„Höchst peinlich und dem Unternehmen nicht würdig“: Scharfe Kritik an Audi
Der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump stößt bei IG-Metall-Chefin Christiane Benner auf scharfe Kritik. „Die Art und Weise, wie Gernot Döllner sich und Audi in den USA präsentiert hat, ist höchst peinlich, politisch inakzeptabel und dem Unternehmen, vor allem aber den Audianerinnen und Audianern, nicht würdig“, erklärte Benner am Montag.
Dieses Verhalten stoße ihr nicht nur persönlich sauer auf, sondern sie verurteile es auch klar. Döllner verletze zudem eklatant die eigenen Unternehmensregeln, die ausdrücklich politische Neutralität im Vorfeld von Wahlen verordnen.
Die Volkswagen-Tochter Audi betont in ihrem im April veröffentlichten Code of Conduct, der auch von Döllner unterschrieben wurde, die politische Neutralität: „Um diesen Grundsatz zu respektieren, werden in den letzten drei Monaten vor Wahlen keine öffentlich wirksamen Termine mit zur Wahl stehenden Parteien/Politikern und keine Sponsorings von entsprechenden Veranstaltungen mehr durchgeführt.“
VW-Betriebsratschefin Cavallo will „vor Scham im Boden versinken“
Trump hatte am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung im US-Bundesstaat Georgia den Bau eines Audi-Werks angekündigt. Dann rief er den Audi-Vorstandschef Gernot Döllner auf die Bühne, der Trump für dessen Unterstützung dankte. In dem Werk sollen jährlich rund 200.000 Fahrzeuge gebaut werden, vor allem große SUVs. Allerdings stehe die Genehmigung der Konzerngremien, insbesondere des Volkswagen-Aufsichtsrats, noch aus.
Auch VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo kritisierte den Auftritt von Döllner scharf. „Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie – und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe“, sagte Cavallo in einem internen Interview, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Wer die Rede von Trump gehört habe und habe wahrnehmen müssen, dass Döllner zum aktiven Teil dieser Veranstaltung geworden sei, müsse vor „Scham im Boden versinken“.
Cavallo sparte auch nicht mit Kritik am gesamten VW-Konzernvorstand um Chef Oliver Blume. Dieser habe sich „von einer höchst zweifelhaften politischen Figur, die gegen so ziemlich jeden unserer Unternehmenswerte verstößt, zur Marionette in dessen Propaganda-Show machen lassen“, sagte sie. Dass umgehend erste Vergleiche zur VW-Geschichte gezogen würden, spreche für sich. Es sei ein Spiel mit dem Feuer. Volkswagen ist in der Nazi-Zeit gegründet worden und diente dem Regime von Adolf Hitler als Vorzeigeunternehmen.
Kritik auch von Olaf Lies
Auch der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies hat Döllner scharf kritisiert. „Eine Wahlkampfveranstaltung kann nicht der richtige Ort sein, eine solche Investition zu verkünden“, erklärte der SPD-Politiker am Montag. Der Chef der VW-Tochter Audi sei „Teil einer politischen Inszenierung“ geworden, was Befremden ausgelöst habe.
Lies stellte klar, dass eine endgültige Entscheidung über das Projekt noch ausstehe. Über eine Investition dieser Größenordnung entschieden die zuständigen Gremien des Konzerns, „und diese Entscheidung ist noch nicht gefallen“.
Linken-Chef Luigi Pantisano fordert gar den Rücktritt Döllners. „Ich finde, es ist eindeutig: Audi-Vorstandschef Gernot Döllner muss seinen Hut nehmen“, sagte er dem Nachrichtenportal „t-online“. „Gerade bei VW, wo das Land Niedersachsen mit in der Verantwortung ist, muss das Konsequenzen haben.“ Audi gehört zum VW-Konzern.
Bis zu den wichtigen Midterms sind es weniger als zehn Tage. Am 3. November stimmen die Amerikanerinnen und Amerikaner über die Sitze im Repräsentantenhaus und einen Teil der Sitze im Senat ab. Die Republikanische Partei Trumps will ihre hauchdünnen Mehrheiten in den beiden Kammern des US-Kongresses verteidigen.
Trump droht mit Zöllen und will Firmen in die USA locken
Trump fordert seit Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2025 von ausländischen Unternehmen mit der Drohung von hohen Zöllen, Produktion in die USA zu verlagern. Er stellte solchen Firmen den Erlass von Zöllen, die auf den Import in die USA anfallen, in Aussicht. Trump will so die heimische Wirtschaft ankurbeln und Industriejobs schaffen.
In einer Audi-Mitteilung hieß es, dass der Baubeginn des Werks für 2027 vorgesehen sei. Erstmals plane die Marke ein eigenes Werk in den USA. Rund 4500 Jobs sollen geschaffen und rund vier Milliarden US-Dollar (rund 3,6 Milliarden Euro) investiert werden. Die Produktion soll Anfang der 2030er Jahre starten. In dem Werk sollen Premium-SUVs gebaut werden, die gezielt auf die Anforderungen von nordamerikanischen Kundinnen und Kunden ausgerichtet werden. Laut Trump sollen dort jährlich 200.000 Autos produziert werden.