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Hitze und Niedrigwasser legen AKWs lahm - Grüne fordern Kurswechsel

Technologie

Sinkende Wasserpegel sorgen in Deutschland für Probleme bei der Schifffahrt. Doch in anderen Ländern bedrohen sie derzeit massiv die Energieversorgung. Angesichts dessen fordern die Grünen ein Umdenken in Brüssel und Berlin. Die Hitzewelle hat nicht nur Deutschland erfasst. Auch andere EU-Länder bekommen die hohen Temperaturen und deren Folgen zu spüren. Eine davon: Mehrere Länder haben derzeit Probleme, ihre Atomkraftwerke am Laufen zu halten – denn es fehlt an Wasser, um sie zu kühlen. Vor diesem Hintergrund fordern die Grünen von der Bundesregierung, sich für einen Kurswechsel in der EU einzusetzen. "Die europäischen Atomkraftwerke sind den Folgen der Klimakrise – Hitze und Niedrigwasser – nicht gewachsen", sagt Jan-Niclas Gesenhues, umweltpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, unserer Redaktion. "Die Bundesregierung muss sich in Brüssel jetzt dringend dafür einsetzen, dass Europa sich unabhängig von Atomkraft macht und die Irrwege bei Mini-Versuchsreaktoren einstellt." Gesenhues verweist auf die Situation in Ungarn, Rumänien und Frankreich, "wo mehrere Atomkraftwerke wegen Hitze und fehlendem Kühlwasser abgeschaltet werden mussten. Ungarn befindet sich in einer beispiellosen Energiekrise mit explodierenden Strompreisen." Hitze sorgt für massive AKW-Probleme in Ungarn, Frankreich und Rumänien Ungarns Ministerpräsident Péter Magyar hat jüngst selbst von einer "beispiellosen Energiekrise" aufgrund der Hitzewelle gesprochen. In dem Land musste das Atomkraftwerk Paks aufgrund des niedrigen Wasserstands an der Donau auf Minimalbetrieb gedrosselt werden. Auch eine vollständige Abschaltung stand zuletzt im Raum, konnte bislang aber abgewendet werden. Normalerweise deckt das Kraftwerk in Paks etwa ein Drittel des gesamten Strombedarfs Ungarns. Derzeit läuft allerdings nur eine Turbine des Kraftwerks, das damit nur noch auf 12 Prozent seiner Gesamtleistung kommt. In Frankreich stehen hingegen laut einem Bericht von "Euronews" drei Reaktoren still. Weil durch die starke Hitze die Wasserpegel der Flüsse abgesunken sind, laufen im Kraftwerk Chooz in den Ardennen aktuell zwei Reaktoren nicht. Einer davon wurde bereits am 11. Juli abgeschaltet, der zweite am Samstagabend. Zudem wurde ein Reaktor in Cattnom in der Nacht auf Samstag abgestellt, weil die Mosel zu wenig Wasser führt. In Rumänien war in der vergangenen Woche ein Reaktor des AKWs in Cernavoda wegen Mangels an Kühlwasser heruntergefahren worden. Das Kraftwerk erzeugt etwa 20 Prozent des rumänischen Strombedarfs. Wegen des Wassermangels droht nun sogar eine vollständige Abschaltung des AKWs. Um das zu vermeiden, hat die Regierung jüngst einen Felsen gesprengt. Dessen Trümmer sollen nun in einem Arm der Donau versenkt werden. Das Ziel: den Wasserstand künstlich zu erhöhen und so mehr Wasser zum AKW zu leiten. Ob das gelingt, ist derzeit aber noch unklar. Sollte die Umleitung nicht ausreichend Wasser zum Kraftwerk bringen, könne das AKW laut Angaben des rumänischen Verteidigungsministers Radu Miruta maximal noch bis Donnerstag am Netz gehalten werden. Gesenhues: "Atomkraft gefährdet die europäische Energieversorgung" Gesenhues postulierte angesichts dieser Umstände: "Atomkraft gefährdet die europäische Energieversorgung." Der Grünen-Politiker forderte deshalb Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zum Handeln auf. Reiche müsse "umgehend die geplanten Kürzungen und neuen Hürden für Erneuerbare im EEG und Netzpaket zurücknehmen". Das EEG ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das Reiche reformieren will. Ziel der Ministerin ist es vor allem, Kosten zu senken. Dafür sollen Förderungen für erneuerbare Energien gestrichen werden. Wer zum Beispiel mit einer Photovoltaikanlage Solarstrom ins Netz einspeist, erhält derzeit einen fixen Betrag pro Kilowattstunde. Dieser "Einspeisevergütung" genannte Betrag ist auf zwanzig Jahre angelegt, sinkt allerdings alle sechs Monate. Reiche will diese garantierte Förderung für Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von weniger als 25 Kilowatt ab 2027 streichen. Insbesondere kleine Anlagen, die Privathaushalte auf ihren Dächern befestigen, würden dadurch keine konstante Förderung mehr erhalten. Empfehlungen der Redaktion Dürre löst Energiekrise aus: Ungarn und Rumänien schalten AKWs ab Schon jetzt wackelt der Zeitplan für die Rentenreform Frei sieht keinen Verhandlungsspielraum bei Abschaffung der "Rente mit 63" Gesenhues erklärte hingegen, Reiche dürfe "den Ausbau der Solarenergie nicht weiter ausbremsen, sondern müsse endlich zur Vernunft kommen." Nur Solarstrom und Stromimporte aus den EU-Nachbarländern würden Ungarn derzeit vor "flächendeckenden Stromausfällen retten". Reiche müsse angesichts dieser Situation "endlich ihre Haltung ändern und sich in Deutschland und Europa mit Nachdruck für die Erneuerbaren einsetzen." (thp)

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