Hoffnung für Merz: Union liegt in Umfragen bei 23 Prozent - Abstand zur AfD schmilzt
Die AfD bleibt nach ihren Erfolgen bei den jüngsten Landtagswahlen auch in bundesweiten Umfragen stärkste politische Kraft. Allerdings schmilzt der Vorsprung der von Alice Weidel und Tino Chrupalla geführten Ultrarechten in zwei Erhebungen, während er bei anderen Instituten zuletzt deutlich größer war.
Wäre am Sonntag Bundestagswahl, fiele die AfD um zwei Punkte auf 26 Prozent, wie aus dem am Freitag veröffentlichten ZDF‑„Politbarometer“ der Forschungsgruppe Wahlen hervorgeht. Die Union um Kanzler Friedrich Merz (CDU) könnte sich um zwei Punkte auf 23 Prozent verbessern.
Die SPD, die ihre neue Führungspitze sucht, gewinnt leicht dazu, während die Grünen wie die Linkspartei etwas einbüßen. Weiterhin nicht im Bundestag vertreten wäre die FDP unter Parteichef Wolfgang Kubicki..
Klare Mehrheit will Rente mit 63 beibehalten
Alle anderen Parteien kämen zusammen auf zehn Prozent (plus zwei), darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erreichen würde.
Dieser Umfrage zufolge hätte die derzeitige schwarz-rote Regierungskoalition weiterhin keine Mehrheit.
Zuvor war die AfD auch in der Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach vom Donnerstag stärkste Kraft geblieben, die Union konnte aber hier den Abstand leicht verkürzen.
Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, würden der Befragung für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zufolge 27 Prozent der AfD ihre Stimme geben, ein Prozentpunkt weniger als im September. Die Union liegt auch hier bei 23 Prozent – unverändert zur letzten Befragung.
Die SPD könnte einen Punkt zulegen und läge gleichauf mit den Grünen, die unverändert bei 14 Prozent stehen. Um einen Prozentpunkt auf elf Prozent könnte sich die Linke steigern. Auch in dieser Umfrage würde die FDP mit vier Prozent den Einzug in den Bundestag wieder verfehlen, nachdem sie im September noch bei fünf Prozent gelegen hatte.
AfD liegt in anderen Umfragen deutlich weiter vor Union
In anderen Umfragen war der Abstand zwischen AfD und Union zuletzt weiterhin größer. So lagen die Rechten in einer am Dienstag veröffentlichten Erhebung des Instituts YouGov zehn Prozentpunkte vor CDU/CSU, die hier wie im September auf 18 Prozent kamen. Im „Sonntagstrend“ des Meinungsforschungsinstituts Insa am vergangenen Wochenende erzielte die Union auch diesen Wert. Die AfD lag hier bei 29 Prozent.
Das „Politbarometer“ vom Freitag zeigt auch, dass die Mehrheit der Menschen an der Rente mit 63 festhalten möchte. Die Abschaffung der Frührente ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren – aktuell mit 64,5 Jahren möglich, landläufig aber weiterhin als „Rente mit 63“ bezeichnet – ist einer der Kernpunkte der von der schwarz-roten Koalition geplanten Rentenreform.
Sie geht auf einen Vorschlag der Rentenkommission zurück. Allerdings gibt es Widerstand dagegen. Neben der SPD wollen auch die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen), Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen) die beliebte Rentenart beibehalten.
Und auch nur 21 Prozent der befragten Wählerinnen und Wähler befürworten das Vorhaben. Knapp drei Viertel (74 Prozent) sprechen sich dagegen aus.
Zustand der Gesellschaft wird als relativ positiv gesehen
Allerdings sehen viele auch Handlungsbedarf: 83 Prozent halten eine grundlegende Reform zur Stabilisierung der Rente für wichtig oder sehr wichtig. Nur für zwölf Prozent ist eine solche Rentenreform nicht so oder gar nicht wichtig.
Die Umfrage zeigt auch, dass die meisten Menschen in Deutschland trotz aller Probleme den Zustand der Gesellschaft im Vergleich zu anderen Ländern positiv sehen. Mit Blick auf die westeuropäischen Nachbarn gehe es in der Bundesrepublik „eher besser“ – das sagen 53 Prozent. Dagegen sind 16 Prozent der Meinung, es gehe „eher schlechter“, während 27 Prozent keinen großen Unterschied sehen.
Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten.