Helmstedt an der Nordsee: Geologen untersuchen einstigen Küstenverlauf
War Helmstedt einst tropische Küstenstadt? Geologen untersuchen Gestein
Stand: 02.10.2026 12:26 Uhr
Helmstedt wäre vor 40 Millionen Jahren eher eine Küstenstadt im tropischen Klima gewesen als ein Ort mitten auf dem Festland. Jetzt untersuchen Experten den Boden westlich von Helmstedt für neue Forschungserkenntnisse.
von Lydia Callies
12 Grad wärmer als jetzt, flache Meeresbuchten und Mangrovenwälder. Die Copacabana Niedersachsens sozusagen. So könnte die Region Helmstedt vor etwa 40 Millionen Jahren ausgesehen haben. Denn hier grenzte die damalige Nordsee an. Teils habe sich die Küstenlinie sogar noch weiter nach Süden und Osten verlagert, bis in den Raum Leipzig, sagt Eike Bruns vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). "Der Harz hat wie eine Insel aus dem Meer geschaut. All das hat gewisse Ablagerungen hervorgebracht." Mit der Bohrung erhoffen sich die Experten nun ein genaueres Bild vom Küstenverlauf zu bekommen.
Meter für Meter wird gebohrt
Daher wird hier auf einem Acker im Ortsteil Emmerstedt bei Helmstedt gebohrt - 180 Meter tief. Um die bis zu 40 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten herauszuholen und zu untersuchen. Alle Bohrkernabschnitte werden im Geozentrum Hannover untersucht. Olaf Lenz betreut die Forschungsbohrung und ist Geologe. Er untersucht die Bohrkerne auf Mikrofossilien, also auf fossiles Plankton und fossile Meereslagen. "Damit kann ich auf Millionen Jahre genau das Alter der Gesteine bestimmen", sagt Lenz.
Die Grundlagendaten geben Aufschluss über die erdgeschichtliche Entwicklung der Region - und damit auch über das Klima. Auch für heutige Nutzen seien sie wichtig, erklärt Bruns. "Wenn man sich im Umfeld mit oberflächennaher Geothermie auseinandersetzen möchte und man weiß, welche Gesteinsschichten es hier gibt, könnte das helfen." Denn gerade für Geothermie sucht man geeignete Schichten, damit mehrere Kilometer tiefe Bohrungen nicht "ins Leere" laufen. Die ersten 60 Meter zeigen vor allem Tonschichten. Später vermutlich Sand. Das Ziel ist vor allem, vollständige und lückenlose Bohrkerne zu gewinnen. "Momentan sind die Bohrkerne ja noch geschlossen", sagt Geologe Lenz. "Der erste spannende Augenblick ist, wenn man die aufschneidet und genau sieht, welche Gesteine enthalten sind."
Die Bohrungen werden noch ein paar Wochen dauern, die Auswertungen sicherlich Monate. Danach sind sie für alle einsehbar auf der Bohrdatenbank des LBEG. Denn Aufgabe des LBEG als Staatlicher Geologischer Dienst für Niedersachsen ist es, im Rahmen der geologischen Landesaufnahme den Untergrund landesweit und systematisch zu untersuchen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.