Hirnaneurysma entdeckt: Warum eine sofortige Behandlung oft nicht nötig ist
Bei modernen CT- und MRT-Untersuchungen findet sich heute bei etwa einem von 15 gesunden Erwachsenen ein nicht eingerissenes Hirnaneurysma. Der Anteil solcher Diagnosen ist damit innerhalb weniger Jahre deutlich gestiegen. Für Betroffene wichtig: Ein zufällig entdecktes Aneurysma muss häufig nicht sofort behandelt werden, da nur ein kleiner Teil tatsächlich platzt.
Jeder 15. Erwachsene betroffen: Was der Befund bedeutet
In einer im Fachjournal The Lancet Neurology veröffentlichten Analyse unter Federführung der Klinik für Neurochirurgie der Universitätsmedizin Mannheim wurde ermittelt, wie häufig nicht eingerissene Hirnaneurysmen auftreten. Ausgewertet wurden für die Analyse 62 Studien aus den Jahren von 1955 bis 2025 mit insgesamt 316.131 beteiligten Personen aus 25 Ländern. Bei 11.822 von ihnen lag ein nicht geplatztes Hirnaneurysma vor.
Zudem wurden Daten einer Teilgruppe gesunder Erwachsener betrachtet, die mit modernen Blutgefäßdarstellungen mittels CT und MRT untersucht wurden. Beim Vergleich der beiden Zeiträume von 2002 bis 2015 und 2016 bis 2022 zeigte sich ein deutlicher Anstieg der gefundenen Fälle nicht eingerissener Hirnaneurysmen. Der Anteil solcher Diagnosen erhöhte sich von 2,9 Prozent auf 6,6 Prozent.
Warum die Häufigkeit so stark gestiegen ist, bleibt offen. Bessere Bildgebung und das höhere Durchschnittsalter erklären den Anstieg laut den an der Studienanalyse beteiligten Forschern nur teilweise.
Bei einigen Risikogruppen treten Hirnaneurysmen häufiger auf
Frauen waren laut den Studiendaten mit 5,5 Prozent fast doppelt so häufig betroffen wie Männer mit 3,0 Prozent. Noch öfter fanden sich Hirnaneurysmen bei bestimmten Vorerkrankungen und familiärer Belastung. Besonders häufig traten sie auf bei:
polyzystischer Nierenerkrankung in 12,8 Prozent der Fälle,
genetischen Bindegewebserkrankungen wie Marfan- oder Ehlers-Danlos-Syndrom in 10,3 Prozent der Fälle,
Aneurysmen oder Subarachnoidalblutungen von Familienangehörigen in 7,9 Prozent der Fälle.
Auch beeinflussbare Faktoren spielen eine Rolle. Aktives Rauchen war mit einem 1,4-fach erhöhten Risiko verbunden, Bluthochdruck mit einem 1,6-fach erhöhten Risiko.
Muss ein Hirnaneurysma sofort behandelt werden?
Ein zufällig entdecktes Aneurysma muss häufig nicht sofort verschlossen werden, so die Studienautoren. Sie verweisen darauf, dass pro Jahr nur etwa eines von 1.000 Aneurysmen platzen würde. Allerdings kann das Risiko ein Einzelfall deutlich davon abweichen und muss daher individuell eingeschätzt werden.
Für das weitere Vorgehen sollte auch bedacht werden, dass beim vorbeugenden Verschließen eines Hirnaneurysmas per Gefäßkatheter oder mikrochirurgischem Eingriff ein Risiko von etwa zwei bis drei Prozent besteht, durch den Eingriff einen Schlaganfall zu erleiden oder zu sterben.
Bei vielen Patienten können daher aus Expertensicht regelmäßige bildgebende Kontrollen sinnvoller sein als ein sofortiger Eingriff. Wer ein Hirnaneurysma als Zufallsbefund erhält, sollte das persönliche Risiko für das Platzen eines Hirnaneurysmas und die individuell sinnvollsten Maßnahmen in jedem Fall mit spezialisierten Ärzten – mit Neurologen – klären.
Wichtig zur Vorsorge sind die konsequente Behandlung von Bluthochdruck und der Verzicht auf das Rauchen.