Heizölpreise legen eine Pause ein
Die Ölpreise haben ihre Rallye am Donnerstag vorerst unterbrochen und zeigen sich deutlich weicher. Gewinnmitnahmen und eine kurzlebige Hoffnung auf eine Verlängerung des Rahmenabkommens zwischen Washington und Teheran haben den Kursen die Kraft genommen. Dennoch bleibt die Lage wie sie ist: angespannt. In Deutschland geben die Heizölpreise leicht nach, in Österreich und der Schweiz bewegen sie sich kaum. Die Kurse an den Ölbörsen fallen quer durch alle Kontrakte. Brent, das Nordseeöl, notiert bei 87,11 US-Dollar je Barrel und hat sich damit klar von der 90er-Marke gelöst. Die US-Sorte WTI rutscht auf 81,50 US-Dollar. Am kräftigsten trifft es den Gasölkontrakt an der Londoner Warenterminbörse ICE, an dem der Heizölpreis hängt. Er fällt auf 1.215,75 US-Dollar je Tonne und gibt damit einen guten Teil des Aufschlags der vergangenen Tage wieder ab. Für Bewegung sorgten am Mittwoch Meldungen, wonach die USA und der Iran ihr im Juni geschlossenes Rahmenabkommen neu aufsetzen wollten. Das reichte aus, um Gewinnmitnahmen in Gang zu setzen. Lange hielt die Hoffnung nicht, denn Teheran stellte kurz darauf klar, an einer Verlängerung kein Interesse zu haben. Pakistan, das zwischen beiden Regierungen vermittelt, räumt inzwischen offen ein, dass der Prozess stockt. Das Abkommen läuft am Montag aus, die zugehörige Waffenruhe war bereits im Juli zerbrochen. Von der Ukraine-Front kommt ein neues Risiko hinzu. Russlands Präsident Wladimir Putin kündigte an, europäische Frachter aufzubringen und deren Ladung einzuziehen, sollten EU-Staaten weiter russische Tanker festsetzen. Seit Ende Juni haben europäische Länder mehrere verdächtige Schiffe der russischen Schattenflotte gestoppt, die meisten davon Frankreich. Träfe eine Vergeltung auch Öltanker, geriete der Welthandel zusätzlich unter Druck. Noch bleibt die Drohung vage genug, um an den Börsen wenig auszurichten. Die großen Monatsberichte lieferten kaum neue Erkenntnisse. Die US-Energiebehörde EIA, die Internationale Energieagentur IEA als Zusammenschluss der Industriestaaten und das Ölkartell OPEC senkten ihre Erwartung an die weltweite Nachfrage für dieses Jahr. Dahinter steckt vor allem das knappe Angebot. Das Department of Energy (DOE) meldete für die vergangene Woche zugleich einen kräftigen Aufbau der Rohölvorräte (+17,4 Mio.), der die Erwartungen der Analysten deutlich übertraf. Bei den Destillaten (Diesel und Heizöl) blieben die Lager unverändert, während die Benzinbestände leicht zurückgingen. Die Heizölpreise legen am Donnerstag eine kleine Verschnaufpause ein und kommen etwa zwei Cent vom gestrigen Tageshoch zurück. Der bundesweite Schnitt beläuft sich aktuell auf rund 1,33 Euro je Liter. Nach der mehrtägigen Aufwärtsbewegung ist der heutige Rückgang durchaus willkommen. In Österreich kostet der Liter rund 1,61 Euro und bewegt sich kaum vom Vortag weg. Die Heizölpreise in der Schweiz liegen bei etwa 1,44 Franken je Liter. Beide Märkte verharren am oberen Rand der vergangenen Monate. Das August-Mittel für Heizöl liegt in Deutschland rund 1,5 %, in Österreich etwa sieben Cent und in der Schweiz etwa fünf Prozent über dem Juli-Durchschnitt. Hatte sich der laufende Monat zu Beginn noch von seiner moderaten Seite gezeigt, drehte der Preis auch wieder schnell. Verbraucher müssen weiterhin auf ihre Geduld setzen, wenn die Tankreserven das zulassen. Diese bestimmen auch letztendlich, wann getankt werden muss.