DAX +1,62 % 25.590,77 Pkt 18:00:00 MDAX +2,07 % 30.495,47 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.164,69 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,31 % 52.377,57 Pkt 21:48:23 S&P 500 +1,30 % 7.722,60 Pkt 21:48:15 Nasdaq +2,01 % 26.477,81 Pkt 22:15:59 Nikkei +0,99 % 63.896,25 Pkt 05:44:50 Gold -0,53 % 4.053,00 USD 05:49:29 Silber -0,53 % 54,01 USD 05:49:43 Brent -2,56 % 110,97 USD 05:47:29 WTI +1,55 % 101,45 USD 05:49:40 Bitcoin +0,09 % 80.873,63 USD 05:59:40 EUR/USD -0,44 % 1,11250 USD 05:59:42 EUR/GBP -0,10 % 0,83650 GBP 05:59:52 EUR/CHF -0,21 % 0,92290 CHF 05:59:51 EUR/JPY -0,27 % 175,546 JPY 05:59:51

Hobbyschatzsucher gräbt Finnlands größten Silberschatz der Wikingerzeit aus

Wissenschaft

Tausende Silbermünzen und Schmuck: Ein finnischer Hobbyarchäologe hat in einem Wald nahe seiner Heimatstadt einen spektakulären Fund gemacht. Der Schatz wiegt rund 4,5 Kilogramm – doppelt so viel wie der bisherige Rekordfund.

In einem Waldstück nahe der südfinnischen Gemeinde Sysmä hat ein Hobbyschatzsucher mit seinem Metalldetektor den bislang umfangreichsten wikingerzeitlichen Silberhort des Landes aufgespürt. Der Fund umfasst Tausende Münzen sowie Schmuckstücke und wiegt nach ersten Schätzungen rund 4,5 Kilogramm, wie die für die Region zuständigen Lahti-Museen mitteilten.

Der Entdecker ist der 40-jährige Kalle Lappinen. Er stieß am 3. September rund 150 Kilometer nördlich von Helsinki auf den Schatz, wie der "Standard" berichtet. Die Münzen und Objekte lagen in den Überresten zweier Birkenrindenbehälter, die etwa 45 Zentimeter tief zwischen Steinen im Erdreich vergraben waren. Beide Depots befanden sich in einem Abstand von rund zwölf Metern zueinander.

Münzen aus Deutschland, Schweden und der islamischen Welt

Neben den Tausenden Silbermünzen birgt der Hort ein Fragment eines silbernen Armreifs, eine Perle aus Silber sowie sogenanntes Hacksilber – Silberstücke, die nach ihrem Gewicht als Zahlungsmittel dienten. Archäologe Esko Tikkala vom Lahti-Museum erklärte gegenüber "Live Science", die Münzen stammten aus Gebieten des heutigen Deutschland, Schweden und Großbritannien. Darunter befänden sich aber auch Dirhams – Silbermünzen aus der islamischen Welt.

Die Objekte datieren vermutlich auf die Zeit zwischen 1000 und 1050 nach Christus. Der reine Edelmetallwert des Schatzes beläuft sich auf umgerechnet knapp 10.000 US-Dollar. Die Münzen seien bislang weder gereinigt noch gezählt worden, so Tikkala. Genaue Anzahl, Gewicht und Datierung sollen erst die Folgeuntersuchungen klären.

Fest steht jedoch bereits: Der neue Fund übertrifft den bisherigen finnischen Rekordhalter deutlich. Jener Schatz war 1895 im rund 210 Kilometer südwestlich gelegenen Nousiainen entdeckt worden und enthielt mehr als 1.700 Münzen – wog mit etwa 2,2 Kilogramm aber nur rund die Hälfte.

Finnland und die Wikinger – eine überraschende Verbindung

Der Archäologe Toni Paukku von den Lahti-Museen bezeichnete die Entdeckung als "sehr bedeutsam". Der Fund beleuchte Finnlands enge Verbindung zum skandinavischen Kulturraum in der Wikingerzeit, sagte Paukku der "New York Times". Finnland sei "stark mit der skandinavischen Kultursphäre verbunden" gewesen, angetrieben durch den Handel skandinavischer Seefahrer – "von denen einige tatsächlich Wikinger waren" – über die Ostsee.

