Helsing präsentiert neues System gegen russische Jet-Drohnen - passend zum Pistorius-Besuch
Das erhöht die Toten- und Verletztenzahlen beträchtlich und gehört aus Sicht der Ukraine zur russischen Zermürbungstaktik gegen die Zivilbevölkerung. Im Winter kann sich das Problem verschärfen, wenn Heiz- und Kraftwerke damit angegriffen werden sollten. Russland soll derzeit rund 4000 Stück der strahlgetriebenen Drohnen vom Typ Geran-4 und Geran-5 produzieren und die Startplätze dafür systematisch ausweiten.
Auch an der Nato-Ostgrenze, aber auch in Deutschland gibt es hiergegen bisher keinen umfassenden Schutz. Und diese Drohnen können viel weitere Distanzen fliegen als bisher üblich. In der Ukraine wird längst an Antworten gearbeitet und in Deutschland will nun das Rüstungsunternehmen Helsing mit Sitz in München eine effektive und im Vergleich kostengünstige Lösung gefunden haben.
Denn neben der langwierigen Produktion gibt es bei den Patriot-Systemen oder den sehr erfolgreichen Iris-T-Lenkflugkörpern das preisliche Problem, dass mit sehr teuren, nur in geringer Zahl verfügbaren Systemen kostengünstig herzustellende Drohnen bekämpft werden.
„Defend Democracy“ steht an der Wand eines schwarzen, speziell geschützten Raums, irgendwo in Berlin. Hier stellt am Montag der Mitgründer und CEO von Helsing, Gundbert Scherf, ein neues autonomes Luftverteidigungssystem des vor fünf Jahren gegründeten Unternehmens vor. Es trägt den durchaus passenden Namen „Contra“.
Es sind auf einem Videoscreen erste Tests zu sehen und die virtuelle Karte der Ukraine, mit einem typischen Tag voller Drohnenangriffe. Es wird derzeit viel über Fluch und Segen der künstlichen Intelligenz diskutiert, das Ziel von Helsing ist es erklärtermaßen, künstliche Intelligenz zum Schutze der Demokratien in Europa einzusetzen.
Es geht in diesem Fall genau genommen um zwei Antworten, um zwei Lenkflugkörper mit Radarsuchköpfen, die aus Containern heraus gestartet werden. Das Modell AD-1 Inferno ist dabei ein strahlgetriebener Hochgeschwindigkeits-Lenkflugkörper zum Abfangen von Jet-Drohnen. Das Modell AD-2 Ambush ist mit einem Raketenmotor ausgestattet, kann dem Unternehmen zufolge Mach 2,5 erreichen und hat eine Reichweite von mehr als 20 Kilometern – es soll Raketen abfangen.
Beide Systeme operieren auf Basis von Daten der KI-gestützten Bodenstation, mithilfe von Sensoren wird ein großes Luftlagebild erstellt, um Hunderte Drohnen und auch Raketen gleichzeitig erkennen und bekämpfen zu können. Herzstück des Systems ist der integrierte Hochleistungsradarsuchkopf. Er soll bei jedem Wetter funktionieren, das Ziel suchen und dann darauf zufliegen.
Die Lenkflugkörper sollen unter 100 000 Euro je Stück kosten, ein Abnehmer könnte auch die Ukraine sein. Helsing wirbt mit der Technik und dem Preis, der betrage nur einen Bruchteil der bisher eingesetzten Systeme. Der in dem dunklen Raum zugeschaltete Chefingenieur Luftverteidigung, sagt, das System sei in wenigen Monaten von der Idee bis zu den ersten Testflügen entwickelt worden. Betont wird, dass man bei den sensiblen Komponenten nichts aus China verbaue. Das System könne auch gut die Grenzen europäischer Staaten gegen einfliegende Drohnen schützen. Eine Massenproduktion sei ab dem zweiten Halbjahr 2027 geplant.
Niklas Köhler, Präsident von Helsing, sagt: „Contra löst das Dilemma der Flugabwehr: Entweder langsame Drohnen, die nur bei gutem Wetter einsetzbar sind, oder millionenteure Flugkörper, die gegen billige, in Massen produzierte Ziele verschossen werden.“ Ein potenzieller Kunde ist an diesem Donnerstag bei Helsing in München zu Gast: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Laut Ministerium gehe es dabei um die „Vorstellung neuer Produkte“.