Hessen am Morgen: Die Nachrichten im Ticker vom 23.09.2026
Hünfeld schrammt an Pokal-Sensation vorbei
Da wir heute so wenig Sport und gar keinen Fußball hatten, gibt es im Final Countdown dieses Tickers noch einen Eintrag zum rollenden Ball. In Zeiten von dreiwöchigen Länderspielpausen schauen wir auf die etwas kleinere Bühne, genauer: Hessenpokal. Denn: Auch in diesem gibt es natürlich eigene Gesetze. Den Beweis dafür lieferte am gestrigen Abend der Hünfelder SV, seines Zeichens Hessenligist. Die osthessischen Feierabend-Fußballer (ein Begriff, der wirklich nur im Zusammenhang mit Pokalspielen genutzt wird) schnupperten gegen den FSV Frankfurt an einer Sensation – schrammten dann aber an dieser vorbei.
Das Spiel in der Schnellzusammenfassung: Die Gastgeber lagen zur Pause 2:0 in Führung, der FSV kam spät noch zum Ausgleich, im Elfmeterschießen triumphierte dann der Regionalligist.
Survival-Experiment im Odenwald: Neue Doku über YouTuber Johannes Mickenbecker
And again: Kultur.
Was brauchen wir eigentlich wirklich zum Leben? Das hat sich der bekannte hessische YouTuber Johannes Mickenbecker von den "Real Life Guys" gefragt - und das gleich 100 Tage lang. Um Antworten zu finden, startete der 29-jährige Hesse ein Experiment in der Natur, ohne Supermarkt, ohne Strom aus dem Netz und ohne moderne Infrastruktur.
Die daraus entstandene Doku "100 Tage Autark" begleitet den aus Bickenbach (Darmstadt-Dieburg) stammenden Mickenbecker auf all seinen Höhen und Tiefen während seines Selbstversorger-Experiments. Zu sehen ist der Film zum Beispiel am Mittwoch im Marburger Cineplex (17:45 Uhr) oder am Donnerstag in der Astor Filmlounge in Frankfurt (18:00 Uhr). Weitere Infos zum Film gibt's auf der Webseite von "100 Tage Autark".
Mit 110 durch Kassel vor der Polizei geflüchtet - und dann doch geschnappt
Diese spektakuläre Verfolgungsjagd hat sich zwar schon vorletzte Nacht ereignet, ich will sie Ihnen aber trotzdem nicht vorenthalten. In Kassel-Bettenhausen hat ein 20-Jähriger versucht, vor der Polizei abzuhauen. Er war den Beamten wegen seiner Raserei aufgefallen. Geklappt hat seine Flucht nicht, allerdings hat er sich äußerst gefährlich verhalten.
Mit bis zu 110 km/h raste er durch Kassel. Den Beamten, die ihn zuerst verfolgten, wurde das zu waghalsig, als er ein riskantes Wendemanöver hinlegte - sie ließen ihn ziehen. Jedoch konnte eine andere Streife die Straße blockieren und den Mann dann doch stoppen. Er und seine Begleitung wurden festgenommen. Auf seiner Flucht hat der Fahrer vermutlich auch eine Verkehrsinsel ramponiert.
Hubschrauber im Tiefflug
Wir kommen zur beliebten Kategorie: Fußball-Sprechchöre, die man lange nicht gehört hat. Heute: "Hub-, Hub- Hubschraubereinsatz". Was früher gerne beim vermeintlichen Simulieren von schweren Verletzungen gerufen wurde, gibt es heute nur noch sehr selten. Neues Stilmittel: der profane und empörte Pfiff.
Aber kommen wir zum Anlass dieser Einleitung: Ein gelb-blauer Helikopter schwebt seit diesem Montag auffallend nah zum Boden über große Teile Mittelhessens. Der Pilot hat aber nicht etwas sein Handy oder seinen Haustürschlüssel verloren, wie man vielleicht vermuten könnte. Die Crew an Bord checkt vielmehr, ob die Stromleitungen im gesamten Netzgebiet irgendwelche Schäden aufweisen. Gesamtlänge des Kontrollflugs, der sich über mehrere Tage hinzieht: 930 Kilometer.
Kostenlose Konzerte in der Alten Oper: Festival "Fratopia" startet
Wir werfen einen kurzen Blick auf die Kultur:
Freien Eintritt zu rund 250 Konzerten gibt es ab heute bis Sonntag beim "Fratopia"-Festival in der Alten Oper. Von 15 Uhr bis Mitternacht sind an verschiedenen Orten des Konzerthauses in Frankfurt Auftritte geplant, von Klassik über Pop bis Jazz oder Folk. Die Konzerte können ohne Anmeldung besucht werden, nur die Größe der einzelnen Räume beschränken den Einlass. Das gesamte Programm ist auf der Webseite der Alten Oper zu finden.
110-Millionen-Euro-Loch in Darmstadt
In Darmstadt dürften aktuell einige Menschen mit hochrotem Kopf auf ihre Taschenrechner einhauen und immer wieder verzweifelt aufstöhnen. Zumindest stelle ich mir das so vor. Der Grund für die Hektik: Im Haushalt für das kommende Jahr klafft aktuell ein Loch von 110 Millionen Euro. Die Sozialausgaben steigen, die Einnahmen sinken, ein Teufelskreis. Da der Haushalt so nicht genehmigungsfähig wäre, wird nun fieberhaft nach Einsparungspotenzialen gesucht. Statt schon Anfang November soll der Haushalt in diesem Jahr deshalb erst am 15. Dezember eingebracht werden. Deadlines nach hinten schieben, eine Klassiker-Lösung.
Hessen nur noch im Blitz-Mittelfeld
Wir kommen zu einer Meldung, bei der ich nicht genau weiß, ob das gut oder schlecht ist. In Hessen hat es im aktuellen Jahr deutlich weniger geblitzt als noch 2025. Laut dem Münchner Blitzortungsunternehmens Nowcast gingen die Blitzendladungen um 38 Prozent zurück, noch größer war der Rückgang nur in Brandenburg (43 Prozent). In der bundesweiten Blitz-Tabelle liegt Hessen mit insgesamt 45.400 Blitzen nur noch auf Platz neun und damit im absoluten Blitz-Niemandsland. Wäre Blitzen ein Sport, würde jetzt ein Donnerwetter in der Kabine folgen.
Kreis Bergstraße sucht den Bus-Babo
Der Ruf von Busfahrerinnen und Busfahrern ist nicht überall gut. Den Moment, wenn die Bus-Tür exakt in dem Moment zugeht, wenn man nach einem 50-Meter-Sprint endlich an der Haltestelle angekommen ist, kennt wohl jeder. Das Klischee des grimmig dreinblickenden Karohemd-Trägers, der nur mal kurz den Finger zum Gruße hebt, wenn ein Busfahrer-Kollege entgegenkommt, hält sich hartnäckig. Und während der Fahrt ja nicht mit dem Fahrer sprechen!
Aber, und das ist ein großes Aber: Es geht natürlich auch anders. Der Kreis Bergstraße setzt deshalb auf die Kraft des positiven Narrativs und sucht ab sofort den beliebtesten Busfahrer (oder die beliebteste Busfahrerin) des Jahres. Das Gute daran: Im Gegensatz zum beliebten Frankfurter Bahnbabo müssen die südhessischen Kollegen von der Straße weder Spagat noch Gedichte können. Es reicht oft ein freundliches Wort am Morgen.
Unbekannte klauen komplette Grill-Party
Zweimal innerhalb kürzester Zeit beschäftigen wir uns heute mit der schönen Stadt Wetzlar, in der ich genau einmal in meinem Leben war und zwei sehr schöne Tage im Zivi-Seminar hatte. Also glaub ich.
Aber kommen wir zur Neuzeit und einem schweren Mundraubüberfall. Laut einer Mitteilung der Polizei haben Unbekannte aus dem Kühlanhänger eines Imbisswagens mehrere hundert Brat-, Rinds- und Käsewürste sowie mehrere Getränke-Kisten geklaut. Ob auch vegane Varianten entnommen wurden, ist leider ebenso wenig bekannt wie der Ort der Grillsause. Der Wert der entwendenden Köstlichkeiten liegt bei 3.000 Euro. Es dürfte also feuchtfröhlich hergegangen sein. Die Polizei sucht nun Zeugen oder Party-Gäste.
Herbst noch nicht in Herbst-Stimmung
Dem Herbst scheint es zu gehen wie mir: Die Lust auf Regen, Nieselregen und Regenschauer scheint noch sehr überschaubar zu sein. Die dritte Jahreszeit des Jahres tut deshalb noch ein wenig so, als sei sie eine schwache Version der zweiten Jahreszeit des Jahres. Heißt: In den kommenden Tagen bleibt es trocken, die Temperaturen bewegen sich im "T-Shirt-und-vielleicht-mal-ein-Jäckchen-Bereich", am Freitag sind sogar 25 Grad drin. Ein goldener Oktober im September. Weiter so!
Goethes Mutter gesucht
Sollten Sie schon immer gewusst haben, dass in Ihnen ein unentdecktes Schauspiel-Talent steckt, sollten Sie jetzt genau aufpassen. Die Stadt Wetzlar, gemeinhin auch als Cannes des Nordens bekannt, sucht für die vorweihnachtlichen Kostümführungen noch ehrenamtliche Darstellerinnen. Bei diesen Führungen, die aus einem Mix aus Theater und Stadtrundgang bestehen, geht es um den Besuch von Goethes Mutter in Wetzlar. Und genau diese Rolle gibt es – unter anderem – noch zu besetzen. Das. Könnte. Ihre. Chance. Sein.
Pferd sorgt für A3-Vollsperrung
Dass ein Hund im Büro nichts zu suchen hat, wissen wir spätestens seit Stromberg alle. Wir sind hier schließlich nicht bei Daktari! Ein Pferd auf der Autobahn ist jedoch mindestens ebenso fehl am Platz. Laut einer Mitteilung der Polizei kam es zu genau dieser verhängnisvollen Kombination aber am Dienstag. Was genau geschah? Wir zäumen das Pferd mal von hinten auf.
Das 13 Jahre alte Pferdl namens Ferdl war wegen anhaltenden Knie-Beschwerden gerade auf dem Weg in eine Tierklinik, als sein mit deutlich mehr PS ausgestatteter fahrbarer Untersatz den Geist aufgab und am Offenbacher Kreuz auf dem Seitenstreifen liegenblieb. Einzige Lösung: Ferdl musste in einen neuen Anhänger verladen werden. Da der Weg dorthin jedoch zu Huf zurückgelegt werden musste, sperrte die Polizei zum Wohle von Tier und vorbeifahrenden Fahrzeugen die Autobahn komplett. Nach 30 Minuten entspannten sich die langen Gesichter der Berufspendler dann wieder, das Tier mit dem langen Gesicht konnte zum Arzt.
Wappen-Ärger bei der Bimbacher Feuerwehr
Rein phonetisch gehört Großenlüder-Bimbach definitiv zu meinen Top-5-Lieblingsorten in Hessen. Meine soeben erst entdeckte Zuneigung ändert jedoch nichts daran, dass in der osthessischen Gemeinde gerade dicke Luft herrscht. Grund dafür: Auf den Uniformen und Einsatzfahrzeugen der Bimbacher Feuerwehr könnte es bald zu einem Wappen-Wechsel kommen. Demnach soll das aktuelle Wappen von Bimbach vom Ortswappen von Großenlüder abgelöst werden. Heiliger Bimbach, ein Unding!
Dementsprechend empört sind auch die Kameraden und Kameradinnen der Feuerwehr, die sich mit Händen und Füßen wehren und sogar eine Unterschriften-Aktion gestartet haben. Ausgang: aktuell offen. Wir bleiben aber dran!
Papageien werden zum Fassaden-Problem
Sollten auch Sie zu den Menschen gehören, die gerne seltene Vögel suchen und diese dann in einer dafür vorgesehenen App dokumentieren, waren Sie mit Sicherheit auch schon mal in Wiesbaden auf Zwitscher-Safari. Die dort umherflatternden grünen Papageien sind optisch und akustisch echte Hingucker und -hörer. Die Sittiche haben jedoch auch eine schlechte Seite: In Ermangelung an natürlichen Baumhöhlen nisten sich die Flattermänner gerne in wärmegedämmten Fassaden ein, inzwischen soll es hunderte Sittichhöhlen in Wiesbadener Mehrfamilienhäusern geben. Ein Grund zur Sorge bestehe für alle laufenden Bewohner und Bewohnerinnen laut der Wohnungsgesellschaft GWW aber noch nicht.
MT Melsungen gewinnt Pokal-Krimi
Dank des Wortes "Sperrgebiet" habe ich jetzt einen Ohrwurm (in dem das Wort Sperrgebiet genau genommen gar nicht vorkommt), wir machen trotzdem völlig ohne Skandal und ohne Rosi weiter – und beschäftigen uns stattdessen mit Nordhessen. Genauer: mit den nordhessischen Handballern der MT Melsungen.
Die Bartenwetzer haben nach dem grandiosen Sieg gegen Meister SC Magdeburg am Dienstagabend auch im Pokal eine Glanzleistung folgen lassen. Das Team von Trainer Roberto Garcia Parrondo setzte sich in der Verlängerung mit 35:33 gegen die Rhein-Neckar Löwen durch und zog damit ins Achtelfinale ein. Was gestern wohl in Kassels Kneipen los war? Da herrschte Konjunktur die ganze Nacht.
Los geht's
Guten Morgen, liebe Hessinnen und Hessen. Ich weiß nicht, ob Sie es wussten. Aber heute ist tatsächlich der Tag der Kastanie und gleichzeitig kalendarischer Herbstanfang. Zu beidem habe ich ein eher distanziertes Verhältnis, der Tag der Sonnencreme und Frühling fände ich irgendwie schöner. Aber ich will mal nicht so sein. Wir holen uns einfach gemeinsam eine warme Decke, umklammern eine Tasse Hagebuttentee und lesen den Morgenticker.
Mein Name ist Mark Weidenfeller, ich versorge Sie ab jetzt vier Stunden lang mit den wichtigsten Nachrichten dieses Bundeslandes in Kastanien-Männchen-Größe. Wenn Sie Fragen, Wünsche oder Anmerkungen haben, schicken Sie mir gerne versandkostenfrei eine E-Mail.
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