Höcke-Auftritt offenbart Stärke der AfD und einen Riss in der Gesellschaft
„Dankeschön“. Mit diesem Wort beendete Björn Höcke um 19.38 Uhr seine Rede auf dem Neubrandenburger Marktplatz. Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag war als Gast bei dem Wahlkampftermin, vor ihm sprachen schon die AfD-Politiker Hannes Gnauck, Robert Schnell und Stephan Scheel.
Hunderte Personen waren auf dem Marktplatz
Höcke behandelte in seiner Rede ein großes Spektrum an Themen. Unter anderem ging es um die Landespolitik in Thüringen und um Friedrich Merz. „Dieser Mann ist in meinen Augen fremdgesteuert“, sagte er beispielsweise über den Bundeskanzler. Auch die am Sonntag anstehende Wahl in Sachsen-Anhalt wurde in den Reden der Politiker immer wieder zum Thema gemacht. In dem Bundesland liegt die AfD aktuellen Umfragen zufolge weit vor den anderen Parteien, eine Alleinregierung könnte möglich sein.
„Ich glaube, es war richtig, dass wir Björn Höcke aus Thüringen geholt haben“, fasste Enrico Komning nach der Veranstaltung zusammen. Der AfD-Bundestagspolitiker moderierte die Veranstaltung, er schätzte die Teilnehmerzahl zunächst auf gut 700 Personen und korrigierte sich im Verlauf der Veranstaltung nach oben auf gut 1.000 Personen.
Polizeisprecherin Claudia Berndt sagte dem Nordkurier vor Ort, dass sich im abgesperrten Bereich gut 600 Teilnehmer der AfD-Veranstaltung befanden. Unter den Zuschauern waren auch mehrere bekannte Livestreamer. Nach der Veranstaltung gab es für die Unterstützer der AfD noch die Möglichkeit, Selfies mit Björn Höcke zu machen.
Auch viele Gegendemonstranten waren vor Ort
Die Veranstaltung wurde von vielen Gegendemonstranten begleitet. Immer wieder kam es während der Reden von den AfD-Politikern zu Buh- und Zwischenrufen sowie Pfiffen. „Nazis raus“-Sprechchöre wurden immer wieder angestimmt, auch „Höcke raus“ war zu hören. Gegen 19 Uhr seien noch gut 180 Teilnehmer bei der Gegendemonstration gewesen, die zuvor vom Bahnhof in die Innenstadt zog, sagte Claudia Berndt.
Zudem befanden sich außerhalb des abgesperrten Bereichs laut Polizeiangaben etwa 300 Zuschauer, unter denen auch weitere Gegendemonstranten waren. Über den gesamten Marktplatz hinweg waren während der Veranstaltung etliche Polizisten positioniert. Zu größeren Störungen und Vorfällen kam es laut der Polizei nicht. Das Einsatzkonzept habe funktioniert, bilanzierte die Polizeisprecherin.
Weidel und Chrupalla sollen auch kommen
Für den AfD-Politiker war es nicht der erste Auftritt in der Vier-Tore-Stadt. Schon im Jahr 2017 besuchte er Neubrandenburg, um Werbung für seine Partei im Rahmen des damaligen Bundestagswahlkampfes zu machen. Auch damals wurde die Veranstaltung von zahlreichen Gegendemonstranten mit Musik und Pfiffen begleitet.
Für Björn Höcke geht es am Freitag in Stralsund mit der nächsten AfD-Wahlkampfveranstaltung weiter. Auch in der Hansestadt sind schon Proteste angekündigt.
In gut zwei Wochen steht zudem in Neubrandenburg schon der nächste Besuch von prominenten AfD-Politikern an. Wie Robert Schnell dem Nordkurier auf Anfrage bestätigte, kommen am 18. September, also zwei Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, die beiden Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla nach Neubrandenburg. Beide werden dann im Haus der Kultur und Bildung auftreten.