DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,21 % 64.447,15 USD 07:18:55 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Hillsborough-Meteorit liefert präbiotische Bausteine auf die Erde

Wissenschaft

Am 16. Juli 2024 durchschlug ein gut 1,35 Kilogramm schwerer Gesteinsbrocken aus dem Weltall das Dach eines Wohnhauses in der Kleinstadt Hillsborough im US-Bundesstaat New Jersey. Wie in einer im Wissenschaftsmagazin Science Advances veröffentlichten Studie zu lesen ist, entpuppte sich das Objekt durch die Analysen des SETI-Instituts aus dem kalifornischen Mountain View als wissenschaftliche Sensation. Der Himmelskörper drang den Radardaten zufolge mit einer Geschwindigkeit von rund 52.000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre ein und verursachte eine von Kameras aufgezeichnete Druckwelle. Dank der schnellen Reaktion des Hausbesitzers, der die Bruchstücke umgehend mit Handschuhen sowie Alufolie sicherte, blieb das Gestein von irdischen Verunreinigungen fast komplett verschont. „Dank der schnellen Reaktion des Hausbesitzers sind dies die unversehrtesten CM1/2-Meteoriten, die wir kennen“, ordnet der leitende Astronom Peter Jenniskens den Fund fachlich ein. Laut dem an der Auswertung beteiligten Forscher Mike Zolensky vom NASA Johnson Space Center im texanischen Houston ist der Hillsborough-Meteorit weltweit erst der zweite beobachtete Fall dieser Übergangsklasse. Salzlaugen im Inneren des Hillsborough-Meteoriten Die Untersuchung unter dem Elektronenmikroskop offenbarte eine für diese seltene Gesteinsklasse außergewöhnliche Struktur, die in der Vergangenheit offenkundig durch flüssiges Wasser verändert wurde. Die involvierten Expert:innen entdeckten winzige, natriumreiche Fragmente sowie kleine Dolomit-Kristalle, in deren feinen Rissen sich charakteristische Salze stark konzentriert abgelagert hatten. Diese spezifische Form der wässrigen Alteration belegt, dass auf dem Mutterasteroiden des Meteoriten einst salzhaltige Flüssigkeiten zirkulierten und beim allmählichen Verdampfen diese mineralischen Spuren hinterließen. Solch deutliche Hinweise auf zirkulierende Salzlaugen kannten die Wissenschaftler:innen in dieser Qualität bisher fast ausschließlich aus den außerirdischen Bodenproben der Raumsonde Hayabusa2. Dass nun ein absolut vergleichbarer geochemischer Befund direkt aus einem Meteoritenabsturz in einem privaten Schlafzimmer gewonnen werden konnte, unterstreicht den enormen Wert dieses Zufallsfundes. Die im Gestein isolierten Salzlaugen spielten auf dem ursprünglichen Himmelskörper nach Einschätzung des Teams offenbar eine entscheidende Rolle als chemischer Katalysator für komplexere Reaktionen. Organische Moleküle als präbiotische Basis Besonders aufschlussreich für die Raumfahrtforschung war im Anschluss die instrumentelle Analyse der organischen Bestandteile, die immerhin 1,76 Prozent Kohlenstoff und einen messbaren Anteil an Stickstoff aufwiesen. In den pulverisierten Meteoritenproben fand das Team eine bemerkenswert komplexe Mischung aus löslichen Aminosäuren und speziellen Karbonsäuren, die als chemische Grundbausteine für die Entstehung von Leben gelten. Die beteiligte Geochemikerin Queenie Chan von der britischen Royal Holloway University of London geht davon aus, dass diese organische Materie tief im Asteroiden unter dem Einfluss der Salzlaugen entstanden ist. Solche handfesten Laborfunde stützen die etablierte These, dass das chemische Inventar für das spätere biologische Leben maßgeblich durch Asteroideneinschläge in der turbulenten Frühzeit der Erde angeliefert wurde. Die dafür zwingend notwendigen Molekülketten bildeten sich demnach nicht zwingend erst in den Urozeanen, sondern waren bereits im kosmischen Baumaterial des inneren Sonnensystems weiträumig vorhanden. Der Einschlag in New Jersey liefert der Wissenschaft somit ein weiteres messbares Indiz für die funktionierende Theorie der präbiotischen, chemischen Evolution im schwerelosen Raum. Limitationen der spektakulären Entdeckung Bei aller unbestreitbaren Relevanz des Fundes müssen die präsentierten Analysedaten jedoch mit der in der seriösen Forschung gebotenen Nüchternheit betrachtet werden. Der rein instrumentelle Nachweis von Aminosäuren in dem Brocken bedeutet keinesfalls, dass auf dem Himmelskörper jemals biologisches Leben existiert hat, da diese organischen Moleküle nachweislich auch durch abiotische Prozesse entstehen. Zudem betonen die Autor:innen der Veröffentlichung in ihrer methodischen Aufarbeitung, dass sich trotz der vorbildlichen Sicherung durch den Finder geringfügige terrestrische Kontaminationen nicht völlig ausschließen ließen. So fanden sich in den Spektrometer-Daten insbesondere Spuren von geschmolzenem Nylonfasermaterial aus der getroffenen Hausisolierung, welche aus den endgültigen Messwerten der Massenspektrometrie erst nachträglich mathematisch herausgefiltert werden mussten.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren