Hitze in Europa: Im Rhein bei Köln ist kaum noch Schifffahrt möglich
Die anhaltende Hitze führt zu gravierender Trockenheit in Europa. Wetterdienste in mehreren Ländern warnen vor erneuten Extremtemperaturen – auch in Deutschland. Der Deutsche Raiffeisenverband erwarte nach einer Schätzung eine Getreideernte von 40,6 Millionen Tonnen. Im Jahr 2025 waren es 45 Millionen Tonnen Getreide. Das extreme Niedrigwasser der Flüsse belastet zunehmend die Wirtschaft. Die niedrigen Wasserstände erfordern deutlich mehr Fahrten für die gleiche Frachtmenge. In Ungarn und Rumänien musste der Betrieb der Atomkraftwerke wegen der niedrigen Pegelstände gedrosselt werden. Besonders für ältere Menschen, Schwangere und Personen mit Vorerkrankungen ist die Hitze gefährlich. Allein in Deutschland starben laut Robert Koch-Institut mindestens 12.500 Menschen infolge der jüngsten Hitzewelle. Neben eigenen Recherchen verwenden wir Material der Nachrichtenagenturen AFP, AP, dpa, epd, KNA und Reuters. Annika Benzing Meteorologischer Dienst registriert Wärmerekord in der Nähe von London In Kew Gardens sind heute vorläufig 38,1 Grad Celsius gemessen worden. Damit ist dieser Tag der bislang heißeste Tag des Jahres in Großbritannien. Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr wurden dort Temperaturen von 38 Grad erreicht, schrieb die Zeitung The Guardian. Zuvor war das nur im Jahr 2022 der Fall gewsen. Zudem war dieser Donnerstag der fünft wärmste Tag seit Beginn der Aufzeichnungen, teilte das Met Office, der offizielle meteorologische Dienst des Vereinigten Königreichs, mit. Der bisherige Höchstwert von 38 Grad Celsius aus dem Jahr 2026 wurde am 28. Juni gemessen. Die Kew Gardens (offiziell Royal Botanic Gardens) liegen im Südwesten von London. Sie gehören zu den ältesten botanischen Gärten der Welt. Lino Wimmer Donau wird für ungarisches AKW gestaut Ungarn staut die wasserarme Donau auf, um den Betrieb des Atomkraftwerks Paks nahe Budapest zu sichern. Ministerpräsident Péter Magyar teilte mit, die Bauarbeiten an einer sogenannten Sohlschwelle hätten bereits begonnen. Das Flusswasser ist nötig, um das AKW zu kühlen, das normalerweise ein Drittel des ungarischen Strombedarfs deckt. Wegen der niedrigen Pegelstände läuft Ungarns einziges Kernkraftwerk seit neun Tagen nur im Minimalbetrieb. Die neue Sohlschwelle soll laut Magyar in drei bis vier Wochen fertiggestellt werden. Kurzfristiger sollen mehrere, jeweils achtzig Meter lange Lastkähne versenkt werden, um am Donaugrund eine erste, provisorische Stauschwelle zu errichten. Bagger arbeiten am Ufer der Donau, um den Wasserstand in der Nähe des Kernkraftwerks Paks in Ungarn anzuheben. Bernadett Szabo/Reuters Hella Kemper Waldbrand auf griechischer Halbinsel Chalkidiki Ein großer Waldbrand wütet auf der dicht bewaldeten westlichen Landzunge der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki. Die Behörden rufen Bewohner und Urlauber im Ferienort Siviri sowie in umliegenden Dörfern per SMS über das griechische Notfallwarnsystem 112 auf, das Gebiet zu verlassen. Küstenwache und Privatleute holten mit Booten schon zahlreiche Urlauber aus dem Küstengebiet und brachten sie auf den Seeweg in Sicherheit, wie örtliche Medien zeigen. Nach Angaben einer Sprecherin der Feuerwehr nehmen an den Löscharbeiten neun Löschflugzeuge und mehrere Hubschrauber teil. Dichte Rauchwolken waren nach Angaben von Augenzeugen kilometerweit zu sehen. Ein Löschhubschrauber wirft Wasser über einem Wald nahe dem Dorf Loumpa ab. Hella Kemper Landwirte bringen Tiere früher zum Schlachter Auf den vertrockneten Wiesen wächst kaum neue Biomasse nach. Dadurch stehen den Landwirten nach Angaben des Landesbauernverbands Baden-Württemberg aktuell 30 bis 40 Prozent weniger Futter zur Verfügung als sonst um diese Zeit. Für Betriebe, die auf Gras und Heu angewiesen waren, fehlten damit wichtige Reserven für die kommenden Wochen. Als Gegenmaßnahme gab das Landwirtschaftsministerium nach eigenen Angaben zusätzliche Flächen zur Futtergewinnung frei. Auch in Hessen wird das Futter knapp, wie der Hessische Bauernverband mitteilte. »Gerade Grünland reagiert unmittelbar auf anhaltende Trockenheit: Wenn Niederschläge ausbleiben oder regional sehr ungleich verteilt sind, wächst das Gras deutlich schlechter nach, Weiden trocknen aus und die Futtergrundlage für die Tiere wird knapp.« »Wenn die Trockenheit anhält, werden Schlachtungen sicherlich im Herbst ein Thema«, teilte der Bauernverband in Bayern mit. Schon jetzt zeichne sich ein im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöhtes Aufkommen von Schlachtrindern ab. In Baden-Württemberg würden in mehreren Regionen Tiere aufgrund der angespannten Futtersituation bereits jetzt zur Schlachtung gegeben, sagte Dominik Modrzejewski vom Bauernverband. Alena Kammer Auf dem Rhein bei Köln fahren kaum noch Schiffe Am Kölner Pegel wird derzeit täglich ein neuer Tiefststand gemessen. Am Donnerstagmittag lag der Wasserstand bei nur noch 49 Zentimetern. Nach Einschätzung des zuständigen Amtes könnte der Pegel bis Sonntag sogar auf 47 Zentimeter sinken. Wegen des extremen Niedrigwassers fahren auf dem Rhein bei Köln inzwischen kaum noch Schiffe. »Die Schifffahrt wird sich von selbst einstellen«, sagte Markus Neumann vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein. Zwar dürfen die Schiffe weiterhin fahren. Für viele lohnt sich das aber kaum noch, weil sie wegen des niedrigen Wasserstands deutlich weniger Ladung transportieren können. Wie stark der Schiffsverkehr zurückgegangen ist, zeigte sich bereits: Zwischen den wenigen Schiffen lagen ungewöhnlich lange Pausen. Laut Neumann sind zudem fast alle Schiffe, die noch bei Köln unterwegs sind, leer. Das lässt sich an den sogenannten Eichmarken an den Außenseiten der Schiffe erkennen. Alena Kammer Körper am Limit Sehr heiße Sommer werden zunehmend zur Normalität. Nun folgen die nächsten Hitzetage. Die steigenden Temperaturen gefährden längst nicht mehr nur ältere Menschen oder chronisch Kranke. Was passiert eigentlich, wenn der Körper überhitzt? Und welche Krankheiten treten bei extremer Hitze häufiger auf? In diesem Video werfen meine Kollegen Adrian Pohr und Toralf Staud einen Blick darauf, wie sich der Klimawandel auf unsere Gesundheit auswirkt. Mehr dazu finden Sie hier: Thordis Schreiber Grüne fordern Hitzegipfel im Kanzleramt Die Grünen fordern die Einberufung eines Hitzegipfels im Kanzleramt. Bei dem Thema Hitzeschuss gebe es in Deutschland ein Zuständigkeitsproblem, sagte die Grünenumweltpolitikerin Julia Schneider. Es brauche »mehr Klimaschutz und ein Deutschland, das auch unter veränderten klimatischen Bedingungen funktioniert«. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) warf sie vor, sich noch nicht geäußert zu haben und lediglich Entwicklungen beobachten zu wollen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lasse außerdem die wirtschaftlichen Schäden unerwähnt. »Die nächste Hitzewelle darf Deutschland nicht unvorbereitet treffen«, sagte Schneider. Thordis Schreiber Widerstand in der Union gegen Schneider-Vorstoß Der Vorstoß von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) für mehr Kompetenzen des Bundes bei der Anpassung an die Erderwärmung stößt auf Widerstand in der Union. Die Aufnahme der Erderwärmung als Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz bringe »keinen Vorteil für das Klima«, sagte Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland mit. Hintergrund seien mögliche rechtliche Probleme, sagte Krings. Eine breite Kompetenz des Bundes würde »die Verfassungsjuristen auf Jahre mit Abgrenzungsfragen beschäftigen«. Im Bereich des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsrechts bliebe im Zweifel kaum noch etwas von der Gesetzgebungskompetenz der Länder übrig. Isabelle Daniel Warum es in Deutschland schon wieder heiß wird Verursacher der sich anbahnenden neuen Hitzewelle in Deutschland ist Hoch Ralf. Nach Aussage des Meteorologen Fabian Chow vom Deutschen Wetterdienst ist dessen Einfluss deutschlandweit spürbar. »Die Luftmassen sinken ab und dadurch bilden sich so gut wie keine Wolken«, sagte Chow der Nachrichtenagentur dpa. Chow sprach von einer »recht kurzen Hitze«, die das Land in den kommenden Tagen erwarte. Bereits heute sei es verbreitet heiß und sonnig, im Südwesten würden Höchstwerte von 34 Grad erreicht. Lokal seien auch 37 Grad möglich. Morgen intensiviert sich laut DWD dann die Hitze: Im Westen und Südwesten werde Temperaturen von mehr als 35 erwartet, in der Spitze auf 38 Grad. Auch am Samstag sind demnach vom Oberrhein bis in die Lausitz in der Spitze bis 38 Grad wahrscheinlich. Ab Sonntag soll es dann abkühlen – auch wenn im Süden und Südosten teils noch mehr als 30 Grad erreicht werden könnten. Im Westen und Südwesten Deutschlands werden ab morgen Temperaturen von mehr als 35, in der Spitze von 38 Grad, erwartet. Arjun Raj/unsplash Gebietsweise dürfte es laut Chow auch den vielerorts ersehnten Regen geben – große Unwetter würden aber nicht erwartet. »Obwohl die Luftmasse durchaus Unwetterpotenzial birgt, tendieren die derzeitigen Modellprognosen wohl nicht zu einer großflächigen Schwergewitterlage, sodass die Hitze ohne großen Knall endet.« Thordis Schreiber Zug wegen Waldbrands evakuiert In Nordrhein-Westfalen sind Einsatzkräfte aufgrund kilometerlanger Brände entlang einer Bahnstrecke im Einsatz. Ein Zug mit rund 150 Reisenden musste auf freier Strecke nahe Düsseldorf halten und evakuiert werden, wie die Feuerwehren in Kaarst und Meerbusch mitteilten. Fahrgäste, die durch die Hitze unter Kreislaufbeschwerden litten, wurden von Rettungskräften versorgt. Die Weiterfahrt der Reisenden erfolgte mit Ersatzbussen. Alena Kammer Kosten für Anpassung an Klimawandel liegen bei 800 Milliarden Euro Damit Städte und Gemeinden trotz der Hitze lebenswert bleiben, müssen sie sich an die Folgen des Klimawandels anpassen. Der Präsident des Städte- und Gemeindebundes, Ralph Spiegler, rechnet dafür mit Kosten von rund 800 Milliarden Euro. Das Geld werde in den nächsten 20 Jahren benötigt, sagte Spiegler dem rbb. Nötig seien unter anderem größere Wasserspeicher, Verbundsysteme und Investitionen