Heizungskosten: Wer jetzt die falsche Heizung wählt, zahlt drauf
Heiz-Studie Diesen Kostenanstieg verschweigt Reiche Von t-online, jb 01.07.2026 - 13:04 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Wärmepumpe, Fernwärme oder Gasheizung? Eine neue Untersuchung des Fraunhofer ISE nennt eine Summe, die Eigentümer aufhorchen lässt. Mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) führt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die sogenannte "Bio-Treppe" ein. Sie besagt, dass unter anderem Erdgas schrittweise durch einen immer höheren Anteil an grünen Gasen – etwa Biomethan oder grüner Wasserstoff – ersetzt werden soll. Das klingt ökologisch, ist aber auch mit enormen Kosten für Besitzer von Gasheizungen verbunden. Das wiederum verschweigt das Ministerium weitestgehend. Im Auftrag der MVV Energie AG hat daher das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in einer Kurzstudie die Kosten von Gasheizungen mit Bio-Beimischung mit denen von Wärmepumpen und Fernwärme verglichen. Im Video | Wirtschaftsministerin gerät zunehmend in Bedrängnis Player wird geladen Vergleich für Eigenheimbesitzer und Mieter Für die Untersuchung haben die Forscher die Gesamtkosten für Heizung und Warmwasser über einen Zeitraum von 20 Jahren ab 2026 verglichen. Anders als bei anderen Studien – etwa von der unabhängigen Beratungsgesellschaft co2online – standen dabei nicht nur Einfamilienhäuser, sondern auch Mehrparteienhäuser im Fokus. Das Ergebnis: In allen untersuchten Szenarien war der Gas-Brennwertkessel mit steigenden Anteilen grüner Gase die teuerste Methode für die Heizung und Warmwasserbereitung. Dahinter folgte Fernwärme. Das System mit den geringsten Gesamtkosten war die Luft-Wasser-Wärmepumpe. Die Ergebnisse decken sich damit mit vorherigen Studien zu diesem Thema. Zur Information Für ihre Studie sind die Wissenschaftler nicht von fixen Energiepreisen ausgegangen. Vielmehr rechneten sie mit Preisspannen (günstig bis teuer), die sie kontinuierlich fortschrieben. Die Energiekosten fließen also in die jährlichen Gesamtkosten mit ein. Bis zu 49.000 Euro Unterschied Bei einem teilsanierten Einfamilienhaus liegt die Preisdifferenz zwischen der Gasheizung und der Wärmepumpe nach knapp 20 Jahren bei knapp 49.000 Euro. Der Unterschied zwischen Fernwärme und Wärmepumpe beträgt rund 25.000 Euro. Im teilsanierten Mehrparteienhaus mit zwölf Wohneinheiten liegt die Differenz zwischen Gaskessel und Wärmepumpe im günstigsten Fall bei knapp 10.500 Euro pro Wohneinheit und 5.400 Euro pro Wohneinheit zwischen Wärmepumpe und Fernwärme. Anschaffungskosten sind nicht entscheidend Viele Immobilienbesitzer kennen die langfristigen Kosten nicht. Sie achten eher auf die Anschaffungskosten, die bei einem Gaskessel und beim Fernwärmeanschluss vergleichsweise gering ausfallen. Ein Gaskessel kostet in der Anschaffung 11.400 bis 20.400 Euro, ein Fernwärmeanschluss nur 9.300 bis 15.600 Euro. Eine Wärmepumpe schlägt mit 28.500 bis 42.800 Euro zu Buche. Die Kosten für Wartung und Instandhaltung sind im Einfamilienhaus bei allen drei Systemen mit 500 Euro pro Jahr gleich hoch. Auf den ersten Blick wirkt der Gaskessel zwar günstiger als die Wärmepumpe. Doch im Laufe der Zeit ändert sich das Ranking. Dann wird die Wärmepumpe zur wirtschaftlichsten Lösung. Zuschüsse nutzen Ein weiterer Grund, weshalb Wärmepumpen bei Einfamilienhäusern am wirtschaftlichsten sind, ist die staatliche Förderung. Hierzu zählen im besten Fall neben der Grundförderung (30 Prozent), ein Klima-Geschwindigkeitsbonus beim Austausch einer alten fossilen Heizung (20 Prozent) sowie ein Effizienzbonus für besonders umweltfreundliche Kältemittel (5 Prozent). Insgesamt werden also bis zu 55 Prozent der Anschaffungskosten bezuschusst – gedeckelt auf 30.000 Euro im Einfamilienhaus. Eigenheimbesitzer, deren zu versteuerndes Jahreseinkommen unter 40.000 Euro liegt, können zusätzlich noch einen 30-prozentigen Bonus erhalten. Für die Studie haben die Forscher diesen jedoch nicht mitberücksichtigt. Wird er gewährt, so bleibt die Wärmepumpe mit Abstand die wirtschaftlichste Wahl bei der Warmwasserbereitung und Heizung. Warum Gas teurer wird Grund für die hohe Preisdifferenz zwischen Gasheizung und Wärmepumpe ist die sogenannte "Bio-Treppe". Sie schreibt vor, dass künftig alle Gasheizungen einen wachsenden Anteil sogenannter grüner Gase wie Biomethan nutzen müssen. Die Steigung lautet: 10 Prozent ab 2029, 15 Prozent ab 2030, 30 Prozent ab 2035 und 60 Prozent ab 2040. Bis 2045 sollen Gasheizungen dann vollständig mit grünen Gasen betrieben werden. Doch genau diese Steigerung ergibt das finanzielle Risiko: Die Preise für diese Gase gelten als unsicher und dürften langfristig steigen, so Experten. Denn sie hängen von globalen Märkten, Importen und geopolitischen Gegebenheiten ab. Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Kunden, die an das Gasnetz angeschlossen sind, teilen sich die Netzentgelte. Kündigen jedoch immer mehr Haushalte ihren Gasanschluss, so müssen immer weniger verbliebene Kunden diese Gebühren schultern. Ab Mitte der 2030er-Jahre könnten die Netzentgelte daher stark anziehen. Die Studienautoren betonen jedoch, dass unter bestimmten Bedingungen allerdings Fernwärme oder der Gaskessel die günstigste Lösung darstellt. Bei ihren Rechnungen handle es sich lediglich um Beispielrechnungen. Die Gebäudegröße, der energetische Zustand und die örtliche Infrastruktur beeinflussen, wie wirtschaftlich eine Heizung über die Jahre tatsächlich ist. Entsprechend groß sind die Bandbreiten bei Investitions- und Betriebskosten. Experten betonen daher immer wieder, sich vor dem Heizungstausch individuell von einem unabhängigen Energieexperten beraten zu lassen. Er kann berechnen, welche Heiztechnik sich für das Gebäude am besten eignet. Eine Einschränkung machen die Forscher allerdings selbst transparent: Bleiben die Energiepreise gleich, fallen die Unterschiede zwischen den Heizsystemen gering aus. Das Ergebnis steht und fällt also mit der Annahme, dass die Preise für grüne Gase deutlich anziehen.