Hitze und Unwetter ziehen ab - jetzt wird's wechselhaft
Stand: 29.06.2026 17:53 Uhr In vielen Teilen Norddeutschlands wurden am Samstag Temperaturen um die 40 Grad gemessen, in vier Ländern somit historische Höchstmarken übertroffen. Zum Wochenstart sind die Temperaturen gefallen, die begleitenden Unwetter ziehen nun ab. Die starke Hitzewelle der vergangenen Tage ist abgeebbt. Am Sonntagabend hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) seine Warnung vor starker bis extremer Hitze für den gesamten Norden auf. Heute Vormittag und Mittag zogen Unwetter über Teile Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommerns hinweg, teilweise begleitet von heftigem Starkregen und teils Hagel. In der Region Hannover sorgte Starkregen etwa in Pattensen für vollgelaufene Keller. Wie ein Feuerwehrsprecher sagte, belasteten die Regenmassen die Kanalisation kurzfristig so stark, dass Wasser zurückgedrückt wurde. Feuerwehrkräfte pumpten die Keller leer. Heute sind bei einem Wechsel aus Sonne und Wolken nur noch einzelne Schauer zu erwarten. "Der Norden steckt noch in einer warmen Luftmasse - heiß ist sie aber nicht mehr", beschreibt Meteorologe Christian Paulmann vom DWD die aktuelle Lage. Am Dienstag sind demnach an den Küsten Höchstwerte von 20 bis 24 Grad zu erwarten, im Binnenland 24 bis 28 Grad. DWD-Prognose: "Mäßig warm und wechselhaft" "Ein Zwischenhoch beschwert uns zwar einen weitgehend ruhigen Dienstag, aber ein Tiefausläufer bringt dann Schauer und einzelne Gewitter von Westniedersachsen bis zur Nordseeküste", so Paulmann. Die Wetterlage breite sich nach Osten aus und sorge vor allem in Schleswig-Holstein und dem östlichen Niedersachsen für eine gewittrige Nacht zu Mittwoch, ehe die Gewitter am Morgen auch Mecklenburg-Vorpommern erreichten. Der Trend für die zweite Wochenhälfte im Norden: Temperaturen um die 20 Grad am Tag, nachts fällt das Thermometer teilweise auf 11 Grad. "Die kommenden Nächte werden deutlich angenehmer als die am Wochenende", sagt der Meteorologe mit Blick auf die vergangenen tropischen Nächte. Ein neue Hitzewelle zeichnet sich nach seiner Einschätzung noch nicht ab. "Es stellt sich für eine etwas längere Zeit eine mäßig warme und wechselhafte Wetterlage ein", blickt Paulmann voraus: "Mal heiter und sonnig, aber auch immer wieder Schauer und Gewitter bei Temperaturen um 20 Grad." Mehrere neue Höchstwerte in Norddeutschland Samstag war der Tag der Hitzerekorde: Der Deutsche Wetterdienst vermeldete für Schleswig-Holstein einen neuen Allzeit-Messhöchstwert. In Grambek im Kreis Herzogtum Lauenburg wurden 39,2 Grad erreicht. 40,2 Grad wurden in Lüchow im Wendland gemessen, somit gibt es laut DWD auch in Niedersachsen einen neuen absoluten Höchstwert. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gab es einen neuen Höchststand: In Suckow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) wurden nach Angaben des NDR Wetterstudios 40,9 Grad Celsius gemessen. Und in Hamburg war es heißer als je zuvor an einem Junitag. Die Station Neuwiedenthal verzeichnete 39,4 Grad Celsius, wie der DWD mitteilte. NDS: Feuerwehr kühlt überhitzte Pflegeheime In Wolfenbüttel und Schladen (Landkreis Wolfenbüttel) musste am Sonntag die Feuerwehr wegen überhitzter Zimmer in Seniorenpflegeheimen anrücken. Wie der Einsatzleiter dem NDR Niedersachsen mitteilte, hatten sich Zimmer einiger Bewohner teils auf bis zu 40 Grad aufgeheizt. Die Feuerwehr wurde um Hilfe gebeten. Einsatzkräfte bauten Lüftungsgeräte mit Schläuchen auf, die kühle Luft aus dem Keller in die Zimmer bliesen. SH: Schaulustige behindern wohl Rettungskräfte An Stränden gerieten am Wochenende einige Badegeäste in Not. Allein die Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Haffkrug-Scharbeutz (Kreis Ostholstein) haben nach eigenen Angaben am Samstag und Sonntag acht Menschen aus akuter Lebensgefahr gerettet. Aus Timmendorfer Strand gibt es Berichte darüber, dass Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit behindert worden seien. Wetterexperte Böttcher: Ungewöhnliche Hitzewetterlage Dass der Norden und auch der Rest Deutschlands in den vergangenen Tagen mit dieser Hitzewetterlage konfrontiert wurden, sei wirklich außergewöhnlich, sagt NDR Wetterexperte Frank Böttcher. "Noch nie hatten wir in Deutschland drei Tage in Folge mit Temperaturen über 40 Grad." Zudem sei der Zeitpunkt dieser extremen Wetterlage am Anfang des Sommers besonders. "Solch eine Wetterlage im August mag man sich gar nicht vorstellen, wenn dann noch heißere Luftmassen aus Afrika über Spanien und Frankreich hinweg den Weg zu uns nach Norddeutschland finden", sagte Böttcher. Aufgrund des Klimawandels müssten sich die Menschen in Deutschland zukünftig vermutlich häufiger auf solche extremen Hitzewellen einstellen. Waldbrandgefahr steigt weiter Wegen der hohen Temperaturen und des geringen Niederschlags stieg zuletzt auch die Gefahr von Waldbränden, unter anderem in Niedersachsen, aber auch in Hamburg, Schleswig-Holstein und in Mecklenburg-Vorpommern. Mangelnder Hitzeschutz? Rufe nach Konsequenzen Nach der Hitzewelle kommen von mehreren Seiten Rufe nach Konsequenzen. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge warf der Bundesregierung vor, nichts für den Hitzeschutz der Bevölkerung zu tun. Im ARD-"Morgenmagazin" wies sie auf die Lage in Pflegeeinrichtungen hin. Die Angestellten müssten bei brüllender Hitze arbeiten und die alten Menschen litten darunter, dass es keine Klimaanlagen gibt. Ähnlich hatten sich die Deutsche Stiftung Patientenschutz und der Städtetag geäußert. Von der Bundesregierung forderte Dröge ein Sofortprogramm: "Das Wichtigste wäre, dass man alte Menschen und Kinder besser schützt - mit Klimaanlagen in Pflegeeinrichtungen, in Krankenhäusern, in Schulen." Uwe Janssens, medizinischer Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmediziner, sieht die Bundesländer in der Pflicht: "Wir benötigen eigentlich, um die Krankenhäuser resilient zu machen, circa 21 bis 30 Milliarden Euro. Und die werden von den Ländern einfach nicht bereitgestellt." Auch Menschen in Pflegeheimen seien "völlig schutzlos", so Janssens. "Da tut der Staat fast gar nichts." Angesichts von Hitzeschäden auf Straßen und Gleisen etwa moniert der Mobilitätsforscher Andreas Knie: Deutschlands Infrastruktur komme an Grenzen. "Der Asphalt und auch die Startbahnen, die wir auf unseren Flughäfen haben, sind auch nicht auf diese extremen Temperaturen ausgelegt gewesen", kritisiert Knie.