in die Struktur. Priorität müsse die Sicherung des Trinkwassers haben, sagte er. Spiegler unterstützt den Vorschlag von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). Dieser hatte gefordert, dass Bund, Länder und Kommunen gemeinsam für die Anpassung an steigende Temperaturen verantwortlich sein sollen. Der Bund solle dabei mehr Aufgaben übernehmen. Die neue Zuständigkeit solle außerdem im Grundgesetz festgeschrieben werden. Pia Packmohr Agrarverband erwartet geringere Getreideernte Nach Brancheneinschätzung führt die lange Trockenheit in weiten Teilen Deutschlands zu einer geringeren Getreideernte. Der Deutsche Raiffeisenverband erwarte nach einer Schätzung eine Getreideernte von 40,6 Millionen Tonnen. Im Jahr 2025 waren es 45 Millionen Tonnen Getreide. Der Deutsche Raiffeisenverband vertritt 1.600 Genossenschaftsunternehmen im Agrarhandel und der Verarbeitung. Seit Beginn der Dürreperiode Mitte Juni sind nach Angaben des Verbands durch die Trockenheit rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps verloren gegangen. Drei Millionen Tonnen Getreide und Raps sind seit Mitte Juni durch die Dürre verloren gegangen. Ina Fassbender/AFP/Getty Images Unterm Strich sei es eine noch ausreichende, unterdurchschnittliche Ernte, sagte Experte Guido Seedler. Nur die günstige Witterung im Frühjahr habe größere Schäden verhindert. Thordis Schreiber Bundesregierung: Niedrigwasser wird zum Konjunkturrisiko Der Bundesregierung zufolge wird die deutsche Konjunktur durch besonders niedrige Wasserstände auf vielen Flüssen ausgebremst. Für das laufende dritte Quartal ließen Frühindikatoren zwar eine positive Einschätzung für die weitere Entwicklung zu, hieß es im Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums. »Das Risiko für temporäre, regionale Materialengpässe vor allem in der Mineralöl-, Chemie-, Bau- und Stahlindustrie« sei aber gestiegen. Obwohl viele Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre Transportlogistik umgestellt hätten, sei vereinzelt ein deutlicher Anstieg der Transportkosten sichtbar, hieß es weiter. In einem Fluss in der Stadt Waldeck in Hessen sind durch die Dürre Ruinen sichtbar geworden, die normalerweise mehrere Meter unter der Wasseroberfläche liegen. Ina Fassbender/AFP/Getty Images Alena Kammer Was die Hitze mit der Psyche macht Mit steigenden Temperaturen scheint auch die Gereiztheit vieler Menschen zuzunehmen: Autofahrer greifen häufiger zur Hupe, Fußballspieler begehen mehr Fouls und auch die Zahl bestimmter Straftaten steigt. Hohe Temperaturen wirken sich nicht nur auf den Körper, sondern auch auf das Verhalten aus. Mehr dazu lesen Sie hier: Thordis Schreiber Letzter Atomreaktor in Rumänien wird abgeschaltet Rumänien hat wegen des extremen Niedrigwassers der Donau mit der Abschaltung seines letzten noch laufenden Atomreaktors begonnen. Das teilte der staatliche Betreiber Nuclearelectrica mit. Der Prozess zur Trennung des Reaktors am Standort Cernavodă wurde demnach eingeleitet, nachdem bereits Ende Juli der erste der beiden Blöcke am Standort vom Netz genommen worden war. Für den gesamten August wurde der Energienotstand ausgerufen und ein 330-Megawatt-Braunkohlekraftwerk wieder in Betrieb genommen. Das Kernkraftwerk Cernavodă, Rumäniens einzige Kernkraftanlage, wird wegen des niedrigen Wasserstands der Donau abgeschaltet. Alex Nicodim/Anadolu/Getty Images Nach oben