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Hertha-Eigengewächs Ibo Maza: Vom Berliner Beton zum Ballon d'Or

Sport

Vor ziemlich genau zwei Jahren saß Hannes Wolf, Nachwuchs-Sportdirektor und U20-Trainer des DFB, bei der Sport1-Sendung "Doppelpass" und erklärte über Ibrahim Maza. "Er hat die Nummer 10 bei Hertha, schießt Tore, war zuletzt bei uns und wird sich jetzt trotzdem für Algerien entscheiden." Als Zehner konkurriere Maza mit Florian Wirtz, Jamal Musiala, Paul Wanner. "Das heißt, er hat das Gefühl: Die Position ist zu."

Wolf verkündete so im Live-Fernsehen, dass sich Maza, damals Spieler von Hertha BSC, nicht für die deutsche, sondern für die algerische Nationalmannschaft entschieden hatte – das Heimatland seines Vaters. Was sich damals womöglich noch nicht wie ein akuter Verlust anfühlte, dürfte den DFB mittlerweile überaus ärgern.

Zwei Jahre später ist Maza vom verheißungsvollen Talent aus der Berliner Nachwuchsschmiede zum absoluten Stammspieler bei Bayer Leverkusen geworden. Der 20-Jährige hat nach knapp über einem Jahr bereits 50 Pflichtspiele für die "Werkself" bestritten, zog bei Champions-League-Abenden in seinen Bann und setzte Akzente bei der zurückliegenden Weltmeisterschaft – für Algerien.

Der kometenhafte Aufstieg des gebürtigen Berliners mit mittlerweile 21 Länderspielen für Algerien geht sogar so weit, dass Maza vor einer Woche für den Nachwuchspreis des Ballon d’Or nominiert wurde. In der veröffentlichten Liste stehen neben dem Spielmacher unter anderem auch der Spanier Lamine Yamal (FC Barcelona) und der deutsche Nationalspieler Lennart Karl (FC Bayern München) in der Kategorie "Men’s Young Talent of the Year" zur Wahl.

Eine elitäre Weltauswahl, die festhält, wie außerordentlich die Entwicklung des Offensivkünstlers ist. Viel besser als Maza wird es im jüngeren Weltfußball derzeit nicht. Ein Satz, der bei Hertha-Fans erst einmal sacken muss.

Und dass, obwohl man Herthas Anhängerschaft wohl kaum erklären muss, mit welchem Talent Maza gesegnet ist. "Ibo war schon in der U16 mein Spieler", berichtete Mazas erster Profi-Förderer Pal Dardai einst. Er habe "ein Talent wie kein anderer beim Nachwuchs von Hertha BSC. Das ist unbeschreiblich. Ein Talent von Gott."

Jene Begabung ließ Maza innerhalb kürzester Zeit vom hochgerückten Jugendspieler zum Leistungsträger bei der "alten Dame" wachsen. In sportlichen eher düsteren Zeiten ging Hertha-Fans regelmäßig das Herz auf, wenn Maza am Ball war. Er ist einer dieser Spieler, für die Fußball-Liebhabende ins Stadion gehen: Maza hat nicht nur die technischen Fähigkeiten, jeden Gegner auf dem Feld alt aussehen zu lassen, sondern auch den Mut, genau jene Aktionen immer wieder zu suchen.

"Was ihn auszeichnet, ist die Liebe zu diesem Spiel. Er braucht nicht viel, er braucht nur den Ball, das macht ihn glücklich", schwärmte Dardai-Nachfolger Cristian Fiél. Technik, Spielwitz, Flair und auch eine überraschende Robustheit machen Maza in manchen Momenten unaufhaltsam. Ein echter Straßenkicker, gewachsen auf Berliner Beton und mittlerweile Bezwinger ganz anderer fußballerischer Welten. Zweite Liga, Bundesliga, Champions League, WM? - Ganz egal, Maza macht sein Ding.

Doch das eine ist das fußballerische Talent, das andere ist der Kopf, der für eine Weltkarriere mitspielen muss. Maza hat den Übergang von der zweiten Liga auf die Weltbühne auch deshalb so leichtfüßig gemeistert, weil ihm die goldene Mischung aus Leichtigkeit und Ambition gelingt.

Auf dem Rasen wirkt es zwar, als würde Maza alles sehr leichtfallen, dabei geht jedoch fast unter, wie energisch er auch gegen den Ball arbeitet. Ein Schönwetterspieler ist er sicherlich nicht. Er übernimmt Verantwortung, zeigt großen Willen.

Neben dem Feld macht Maza wiederum einen leichten, fast kindlichen Eindruck. Er wirkt sehr bodenständig, geradezu schüchtern. Immer mit einem großen Grinsen im Gesicht, das zeigt, wie dankbar Maza für sein Leben ist. "Er ist ein top Mensch, er lernt sehr schnell. Du kannst auch hart mit ihm arbeiten, denn dann sagt er 'Dankeschön' und arbeitet super hart - jeden Tag", lobte Leverkusens Ex-Trainer Kasper Hjulmand.

Maza nimmt Spiele auf der großen Bühne des Weltfußballs nicht als Druck wahr. "Ich versuche, nicht mit dem Gedanken in ein Spiel zu gehen: Jetzt spielst du gegen Manchester City, also musst du nervös sein. Stattdessen genieße ich es", sagte er zuletzt im Interview mit "Sports Illustrated". "Mit diesen Spielern habe ich früher auf der Konsole gezockt, jetzt darf ich selbst gegen sie antreten. Je größer der Gegner und je bekannter die Namen sind, desto größer sind für mich der Anreiz und die zusätzliche Motivation."

Es ist diese Mischung aus Talent und klarem Kopf, die Maza innerhalb kürzester Zeit zu einem der begehrtesten Spieler Europas gemacht haben. Im vergangenen Sommer zeigten diverse Topklubs großes Interesse am Offensivkünstler. Dafür sorgten die zwölf direkten Torbeteiligungen in 44 Spielen, aber auch die Flexibilität. Maza spielte vom defensiven Mittelfeld, über die Zehnerposition und offensiven Außenbahnen gleich zig Rollen auf internationalem Topniveau.

Die Aktie Maza war im Sommer so heiß, dass sich Leverkusens Manager Simon Rolfes gezwungen sah, seinen Spieler öffentlich als unverkäuflich zu erklären – und das bei einem Verein, der sich in den letzten Jahren nicht scheute, seine Topspieler abzugeben. Ein Zeichen für die besondere Bedeutung Mazas, für den die Welt offensteht.

Am Donnerstag wird Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp seine erste Kadernominierung präsentieren. Maza ist offensichtlich nicht dabei, er kann den Verband nicht mehr wechseln. Ob Klopp in seiner Planung zumindest kurz an den Berliner dachte und sich ärgerte?

Zwei Jahre nach dem "Doppelpass"-Auftritt von Hannes Wolf zeigt sich: Die Tür wäre für Maza alles andere als zu gewesen. Florian Wirtz kommt beim FC Liverpool noch nicht vollständig in den Tritt, Jamal Musiala plagen gesundheitliche Probleme und Paul Wanner hat sich sogar für die Nationalmannschaft Österreichs entschieden. Währenddessen ist Maza zum Spieler internationaler Klasse gereift.

Ein Thema der Aufarbeitung des WM-Desasters war, dass Deutschland mutige Dribbler und Kreativköpfe im Offensivspiel fehlen – also genau das Profil Mazas. Wie das Leben eben so spielt.

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