auch die amerikanische Seite auf Attacken verzichtet. Ganz freiwillig dürfte Washington diesen Schritt allerdings nicht gegangen sein. Ein US-Vertreter, der anonym bleiben wollte, räumte ein, dem Militär gingen nach knapp zwei Wochen Dauerbeschuss schlicht die Ziele im Iran aus. Generalstabschef Dan Caine soll Trump zudem hinter verschlossenen Türen davon abgeraten haben, die Offensive in vollem Umfang fortzusetzen, weil sonst die Munitionsvorräte bedrohlich schrumpfen würden. UN-Botschafter Mike Waltz präsentierte bei Fox News eine freundlichere Lesart, der Präsident räume der Diplomatie bewusst wieder Raum ein. Entsprechend verhalten fällt die Einschätzung der Fachleute aus. Analyst Saul Kavonic vom Researchhaus MST Marquee verweist darauf, dass alle Kernfragen von der Kontrolle über die Straße von Hormus bis zum iranischen Raketen- und Atomprogramm weiterhin ungelöst seien. Die Waffenruhe könnte sich daher als vorübergehend erweisen. Auch in Teheran überwiegt die Skepsis, dort gilt der Schritt vielen eher als taktisches Manöver denn als echter Kurswechsel. Hinzu kommt, dass die Angebotslage angespannt bleibt. Die jemenitische Huthi-Miliz setzte ihre Seeblockade gegen Saudi-Arabien am Wochenende fort und will nach eigenen Angaben inzwischen 16 saudischen Schiffen die Durchfahrt durch die Meerenge Bab al-Mandeb verweigert sowie Ölanlagen in den Hafenstädten Jizan und Yanbu angegriffen haben. Der Datendienstleister Kpler zählte am Sonntag nur noch elf beladene Rohstofffrachter in der Wasserstraße, so wenige wie seit Monaten nicht. Gleichzeitig verharrt der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus auf dem tiefsten Stand seit Mai, an den Schwarzmeer-Terminals CPC und Sheskharis stocken die Verladungen, und die EU hat ihr 21. Sanktionspaket gegen Russland beschlossen. Sollte die Feuerpause kippen, dürften die Kurse rasch wieder anziehen. Bei den Heizölpreisen im Inland kommt der Rückgang der Börsenkurse heute spürbar an. In Deutschland kosten 100 Liter bei einer Abnahme von 3.000 Litern im Schnitt 131,56 Euro. Am günstigsten tanken derzeit Kunden in München und Stuttgart mit rund 124 Euro, am teuersten bleibt der Norden mit gut 141 Euro in Hamburg. In der Schweiz gibt der Durchschnittspreis auf 141,83 Franken nach, während Österreich mit 161,05 Euro dem vorwöchigen Anstieg noch hinterherläuft.