Henri Kagan und Kenso Soai: Chemien-Nobelpreis für Molekülformen
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Der diesjährige Nobelpreis für Chemie geht an den französischen Forscher Henri Kagan und seinen japanischen Kollegen Kenso Soai. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mit. Mit der Auszeichnung solle die Forschung der beiden jeweils 95-jährigen Wissenschaftler zur „asymmetrischen organischen Synthese“ gewürdigt werden.
Ausgezeichnet werden sie für ihre Forschung dazu, wie chemische Reaktionen gezielt gesteuert werden können. Dahinter steckt eine faszinierende Frage: Wie kann man bei einer chemischen Reaktion gezielt die gewünschte Form eines Moleküls herstellen? Viele Moleküle gibt es in zwei Formen, die sich wie linke und rechte Hand zueinander verhalten. Sie bestehen aus den gleichen Atomen, sind aber spiegelverkehrt. Die Entdeckungen von Kagan und Soai halfen zu verstehen, wie gezielt die gewünschte Form entsteht. Ihre Forschung ist für die Herstellung von Medikamenten wichtig.
Kagan sollte schon 2001 den Nobelpreis bekommen
Für Kagan von der Université Paris-Sud, ist der Nobelpreis auch eine späte Genugtuung. Seine Arbeiten zur asymmetrischen Katalyse waren bereits vor Jahrzehnten von großer Bedeutung. Beim Chemie-Nobelpreis 2001 wurden jedoch andere Forscher für Arbeiten auf diesem Gebiet ausgezeichnet. Kagan ging damals leer aus – obwohl seine Forschung entscheidend zur Entwicklung des Fachgebiets beigetragen hatte. Das sorgte in Frankreich für deutlichen Unmut – sogar der damalige französische Wissenschaftsminister schrieb an die Nobel-Stiftung.
Nun bekommt er die höchste wissenschaftliche Auszeichnung doch noch – gemeinsam mit Soai, der an der Tokyo Science University forscht. Soais Forschung wiederum geht einer „Henne-Ei“-Frage nach. Seine Soai-Reaktion kann vereinfacht gesagt dazu führen, dass ein Molekül die Entstehung weiterer Moleküle derselben Handform fördert. Ein winziger anfänglicher Unterschied kann dadurch massiv verstärkt werden.
Das Nobelpreisgeld beträgt in diesem Jahr 12 Millionen schwedische Kronen, umgerechnet rund 1,2 Millionen US-Dollar. Es wird geteilt, wenn mehrere Forscher einen Preis erhalten.