Tikkala betonte allerdings, der Begriff "Wikingerzeit" bedeute nicht, dass Wikinger tatsächlich in Finnland gelebt hätten. Das Gebiet des heutigen Finnland sei weder kulturell noch politisch Teil des wikingischen Skandinavien gewesen. Finnische Historiker und Archäologen verwendeten den Begriff lediglich als Epochenbezeichnung.

Warum wurde der Schatz vergraben?

Absichtlich verborgene Schätze dieser Epoche seien in Finnland keine Seltenheit, erläuterte Paukku. Als Gründe nannte er gesellschaftliche Instabilität und äußere Bedrohungen. Zudem hätten religiöse Vorstellungen eine Rolle gespielt: Viele Menschen jener Zeit glaubten demnach, dass vergrabener Reichtum ihnen ins Jenseits folgen könne.

Weshalb genau dieser Schatz in der Erde landete, bleibt allerdings ungeklärt. "Man kann nur sagen, dass diejenigen, die ihn vergruben, nicht zurückkamen, um ihn abzuholen", so Paukku. Bestattungen in der Nähe des Fundorts seien nicht nachgewiesen worden.

Wie Kalle Lappinen den Schatz fand

Kalle Lappinen, der den Schatz fand, durchstreift seit 1998 mit seinem Metalldetektor die finnische Landschaft. Er hatte das betreffende Waldstück bereits mehrfach ohne Erfolg abgesucht, bevor er Anfang September dorthin zurückkehrte.

Als sein Pinpointer – eine kleine Handsonde zur Präzisionsortung – laut "aufheulte", begann er fieberhaft zu graben, schilderte er der "New York Times". In einer Tiefe von etwa einem halben Meter habe er "einen Haufen Münzen" gefunden. Den Fund meldete er den Behörden – nachdem er sich "von dem Adrenalinstoß erholt hatte".

Für Lappinen war es nicht die erste bedeutende Entdeckung. Bereits zuvor hatte er einen kleineren wikingerzeitlichen Silberschatz sowie schwedisches Kupferplattengeld aufgespürt. "Es war unglaublich schön, mit diesem Hort zu beweisen, dass meine Heimatstadt Sysmä in der Wikingerzeit etwas wirklich Besonderes gewesen ist", sagte er.

Hobbyarchäologen: Segen oder Risiko für die Wissenschaft?

Der Archäologe Eljas Oksanen von der Universität Helsinki würdigte Lappinens Vorgehen als vorbildlich. Im vergangenen Jahrzehnt hätten Sondengänger eine beträchtliche Menge neuer Erkenntnisse geliefert und das Verständnis der späten Eisenzeit "transformiert", erklärte Oksanen der "New York Times". Besonders wertvoll seien in diesem Fall die Überreste der Birkenrindenbehälter: In Finnlands stark sauren Böden blieben organische Materialien nur selten erhalten. Oksanen sprach deshalb von einem "doppelt seltenen Fund".

Zugleich räumte er ein, dass die Hobbysuche mit Metalldetektoren in Fachkreisen nicht unumstritten sei. Es bestehe stets die Gefahr, dass bedeutende Fundstätten nicht fachgerecht gesichert würden. Lappinens sofortige Kontaktaufnahme mit den Behörden hob er jedoch als Musterbeispiel hervor.

Empfehlungen der Redaktion

Archäologin lässt Instrumente nach 2.000 Jahren wieder erklingen

Taucher lüften Rätsel um verschwundenes U-672

Welches Wahrzeichen ist gesucht?

In Sysmä steht als Nächstes die systematische Untersuchung des Fundorts und seiner Umgebung an. Anschließend sollen Münzspezialisten die einzelnen Stücke identifizieren und einen detaillierten Bericht erstellen. "Es werden definitiv wissenschaftliche Artikel über den Hort als Ganzes sowie detailliertere Studien zu den Münzen selbst veröffentlicht", kündigte Tikkala an. (red)

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren