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Hessen in Karten: Rechenzentrums-Hotspot ohne Limit?

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Frankfurter Stromnetz durch Rechenzentren am Limit

Warum es firstcolo mit dem neuen Projekt in die Frankfurter Peripherie zog? "In Frankfurt gibt es wahrscheinlich innerhalb der nächsten zehn Jahre keine relevanten Strommengen mehr", sagt Geschäftsführer Evans.

In direkter Nähe zum Internetknoten DE-CIX siedelten sich in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Rechenzentren in Hessens größter Stadt an: Inzwischen zählt die Stadt bereits 85 Rechenzentrums-Bauten.

Im Zuständigkeitsbereich der Mainova, die den größten Teil des Stadtgebiets umfasst, kommen die Rechenzentren auf 660 Megawatt Anschlussleistung und machen 20 Prozent des Stromverbrauchs im Netz aus.

Für noch mehr Rechenzentren bräuchte es mehr Kapazitäten im Netz, mehr Höchststromleitungen, mehr Umspannwerke - so erklärte es der Frankfurter Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) im Juni dem Stadtparlament.

Ökologische Auswirkungen in der Kritik

Dass insbesondere in den vergangenen zwei Jahren eine Entwicklung Fahrt aufgenommen hat, bei der sich große Rechenzentren stärker in den Anrainerkommunen und auch in weiterer Entfernung rund um Frankfurt ansiedeln, beobachtet auch Werner Neumann vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Hessen. In seinen Worten: "Man beobachtet, dass die Branche durchdreht."

Fast wöchentlich bekomme er inzwischen Anrufe, nicht mehr nur aus dem Großraum Frankfurt, sondern aus ganz Deutschland - von Menschen, die sich um die Auswirkungen auf die Umwelt von neuen Rechenzentren vor Ort sorgen: Da ist einerseits der hohe Strombedarf, der teilweise durch neue fossile Kraftwerke und Diesel-Notstromaggregatoren sichergestellt wird, und somit zu neuen CO2-Emissionen führt.

Dazu kommen die Abwärme, die nur selten weitergenutzt wird, der Wasserbedarf für Kühlungssysteme sowie der Flächenverbrauch der Großrechenzentren.

Kommunen versprechen sich Jobs und Steuereinnahmen

Dennoch überwiegen für viele Kommunen immer wieder die Argumente für neue Mega-Rechenzentren. Erst Ende August entschied die Gießener Stadtverordneten für eine neue 65-Megawatt-Anlage. Der erwartete jährliche Stromverbrauch liegt beim 1,5-fachen des bisherigen Verbrauchs der gesamten Stadt Gießen.

Die Stadt erhofft sich neue Arbeitsplätze, weitere IT-Unternehmen, die sich dadurch ansiedeln, und zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen. Auch etwa in Hanau und Dietzenbach (Kreis Offenbach) begründeten die Kommunen ihre Entscheidung ähnlich.

Eine Studie zum Rechenzentrums-Markt im Rhein-Main-Gebiet zeigt jedoch: Trotz des Booms stellt die Branche nur 0,1 Prozent aller Arbeitsplätze in der Region. Gemessen an den Jobs werde die Branche trotz ihres "überdurchschnittlichen Wachstums" künftig klein bleiben, heißt es darin.

Evans: "Hochprofitables Geschäftsfeld"

Jerome Evans von firstcolo bestätigt: "Es gibt teilweise sehr große Rechenzentren und wenig Arbeitsplätze", das sei insbesondere bei den Wettbewerbern aus den USA der Fall. Mit rund 100 Arbeitsplätzen am neuen Standort in Rosbach liege firstcolo weit über dem branchenüblichen Schnitt.

Evans betont jedoch: "Rechenzentren sind ein hochprofitables Geschäftsfeld." Somit sei die Ansiedlung aus Sicht von Kommunen allein deshalb "lohnenswert, weil Rechenzentren gute Gewerbesteuerzahler sind".

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